# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1860_S44 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 44 Vorrede zu Jahrgang 1860. in diesen Irrthum gefallen sind, wenn sie sonst der reinen Lehre ergeben sind, ihren Irrthum nicht lehren noch zu verbreiten suchen, und sich der Belehrung offen zeigen, nicht alsobald die Bruderhand und die kirchliche Gemeinschaft zu versagen; sie achtet es aber eben so für ihre Pflicht, alles zu versuchen, um solche irrende Brüder zu dem reinen Bekenntniß auch in diesen Puncten zurückzuführen.“ (S. Neunter Synodalbericht der allgem. Synode von Missouri ꝛc. vom J. 1857 S. 25, 26, 42.) Ueber dreierlei hat sich unsere Synode hiermit ausgesprochen: 1. was verwerflicher und verdammlicher Chiliasmus sei,*) 2. daß sie Allen, welche diesen Irrthum entschieden festhalten, nach dem Vorgange der ganzen lutherischen Kirche in ihren besten Zeiten die Bruderhand und kirchliche Gemeinschaft versage, und endlich 3. daß aber nur diejenigen für entschiedene d. i. halsstarrige Chiliasten anzusehen seien, an denen die der Kirche zu Gebote stehenden Versuche, sie von ihrem Irrthum zur Wahrheit zu bekehren, gemacht worden und fruchtlos geblieben sind.**) Zwar macht nun Ehlers das Zugeständniß: „Verstoßen Chiliasten gegen einen wirklichen — nicht vermeintlichen — Glaubensartikel und wollen sich nicht lehren und ihren Irrthum nicht fahren lassen, so ist mit ihnen die Kirchengemeinschaft aufzuheben“ — allein was er mit der einen Hand gibt, nimmt er mit der andern wieder, theils will er nehmlich die Glaubensartikel, gegen welche die „entschiedenen Chiliasten“ anerkanntermaßen verstoßen, nicht für Glaubensartikel anerkennen, theils scheint er das Verstoßen der Chiliasten gegen unstreitig christliche Glaubensartikel nicht zu sehen. Wir ersehen hieraus mit tiefer Betrübniß, wie gefährlich es nicht nur ist, einen Irrthum zu haben, sondern auch, einen Irrthum nicht von *) Für verdammlich erklärte unsere Synode den sog. subtilen Chiliasmus ausdrücklich nicht, wenn derselbe so, wie es Dr. Aug. Pfeiffer gethan, definirt wird. Es schreibt nehmlich dieser gründliche Theolog in seiner Schrift: „Antichiliasmus. Lübeck 1691.“ (2. Aufl. 1729. S. 112.) Folgendes: „Den subtilen Chiliasmus nennen wir die Meinung derjenigen, welche zwar dafür halten, die tausend Jahr Apok. 20. seien noch nicht erfüllt, sondern es stehe die daselbst versprochene Herrlichkeit noch zu gewarten, doch so: daß sie keine sichtbare Wiederkunft Christi zum irdischen Reich, keine persönliche Regierung, keine doppelte Auferstehung ꝛc., sondern nur halcyonia (d. i. eine stille ruhige Zeit) und einen friedlichen Zustand der Kirche statuiren, dabei die eigentliche Art, ja auch die Zeit (wie lange es eigentlich damit währen werde) Gott heimstellen, wie Launäus, Rallius, Coccejus, Brenius u. A. thun. Solchen Chiliasmus halten wir nun zwar für falsch und irrig; allein, weil dadurch die Grundartikel des christlichen Glaubens nicht angetastet werden, so halten wir denselben, zumal wenn man problematice (d. i. frag' ich) davon handelt und seine Meinung niemand aufbürdet, für keine Ketzerei: sondern es wird jetzt die Frage sein von dem mittleren Chiliasmo, den wir den groben heißen und diejenigen die groben Chiliasten, welche denselben nach seinen Principalumständen defendiren.“ **) Daß es sich hier nur um solche Glieder der Kirche handelt, welche den Zusammenhang der Lehre einzusehen fähig sind, und zunächst allein um die Diener der Kirche, die Prediger, nicht um in Verwirrung gerathene, einfältige Laien, bedarf wohl nicht der Erwähnung.