# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1860_S46 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 46 Vorwort zu Jahrgang 1860. Glaubensbrüder täglich „aufbeten“ und bekennen: „Und am jüngsten Tage mich und alle Todten auferwecken wird.“ Diese Worte kann kein grober Chiliast, der an eine Particular⸗Auferstehung zum tausendjährigen Reiche glaubt, ohne eine jesuitische Reservatio mentalis zu seinem Bekenntniß machen, er müßte denn seltsamerweise dessen gewiß sein, daß er selbst von dem tausendjährigen Reiche ausgeschlossen sein werde! Doch was citiren wir einzelne Stellen unseres Bekenntnisses? haben doch alle Gläubigen und namentlich alle heiligen Märtyrer, so lange es eine christliche Kirche gibt, die groben Chiliasten allein ausgenommen, im Leben wie im Sterben, in Reden, Gebeten und Liedern die gewisse Hoffnung ihrer einstigen Auferstehung am jüngsten Tage wie mit einer Stimme laut bis diese Stunde bekannt, so daß es fast kein rechtgläubiges Lehr⸗, Erbauungs⸗, Predigt⸗, Gebet⸗ und Gesangbuch gibt, das nicht an vielen Stellen verändert werden müßte, wenn der Traum der Chiliasten von einer Particular⸗auferstehung vor einem noch bevorstehenden tausendjährigen Reiche und vor der Auferstehung am jüngsten Tage Wahrheit wäre. Dasselbe gilt denn auch von allen den anderen in dem Beschluß unserer Synode angegebenen charakteristischen Kennzeichen des groben Chiliasmus, daß nehmlich dadurch theils dem Artikel von der Natur des Reiches Christi in der Welt, als eines unsichtbaren Glaubens⸗ und Kreuzesreiches, theils dem Artikel vom jüngsten Tage, als einem, jeden Augenblick von dem Christen zu erwartenden Ereignisse, theils dem Artikel von Christi sichtbarer Wiederkunft, als einer nur zur Vollziehung des Gerichtes über Lebendige und Todte zu erwartenden Erscheinung, widersprochen wird. Mit denen nun Frieden halten und an einem Joche ziehen, die mit ihren, auf ihre Privat⸗Auslegung prophetischer Stellen gegründeten, neuen Pseudo⸗Glaubensartikeln jene theoretisch und praktisch so hochwichtigen alten Glaubensartikel der ganzen heiligen christlichen Kirche umstoßen oder doch ungewiß, wankend und schwankend machen — das wollen, das können wir nicht. Nein, so großen Genuß auch unser armes Herz namentlich in diesen letzten betrübten Zeiten in der friedlichen Gemeinschaft mit allen, welche Christen und Lutheraner zu sein bekennen, empfinden würde und ein so schweres, ja fürwahr furchtbares Creuz es uns ist, uns von so vielen sonst liebenswürdigen Personen trennen zu sollen — Gottes Wahrheit und das darauf allein gebaute Heil der Menschen steht uns höher. Die Mehrung der Risse und Trennungen kann uns nicht zurückhalten, denn, wo keine Lehreinigkeit ist, ist der Riß und die Trennung ja schon geschehen und nicht der Rechtgläubige, sondern der Irrgläubige dafür verantwortlich. Was hilft uns eine große, äußerlich zusammengefügte lutherische Kirche, an der der Wurm der Geistesuneinigkeit nagt? Solche Kirche lassen wir den Unirten. Mögen darum immerhin eine immer größere Anzahl derjenigen, welche wir