# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1844 11 30_S26 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 26 und seine Werke der Predigt vom Glauben nachfolgen. Hält er diese Ordnung, so wird er sicher und ohne Gefahr wandeln können in dem Licht, welches Christus ist, und recht unterschiedlich erkennen, welche Werke recht gut sein, von denen er gewiß ist, daß sie Gott wohlgefallen und von ihm geboten sind; wird auch können verachten alle Gaukelwerke, so ein jeder nach seinem tollen und blinden Gutdünkel zu erwählen pfleget. Unsere Widersacher meinen, der Glaube sei ein leicht und nichtig Ding. Aber wie eine schwere und hohe Sache es darum sei, erfahre ich wohl, und andere, so sich daran mit Ernst versuchen. Es ist wohl bald gesagt, daß man den heil. Geist empfahe allein durch die Predigt vom Glauben, es geht aber nicht so bald und leichtlich zu, daß man die Predigt vom Glauben höre, fasse, glaube und behalte, als leicht und bald sich's reden und sagen läßt. Darum wenn du gleich von mir hörest, daß Christus, Gottes Lamm, für deine Sünde geopfert sei, sieh gleichwohl eben mit auf, daß du es recht hörest. St. Paulus nennet es klärlich und deutlich Auditum fidei, d. i., die Predigt so man höret vom Glauben; nennet es nicht ein Wort vom Glauben, wiewohl es einen geringen Unterschied hat; meinet derhalben, daß du solches Wort nicht allein hörest, sondern auch glaubest, also, daß solch Wort nicht allein meine Stimme sei, die ich rede, sondern daß solche meine Stimme oder Wort von dir angehöret werde und durchdringe dir in's Herz hinein und werde von dir geglaubt. Wenn solches geschieht, das heißt denn recht auditus fidei, d. i., eine Predigt, so vom Glauben gehört wird, dadurch du den heil. Geist empfängst. Wo der vorhanden ist, der wird nicht feiern, sondern sein Werk in dir haben, daß du Gutes thust, Böses leidest und den alten Adam tödtest. Die frommen, gottseligen Christen erfahren wohl, wie herzlich gern sie das tröstliche, gnadenreiche Wort des Evangelii, das sie hören, mit starkem unwankenden Glauben fassen und behalten wollten und dagegen die falschen trüglichen Gedanken, so ihnen das Gesetz mit seinem Dräuen und Schrecken macht, aus dem Herzen reißen: aber sie fühlen wohl, wie in ihrem Fleisch die Natur dem Geist ganz gewaltig und mit aller Macht widerstrebt. Denn die Vernunft sammt dem Fleisch wollen kurzum mit ihren Werken auch im Spiel sein, die Hand mit im Sude haben ꝛc. Apg. 15, 1. Ist derhalben nicht möglich, daß man aus der Natur gänzlich ausfegen könne das Oportet circumcidi et servare legem, d. i., man muß sich beschneiden und das Gesetz halten, will man anders selig werden, wie etliche in Jerusalem fürgaben; sondern solche Meinung bleibt immerdar im Herzen stehen, auch bei den Gottseligen. Darum haben sie auch ohne Unterlaß zu schaffen und zu kämpfen mit der Predigt vom Glauben und des Gesetzes Werken. Denn das Gewissen hat allezeit die Plage, murret dawider und denket, der Weg sei ja zu leichte und schlecht, daß man die Leute vertröstet gerecht zu werden, den heil. Geist und ewige Seligkeit zu empfahen allein durch die Predigt vom Glauben. Thue du ihm aber also, versuche es und greif es dermaleins mit Ernst an, so wirst du wohl erfahren, wie leicht es sei, die Predigt vom Glauben zu hören. Der den Schatz gibt, der ist gewißlich groß; so ist der Schatz und das Gut, so er freiwillig, umsonst und aus lauter Gnaden gibt und es niemand aufrückt, auch groß: daß du es aber fassen und annehmen sollst, dazu ist dein Glaube viel zu schwach und matt, richtet dir nur Kampf und Hader an, daß du solch angeboten Geschenk nicht annehmen kannst. Aber laß gleich das Gewissen widerbellen und dir in Sinn kommen: Ey, man muß das Gesetz dennoch halten! so oft und dicke als immer kann: siehe du allein darauf, daß du steif stehest und dich's nicht irren lassest, bis du das Oportet'' (d. i. du mußt! nehmlich das Gesetz erfüllen) „überwindest. Und wenn denn der Glaube also zunimmt, müssen dagegen die Gedanken vom Gesetz und Werk mit der Zeit fein einzelig verschwinden, wiewohl es ohne großen, schweren und mächtigen Kampf nicht abgeht.