# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 09 29_S17 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) + + Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Redigirt von C. F. W. Walther. Jahrgang 4. St. Louis, Mo., den 5. October 1847. No. 3. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. (Eingeſandt von Th. Brohm.) Das Concordien buch. Es ſollen, ſo der HErr will, hier eine Reihe kurzer Aufſätze folgen, welche den Zweck haben, den Leſern einen einfältigen, allgemein faßlichen Unterricht über das „Concordienbuch“ oder „die Bekenntnißſchriften unſrer evangeliſch-lutheriſchen Kirche“ zu geben. Sie ſind nicht für Theologen —von Fach, welchen gründlichere Hülfsmittel zu Gebote ſtehen, ſondern für Laien berechnet, aber für ſolche, die, wenn gleich keine gelehrten, doch wohl unterrichtete Chriſten ſein wollen. Wir haben hiebei ein doppeltes Ziel im Auge, eines Theils nemlich die Lutheraner auf den großen, aber vielleicht ihnen unbekannten Schatz aufmerk⸗ ſam zu machen, welchen ſie im ſogenannten Con⸗ cordienbuche beſitzen, und ſie doch wo möglich zu bewegen, dieſen Schatz beſſer würdigen zu lernen, als es bisher geſchehen, andern Theils denen, die ihn kennen und beſitzen, einen Handleiter darzu⸗ bieten, der ihnen zum richtigen Verſtändniß des⸗ ſelben etwa von einigem Nutzen ſein möchte. Sollte dieſer Endzweck auch nur theilweiſe erreicht werden, ſo wäre das ſchon ein überreicher Lohn und wir wollten Gott herzlich dafür danken.“) 1. Was verſteht man unter dem Con⸗ cordienbuch? Daß wir dieſe Frage aufwerfen, werden uns diejenigen unſrer Leſer zu gute halten, die es be⸗ reits wiſſen, und werden die Beantwortung der⸗ ſelben denen gönnen, die ſie noch bedürfen, und um welcher willen die Frage geſchieht. Manche haben vielleicht das Wort „Concordienbuch“ kaum jemals gehört, oder haben nie eine andere Vor⸗ ſtellung davon ſich gemacht, als von einem alten, wurmſtichigen Buche, das ſie zuweilen bei ihrem Großvater geſehen, von deſſen Inhalte und Wer⸗ the ſie aber keine Ahnung haben. Solchen diene alſo zur Nachricht: Das Concordien buch iſt die Sammlung aller der Bekenntniſſe des Mögen dieſe Aufſätze zugleich dazu dienen, die von Herrn Ludwig in New Rork beabſichtigte Herausgabe des Concordienbuchs den geneigten Leſern aufs Beſte zu em⸗ pfehlen. TTT Glaubens, auf welche die lutheriſche Kirche zum Unterſchied vor andern neben ihr ſtehenden Kirchengemeinſchaften ſich gründet und durch welche ſie ihren Zuſammenhang mit der apoſtoliſchen Kirche beurkundet und be⸗ weiſet, daß ſie die wahre ſichtbare Kirche Chriſti iſt. Das Concordienbuch iſt daher der Einigungspunkt aller Lutheraner; wer ihm wider⸗ ſpricht, wer es verwirft, kann nicht Anſpruch machen auf die Gliedſchaft dieſer Kirche. Wem nun daran gelegen iſt, zu erſehen, was die lutheriſche Kirche iſt, was ſie glaubet, lehret, und bekennet (und wem ſollte nicht daran ge⸗ legen ſein?), der kann es am ſicherſten und zuver⸗ läſſigſten aus dieſer Quelle lernen. Zwar gibt es Gott Lob! noch einen großen Vorrath herrlicher Bücher, aus denen er eben dasſelbe lernen kann; wer wollte aber nicht lieber aus der erſten, fri⸗ ſchen Quelle ſelbſt, als aus den daraus abgeleite⸗ ten Bächen trinken? Daneben aber gibts auch viele