# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1860_S27 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Melanchthon's Todestag. 27 der römischen Sacramentslehre zugeneigt hätte. Allein hier fällt er unter Luther herab und neigt sich auf die Seite der Reformirten, ohne freilich aus den Halbheiten herauszufinden. Bald sagt er, daß wir im Abendmahle nichts weiter empfangen, als was wir auch sonst durch den Glauben allein erhalten. Dann wieder will er mit der lutherischen Kirche nicht brechen und sucht nach einem Mitteldinge, was beide Parteien zufriedenstellen soll. Da er Luthers Lehre von der Person Christi nicht theilte, so dachte er wohl im Herzen ähnlich wie Calvin, nur daß er bis an's Ende nicht zum Abschlusse kommen konnte. So viel sehen wir, daß sich zwei Mächte um M. stritten, der römische und der reformirte Geist, beide wider einander, ohne daß er von Luther's mächtigem Einflusse ganz loskommen konnte. Seiner ganzen Anlage nach mußte er auf eine Union bedacht sein, und das erkannte er auch immer mehr als seine Lebensaufgabe; wie es denn der letzte Seufzer war, womit er verschied: Auf daß sie eins seien, gleich wie wir eins sind! Dennoch war er gerade zu diesem Werke untauglich, weil er gar nicht die Einheit der drei Kirchen gefunden hatte, sondern sich selbst in widersprechenden Lehren bewegte. Eine Folge davon war, daß er von den drei Kirchen hin- und hergeworfen wurde, je nachdem die eine oder die andere ihren Einfluß über ihn geltend machte, und das Ansehen eines schaukelnden Theologen bekam, der mit seinen Halbheiten vieles verdarb und vieles aufhielt. Das hat sein ganzes Leben verbittert, und wenn er vor seinem Ende seine Klagen über die „Wuth der Theologen“ ausschüttete, so behandelten ihn diese freilich ohne Schonung als einen Verräther, aber M. trug selbst einen sehr großen Theil der Schuld. Es sind besonders drei Stücke, welche die Wuth der Theologen reizten. Das erste ist die Verfälschung der Augsburg. Confession. Artikel 10 derselben lautet: „Daß wahrer Leib und Blut Christi wahrhaftiglich unter der Gestalt des Brotes und Weines gegenwärtig sei und da ausgetheilt und genommen werde. Derhalben wird auch die Gegenlehre verworfen.“ Das veränderte M. 1540 dahin: „Daß mit dem Brote und Weine Leib und Blut Christi den Genießenden wirklich dargereicht werden im h. Abendmahle.“ Den Schluß, daß die reformirte Gegenlehre verworfen wird, ließ er ganz weg, weil sie jetzt wirklich Raum in den zweideutigen Worten hatte. Die Reformirten haben sich mit dieser Veränderung ganz zufriedengestellt und das Bekenntniß für ihr Bekenntniß erklärt, ohne von ihrer Gegenlehre zu lassen. Da man auf den feinen Handgriff M.'s anfangs nicht achtete, so kam das verfälschte Bekenntniß mit noch einigen andern Veränderungen in kirchlichen Gebrauch und erzeugte eine solche Verwirrung, daß es eine zeitlang das Ansehen hatte, als wenn die lutherische Kirche in die reformirte aufgelöst werden sollte. M. hat dadurch eine große Schuld auf sich geladen. Mochte er für sich glauben, was er wollte; das Recht hatte er nicht, das öffentlich anerkannte und auf dem Reichstage übergebene Bekenntniß auf eigene Hand zu ändern und so stillschweigend in die Kirche hineinzuschmuggeln.