“ Geschichte zweier lutherischer Märtyrer. —— Auch die lutherische Kirche (wie man die alte rechtgläubige apostolische Kirche nennt, von der Zeit an, daß sie sich durch den Dienst Luthers wieder aus dem Schutt der eingeschlichenen Menschensatzungen erhoben hat), auch diese Kirche hat eine große Menge Glieder aufzuweisen, welche die reine evangelische Lehre derselben mit Vergießung ihres Blutes und Hinopferung ihres Lebens besiegelt haben; auch sie hat heilige Märtyrer. Sind wir Lutheraner nun auch weit entfernt, sie, wie in der papistischen Kirche geschieht, anzurufen und ihnen somit eine abgöttische Verehrung zu widmen, so wissen wir doch aus Gottes Wort: „Der Tod seiner Heiligen ist werth gehalten vor dem HErrn“ (Ps. 116.); wie vielmehr haben daher wir Menschen Ursache, den Tod unserer evangelischen Blutzeugen theuer und köstlich zu achten! Die christlichen Gemeinden der ersten Jahrhunderte sind uns hierin vorangegangen; am Jahrestage des Todes der Märtyrer versammelten diese sich auf ihren Gräbern und feierten hier die Geburtstage derselben; so nannten sie nehmlich die Tage, wo jene Bekenner des Evangeliums, leiblich sterbend, für das neue Leben im Himmel geboren worden waren. Da las man die Geschichte ihrer Marter öffentlich vor, gedachte ihrer im Kirchengebete besonders und feierte die heilige Communion, in der lebendigen Ueberzeugung, daß die auf Erden streitende und im Himmel triumphirende Kirche doch nur Eine sei. Diese ersten in apostolischer Reinheit stehenden Gemeinden verbanden aber mit jenen Jahresfesten keineswegs etwas Abgöttisches; so schreibt unter anderem die Gemeinde zu Smyrna (unter M. Aurel um das J. 170.) von den Gedächtnißtagen der Märtyrer, sie sollten sowohl zum Andenken an die, welche Vorkämpfer geworden seien, als auch dazu dienen, die Nachkommenden zur Nacheiferung zu erwecken und sie zu befestigen. Sie sagt ferner: Indem wir Christum als den Sohn Gottes verehren, so beweisen wir den Märtyrern nur als Jüngern und Nachahmern des HErrn auf eine würdige Weise unsere Liebe, um ihre Genossen und Mitjünger zu werden. (Euseb. K. G. IV, 15.) Dem Vorgange dieser ersten noch rechtgläubigen Gemeinden folgend, bewahren auch wir das gesegnete Gedächtniß derjenigen, welche ihre Seelen dargegeben haben für den Namen unseres HErrn JEsu Christi. Apost. 15, 26. In diesem unserm neuen Vaterlande hat der Christ wohl zwar nicht zu erwarten, um seines Glaubens willen einmal gewaltsam sterben zu müssen; darauf sich vorzubereiten, dazu scheint er daher die Geschichte von den heiligen Märtyrern nicht zu bedürfen, aber ein ärgerer Feind, als der ist, der den Leib zu tödten trachtet, streitet jetzt wider die Christen; Trägheit, Lauheit, Trachten nach Reichthum und guten Tagen, Gleichstellung der Welt, Eitelkeit, Weichlichkeit und Zärtlichkeit, das ist es, was jetzt die Christen immer mehr beschleicht, so daß, wenn sie von den ungläubigen Weltkindern um ihres Bekenntnisses willen nur ein saueres Gesicht bekommen, sie sich schon für große Märtyrer ansehen, ja, wohl gar schon um deßwillen die Ueberzeugung ihres Herzens zu verheimlichen suchen und so Christum schändlich verleugnen. O, liebe Mitchristen, wohin ist es mit uns gekommen! Wie ist doch der Geist der alten Zeugen unter uns sogar erloschen! Wie schlecht würden wir bestehen, wenn wir bei unserem weichlichen und zärtlichen Christenthum ähnliche Proben der Treue bestehen sollten, wie einst jene heiligen Märtyrer! Möge die folgende Geschichte etwas dazu beitragen, den Geist des Bekenntnisses in den Herzen unserer Leser zu erwecken und zu stärken! Als Luther im Jahr 1521 zu Worms vor Kaiser und Reich die Wahrheit bekannt, wider alle von ihm damals erkannte Irrthümer der römischen Kirche protestirt, und erklärt hatte, daß er nicht widerrufen könne, es sei denn, daß er mit Zeugnissen der heil. Schrift überwunden und sein Gewissen in Gottes Wort gefangen würde, so wurde hierauf ein kaiserlicher Reichsschluß proclamirt, das sogenannte Wormser Edict, welches über Luther und seine Anhänger die Acht aussprach, nach welcher von jetzt an ein jeder Lutheraner für vogelfrei erklärt, alles obrigkeitlichen Schutzes und seiner persönlichen Sicherheit beraubt und der Ueberlieferung an das peinliche Gericht verfallen war. Dieses Edict wurde nun auch an mehreren Orten wirklich vollzogen und selbst Märtyrerblut evangelischer Wahrheitszeugen vergossen. Herzog Georg von Sachsen begann diese blutige Verfolgung schon in demselben Jahre mit einem Buchhändler, welchen er darum auf öffentlichem Markte in Leipzig enthaupten ließ, weil er Luthers Schriften verkauft hatte. Im folgenden Jahre wurde jedoch besonders in den Niederlanden vielfältig gegen Güter und Leben der Anhänger der reinen Lehre verfahren. So