# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1860_S25 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Melanchthon's Todestag. 25 weiter zu berichten hätten. Der Kirche wären viele Kämpfe erspart. Es ist aber nicht so, und da es nicht so ist, müssen wir die Schickung Gottes darin erkennen. Wir wenden uns zu der Kehrseite von Ms. Leben, die wir hier breiter hervortreten lassen, nicht um desto mehr Schatten auf M. werfen zu können, sondern weil hier hauptsächlich unsere Frage zu lösen ist. M. war mehr wissenschaftlicher Theologe; so tief als Luther hatte er nicht gegründet, und ohne Luther, meint Nitzsch, würde er über Erasmus nicht weit hinausgekommen sein. Man kann ihn daher als einen geistlichen Sohn Luthers ansehen, der in den entscheidendsten Lebensfragen an seinen geistlichen Vater gewiesen war, weil er sich nie zu der Selbstständigkeit entwickelte, daß er wider die ganze Welt hätte auftreten und glaubensgewiß seine Sache verfechten können. Wenn daher Luther die letzten Gründe seiner Handlungen aus seiner Erfahrung und der Schrift holte, so lagen sie bei M. sehr oft, und das gerade in Hauptfragen, zumeist in seiner Wissenschaft, nur daß ihm damit nicht die aufrichtige Frömmigkeit und der wahre Glaube abgesprochen werden darf. Das hat M. bei mehr als einer Gelegenheit gezeigt. Zu Speier 1529 war er ganz ungehalten, daß die evangelischen Stände die bekannte Protestation einlegten, wovon sie den Namen Protestanten erhielten. Sie hätten sich nach seiner Meinung nachgiebiger zeigen und mehr Zugeständnisse machen sollen, als sie machen durften. Auf dem Reichstage zu Augsburg 1530 wurde er so irre an der guten Sache, daß er sich die Worte entschlüpfen ließ: „Er sei Luther, als dem Haupte in dieser Sache, nur um seines Ansehens willen gefolgt.“ Luther war über diese Aeußerung sehr unwillig und schrieb ihm wieder: „Gott hat diese Sache an einen Ort gesetzt, den ihr in eurer Rhetorica nicht findet, auch nicht in eurer Philosophia; der Ort heißt Glaube, in welchem alle Dinge stehen, die wir weder sehen noch begreifen.“ Ein Beweis, wie richtig Luther seinen Freund durchschaute. Das innige Verhältniß zwischen beiden hätte unter diesen Umständen nur fortdauern können, wenn M. sich unterordnete oder in allen Hauptfragen, wo er zweifelhaft war, sich schweigsam zurückzog. Das war aber nicht möglich. M. war durchaus nicht ohne Gemüth; allein eine gewisse Verständigkeit oft bis zur Nüchternheit waltete bei diesem Manne der Wissenschaft vor und machte sich mit den reiferen Jahren immer mehr geltend. So kam es, daß er sich in manche Lehren und Anschauungen Luthers, namentlich über die Person Christi und die Sacramente nicht finden konnte. Als der „Lehrer Deutschlands“ hatte er aber auch ein Gewissen und fühlte seine Verantwortlichkeit, daß er nicht nach fremden Eingebungen lehren dürfe. Er mußte versuchen selbstständig zu werden, und er wurde noch mehr dazu durch die Verhältnisse getrieben. Bei der Verschiedenartigkeit der beiden Hauptpersonen bildeten sich unvermerkt zwei Parteien, noch ohne bestimmten Gegensatz. M. als das Haupt seiner Partei, später die Philippisten genannt, mußte sie auch vertreten. Da geschah es aber oftmals, daß er auf den bestimmtesten Widerspruch von Luthers Seite stieß und solche Reden zu