# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1860_S34 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 34 Vorwort zu Jahrgang 1860. Redeweise jedenfalls anstößig und daher zu vermeiden sei. So schrieben z. B. die Tübingischen und Stuttgarter Theologen Jak. Heerbrand, Steph. Gerlach, Matth. Hafenreffer, Luk. Osiander, Felix Bidembach u. A., welche von den Wittenbergischen zu Hülfe gerufen worden waren, an Huber: „Was endlich die allgemeine Erwählung betrifft (wie du sie nennst und von der du behauptest, daß sie von uns approbirt worden sei), so können wir hei⸗ lig bezeugen, daß diese neue und ungeeignete Redeweise (der du dich in deinen ersten Thesen bedient hattest) nicht gefallen habe. Denn viel weiter erstreckt sich die allgemeine Liebe Gottes, nach welcher er seinen Sohn zur Versöh⸗ nung für die Sünden der ganzen Welt vorgestellt hat, als seine Erwählung, nach welcher er allein die Gläubigen, und zwar die beharrlich Gläubigen, in Christo erwählt hat; jedoch da uns deine Aufrichtigkeit bekannt war und du das Wort Erwählung (in einem weiteren Sinne genommen) für gleichgeltend mit dem Worte allgemeine Liebe erklärtest und daher selbst zwischen allgemeiner Liebe und specieller Erwählung sorgfältig unterschiedest, so ließen wir es damals geschehen, indem wir jene deine Ausdrucksweise aufs beste ausleg⸗ ten, daß du bei deinem Sinne bliebest. Da wir aber nun sehen, daß über diese Sache ein Zwist entstanden ist, so rathen und ermahnen wir alle einmüthig, daß du hinfort von jener Redensart, welche ein Zankapfel werden könnte, auch unter Gleichgesinnten gänzlich abstehen und im Reden und Schreiben diejenige Ausdrucksweise nachahmen mögest, die, wie keine Zweideutigkeiten, so auch keine Streitigkeiten unter den Rechtgläubigen gebiert. Denn es kann und darf dir jene alte Regel nicht mißfallen, daß man oft den Sinn behalten und noch die Redeweise bessern müsse. Denn wir können es nicht über das Herz bringen, zu glauben, daß du, nachdem du sowohl von deinen Herren Colle⸗ gen als auch von uns so brüderlich ermahnt worden bist, in der Vertheidigung einer Privatmeinung beharren werdest. Denn so fromme, so rechtgläubige, so treue und endlich so gelehrte und in theologischen Controversen allseitig geübte Collegen sind ja billig zu hören, wenigstens nicht zu verachten. Die Geister der Propheten sollen den Propheten unterthan sein. Streitsucht, die, wie sie eines Theologen ganz unwürdig, so im theologischen Austausch höchst gefährlich ist, muß aus dem Gemüth eines der Wahrheit Beflissenen gänzlich ausgetrieben werden. Das Vorbild der gesunden Worte (so zu sa⸗ gen der Nerv der theologischen Eintracht) muß gebraucht und mit beiden Händen festgehalten werden. Wer weiß nicht, wie viel zur Verbreitung der Ehre Gottes, zur Beförderung der Studien der Lernenden, zu fruchtbarer Vertheidigung der Wahrheit der löbliche Consensus der Lehrer wie in der Lehre, so auch in der Redeweise beiträgt, insonderheit derjenigen, welche die hohen Lehrstühle der Akademieen einnehmen und die die Pflicht haben, so⸗ wohl den geringsten Verdacht der Uneinigkeit zu meiden, als auch mit einer⸗ lei Rede und endlich mit gleicher Feder eine und dieselbe Wahrheit zu ver⸗ theidigen? Und ein je herrlicheres Amt dir aus Gottes Geschenk zu theil geworden ist, desto mehr hast du dafür Sorge zu tragen, daß du die Ehre Gottes, die Wohlfahrt der Akademie, die Ruhe der Kirche zu fördern auf