# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1860_S31 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 31 Erben in der Entscheidung bei, daß diese Bestimmung zu ungewiß sei, da die kath. Kirche keine Gewißheit darüber ertheilen könne, daß es wirklich solche Seelen im Fegefeuer gebe, welchen Messen und Gebete nützen könnten. Das Geld wurde demnach den wirklichen Er⸗ ben zugesprochen. Das vereinigte Gesangbuch. Herr Past. Brobst schreibt in seiner „luth. Zeitschrift“ vom 19. Nov. v. J.: „Da nun die Reformirten bald ihr neues deutsches Ge⸗ sangbuch in den gemeinschaftlichen Kirchen in Ostpennsylvanien einführen werden, wäre jetzt eine gute Zeit auch das lutherische Gesangbuch einzuführen, wo dasselbe noch nicht einge⸗ führt ist. Das gemeinschaftliche Gesangbuch ist von den Synoden der beiden Kirchen auf⸗ gegeben.“ So sollen also doch die Reformirten den Lutheranern in Aussegung des unirten Sauerteigs zuvorkommen! Aus dem luth. Ministerium des Staates New⸗York u. a. St. sind mehrere Prediger, wie sie öffentlich erklären, „aus guten Gründen“ ausgetreten, welche den Pastoren H. H. Ebsen in Albany und A. H. M. Held in New⸗York „die Vorarbeiten zur Gründung einer neuen rein deutschev.⸗luth. Synode“ übertragen haben, und diese fordern nun „als Vorstand dieses am 18. Juni v. J., provisorisch constituirten Synodalverbandes“ zum Beitritt öffentlich auf. Die Vereinigten Brüder in Christo (genannt Otterbeinianer von ihrem Stifter Otterbein, gest. 1813) bilden jetzt eine Gemeinschaft von 82,013 Gliedern unter 1278 Predigern, wie ihr Organ, der „Fröhliche Botschafter“ von Dayton, berichtet. Generalsynodalismus. Im Luth. Observer berichtet ein gewisser Francis Springer über die kirchlichen Zustände Iowa's. Unter anderem sagt er von der Stadt des Moines: „Hier befindet sich eine deutsche luth. Gemeinde unter der pastoralen Aufsicht des Ehrw. J. A. List, eines Gliedes einer gewissen Europäischen Fraternität, die Prof. (!) Löhe von Baiern zu ihrem Haupt hat. Man erzählt sich, daß Kniebeugungen und Altar-Gau⸗ keleien (altar antics) ein auffallender Theil der religiösen Verrichtungen des Pastors seien. Es ist zu bewundern, wie selbst Christen schneller lernen im Schauen zu wandeln, als im Glauben. Aber es mag sein, daß ihr Christenthum ein wenig in das Heidenthum einge⸗ hüllt ist, welches noch von den Papisten festgehalten wird.“ Bei diesem Schreiber scheint sich Bosheit mit Ignoranz um den Vorrang zu streiten. Die Ohio⸗Synode hat bei ihrer letzten Extra⸗Session im November v. J. den Luth. Standard in Prof. Worley's Hände gegeben, der nun den größeren Theil seiner Zeit dem Blatte widmen und in dem Ertrag desselben seinen Unterhalt suchen soll. Ferner be⸗ schloß die Synode, da die deutschen „Blätter, welche unter unserem Volke eingeführt sind, die in ihrem kirchlichen Standpunct weit von einander verschieden sind, eine Tendenz haben, unsere Stärke zu theilen, die Publication auch eines deutschen Kirchenblattes unter den Au⸗ spicien der Synode zu beginnen.“ Eine Committee, bestehend aus den Professoren Leh⸗ mann und Schmid und Pastor Schultze, wurde bestellt, die nöthigen Schritte in der Sache zu thun. Auch die Frage von Kirche und Amt wurde erörtert, aber vor Abschluß bis auf nächstes Jahr auf den Tisch gelegt. Das Ministerium des Staates N.⸗Y. Im letzten Heft v. J. theilten wir einige Beschlüsse dieser Synode mit, die nichts weniger als lutherischen Sinn verriethen. Wie wir aus der Nummer des „luth. Herold“ vom 1. Dec. ersehen, haben gegen jene Be⸗ schlüsse mehrere Glieder öffentlich protestirt, nehmlich die Herrn Pastoren Weisel, Ebert, Rägener, Zapf, Hofmann und Siebke.*) — Wo steckt aber Herr Dr. St.?! Past. G. A. Schieferdecker ist nach Brobst's Luth. Zeitschrift Glied der Iowa⸗ Synode geworden. Unitarische Blüthe. Als am 2. Dec. v. J. John Brown, das Haupt der Rä⸗ delsführer in dem zur Abschaffung der Sclaverei begonnenen Harpers-Ferry-Aufruhr bei Charleston, Va., hingerichtet wurde, erklärte ein unitarischer Prediger in Vermont lästerlich von der Kanzel herab, Brown sei ein Märtyrer, der es verdiene, ein zweiter Jesus genannt zu werden. Ein anderer (Wheelock, in New Hampshire) blasphemirte also: „Der Galgen, von dem er in den Himmel steigt, wird in unserer Politik sein, was das Kreuz in unserer Religion ist — das Symbol der erhabensten Selbstaufopferung, und von seinem Opferblute wird die zeitliche Erlösung von 4 Millionen noch hervorgehen.“ Es berichtet dies die Ref. K.⸗Z. Die englische ev.⸗luth. Synode von Virginien, versammelt im Oct. v. J., beschloß u. A., von ihren Predigern zu fordern, daß dieselben keinen Ruf in ein Amt annehmen, es sei denn das Salar bestimmt festgestellt und der Kirchenrath für die Auszah⸗ lung desselben verantwortlich gemacht. Wohl mögen, nach den erhobenen Klagen zu ur⸗ theilen, die Glieder genannter Synode guten Grund gehabt haben, einen ähnlichen Beschluß zu adoptiren; jene Form will uns jedoch etwas zu radical und nicht für alle Fälle anwendbar und mit dem Gewissen eines evangelischen Predigers vereinbar erscheinen. Generalsynode. Vor einiger Zeit machte Herr Dr. Stohlmann in New⸗Yor *) Siebke nahm in der nächstfolgenden Nummer des „luth. Herold“ seinen Protest wieder zurück.