Bücher, von lutheriſchen Gottesgelehrten ge⸗ ſchrieben, in denen das Waſſer mehr oder minder durch menſchliche Zuthat getrübt worden iſt; wie nothwendig alſo, um reines Waſſer zu trinken, zur urſprünglichen Quelle ſelbſt hinzugehn! Das Concordienbuch aber enthält, um es vorläufig zu ſagen, 1. die drei ökumeniſchen Symbole, 2. die Augsburgiſche Confeſſion, 3. deren Apologie⸗ 4. die Schmalkaldiſchen Artikel, 5. den kleinen, 6. den großen Catechismus Lutheri, 7. die Con⸗ cordienformel. Dieß ſind die Bekenntniſſe, zu welchen ſich entweder die ganze lutheriſche Kirche oder, was die Concordienformel betrifft, der größere Theil derſelben öffentlich bekannt hat und da, wo ſie noch beſteht, bekennt, und nach welcher ſie an⸗ geſehen und beurtheilt ſein will. Wiewohl nun dieſe Bekenniniſſe in den verſchiedenſten Zeiten und von den verſchiedenſten Perſonen verfaßt worden ſind, ſo waltet doch in ihnen allen ein und derſelbe Geiſt, ein Glaube, einerlei Meinung; da iſt kein innerer Widerſpruch, allenthalben die lieb⸗ lichſte Eintracht, ein Theil ergänzet, erkläret, ver⸗ vollſtändigt, beſtimmt den andern. Darum nen⸗ nen wirs mit Recht das Concordien- d. i. Ein trachtsbuch, Eintracht herrſcht in den ein⸗ zelnen Theilen des Concordienbuchs, Eintracht, und zwar die rechte Eintracht auf Grund eines Glaubens, iſts, was durch das Concordienbuch bezeuget wird, Eintracht, welche durch dasſelbe er⸗ reicht und bewahrt werden ſoll in der Chriſten⸗ heit. Wären darin alle, die ſich Chriſten nennen, eins, dann hätten die Secten und Rotten auf⸗ gehört; ſo lange es aber noch Widerſacher des Concordienbuchs gibt, ſo lange wirds auch an Secten und Rotten nicht fehlen. 2. Wichtigkeit des Concordienbuchs für alle lutheriſchen Chriſten insgemein. Daß das Concordienbuch großentheils ein ver⸗ borgener, unbekannter Schatz iſt, iſt leider eine ſchreiende Thatſache. Dieſe hat ohne Zweifel ihren Grund unter andern auch in der irrthüm⸗ lichen Meinung, als ſei das Concordienbuch ein Buch höchſtens für die Prediger, nicht aber für die Laien. Daß es aber ein Buch für jedermann iſt, für Zuhörer, wie für Prediger, für Ungelehrte, wie Gelehrte, iſt unſchwer einzuſehen, aus fol⸗ genden Gründen: 1. aus dem allgemein wichtigen und allgemein faßlichen In— halt des Concordien buchs; denn es ent⸗ hält nicht eine Geheimlehre, nicht ſpitzfindige, theologiſche Fragen, die bloß Gelehrte intereſſiren könnten, nicht unweſentliche Nebenlehren, die der Laie entbehren könnte, ſondern es enthält die Haupt⸗ und Grundartikel des ſeligmachenden chriſtlichen Glaubens, davon jeder Chriſt Kunde haben muß. Dazu iſt auch die Sprache und Schreibart, mit weniger Ausnahme, ſo einfach und leicht verſtändlich, daß ſich niemand beſchweren darf, er könne ſie nicht verſtehen. Gleichwie nun Chriſtus, Taufe, Evan gelium, Himmelreich ein Gemeingut aller Chriſten, ja, ſeinem endlichen Ziele nach, aller Menſchen iſt, ſo das Concordien⸗ buch, welches im Grunde nichts anders iſt, als ein einfältiges, treues Zeugniß von Chriſto und der Gnade und Wahrheit, die in ihm iſt. Es lag zwar urſprünglich nicht in der Abſicht derer, die es verfaßten, ein Lehr⸗ oder Erbauungsbuch zu ſchreiben (denn es ſollte ein Bekenntniß ſein), aber durch die gnädige Hand Gottes iſt es beides —