# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1860_S32 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 32 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. im „luth. Herold“ den Vorschlag einer Vereinigung aller lutherisch sich nennenden Synoden auf der Basis der ungeänderten Augsburgschen Confession. Diesen Vorschlag weist der Luth. Obs. entschieden zurück. Er schreibt: „Während keine Union je statt haben kann zwischen den Missouriern und den anderen luth. Synoden, stimmen wir völlig mit Dr. Stohlmann darin überein, daß es keinen hinreichenden Grund gibt, warum wir als eine Kirche nicht herzlich vereinigt sein sollten. Diese Union muß aber jedenfalls nicht auf der geänderten oder ungeänderten Confession, sondern auf der Basis der Generalsynode errichtet werden. Warum? Weil Districtsynoden einen Theil der symbolischen Bücher oder dieselben alle adoptiren und dennoch mit der Generalsynode sich vereinigen mögen, ohne in ihrem Glauben gekränkt zu werden und ohne den Gewissen ihrer christlichen Brüder Gewalt anzu⸗ thun.. Da immer mehr oder weniger Differenzen unter unseren Predigern und unter un⸗ serem Volke über nicht wesentliche Puncte“ (z. B. über die Gnadenmittel!) „sein werden, so kann und wird keine Basis ersonnen werden, welche für den gegenwärtigen Frieden und das Gedeihen und den zukünftigen Ruhm unseres Zions mehr verspricht. Mögen die An⸗ strengungen der Brüder für Lehruniformität daher daheim in ihren Districtssynoden und in ihren Conferenzen gemacht werden, aber man trage diese Fragen nicht in die Generalsynode, sie zu zerreißen und zu beschädigen. Wir wissen, es gibt einige in dieser Körperschaft, welche zuweilen Repräsentanten sind, die da hoffen, ihre liberale, christliche Basis umzuwandeln und auf den altlutherischen Standpunct zu schieben; allein wenn sie nur zu diesem Zweck darin sind, so mögen sie ebenso gut gar nicht dahin gehen — dieser Traum wird sich nie rea⸗ lisiren.“ S. Obs. vom 18. Nov. v. J. II. Ausland. Das Kreuz und die Juden. Der Nürnberger Correspondent erzählt: Erst seit den letzten Jahren sind auch preußischen Juden Orden verliehen, jedoch wurden bekanntlich für diesen Zweck die Abzeichen des rothen Adlerordens, das Kreuz, bei der Verleihung an Nichtchristen in eine Sonne verwandelt, und die decorirten Juden waren somit in des Wortes ganzer Bedeutung „ausgezeichnet“. Jetzt hat der Prinz-Regent die Anordnung getroffen, daß denjenigen seiner jüdischen Unterthanen, welchen die Ehre einer Ordensverleihung zuge⸗ dacht ist, nur das Patent eingehändigt wird, während dem Empfänger überlassen bleibt, nach seinem eigenen Ermessen die Form der Abzeichen zu wählen. Die bisher decorirten jüdischen Preußen haben, nachdem diese Absicht des Prinz-Regenten bekannt geworden, sofort das Ordenszeichen der Sonne ab- und das des Kreuzes angelegt. Gestorben. Folgendes lesen wir im Neuen Zeitblatt von Münkel: Einen schmerz⸗ lichen Verlust betrauert unsere Landeskirche in dem unerwartet schnellen Heimgange des Su⸗ perintendenten Dr. J. Ph. Spitta zu Burgdorf, der mitten in seiner Kraft noch nicht 60 Jahre alt durch einen Herzkrampf in Folge eines gastrischen Fiebers am 28. September in die obere Gemeinde von Gott versetzt wurde. Unsere Landeskirche sah in ihm in früheren Jahren einen Bahnbrecher auf dem damals öden Wege nach Canaan, wo er reichlich die Schmach seines Herrn getragen hat und vielen ein Gehülfe zum Leben geworden ist. In weitern Kreisen wird sein Gedächtniß mancher segnen, der sich an dem frischen Quell seiner Lieder erquickt hat. Aber auch das Zeitblatt, das er noch kurz vor seinem Ende mit seiner immer regen Theilnahme bedachte, bedauert in ihm einen Verlust. Doch preisen wir Gott, der seinen treuen Diener hat in Frieden fahren lassen. Baden. Im September v. J. fand in dem Dorfe Söllingen die Einweihung der ersten lutherischen Kirche Badens (nach Einführung der Union) statt. In diesem Jahre soll eine zweite Kirche zu Ispringen bei Pforzheim erbaut werden. Römische Rhetorik und Logik. In einer „an die Katholiken Deutschlands“ gerichteten Ansprache der 11. Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschlands de Dato Freiburg i. B. den 15. Sept. 1859 heißt es u. A.: „Wir machen das Wort des unvergeßlichen Möhler zu dem unsrigen: Daß Katholiken und Protestanten sich in dem Bekenntniß begegnen werden: wir alle haben gefehlt, nur die Kirche ist's, die nicht fehlen kann; wir alle haben gesündigt, nur sie ist unbefleckt auf Erden.“ — Nicht dumm geredet, aber sehr dumm muß sein, wer solcher Rhetorik und Logik glaubt; wenigstens von Logik weiß ein solcher Gläubiger nichts, denn die sagt: Was von allen In⸗ dividuen gilt, das gilt auch von der Species, und was von allen Species gilt, das gilt auch vom Genus. Oder machen nicht alle Katholiken und Protestanten nach Möhler die Kirche aus, sondern etwa die griechischen Christen? Schillerfeier. In Berlin hielt Pastor Dr. Sydow die Festrede, worin er Schiller von dem Vorwurf rein zu waschen suchte, daß derselbe kein Christ gewesen sei. Alle Pre⸗ diger Berlins waren eingeladen, aber außer dem Genannten wären nur noch zwei erschienen. Geschlossene Communion. Der famose Baptistenprediger C. H. Spurgeon hat im September v. J. eine Erklärung veröffentlicht, worin er sich von dem, den Baptisten unter den Secten eigenthümlichen, Grundsatz lossagt, daß zu dem Abendmahl der Baptisten nur deren Glaubensgenossen zuzulassen seien.