# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1860_S24 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 24 Melanchthon's Todestag. je weniger er sich noch selbst eine theologische Ueberzeugung gebildet hatte, desto rascher und unwiderstehlicher wurde er von der Glaubensmacht Luthers in die neu eröffnete Welt fortgerissen. Beide schlossen sich eng an einander, waren nur für einander da und dienten sich einander mit ihren Gaben. Vor der Welt gereichte es der Wittenberger Reformation zur nicht geringen Zierde und Empfehlung, daß sich mit ihr ein so feingebildeter und reicher Geist wie Melanchthon verbunden hatte. Das zog eine Menge Studenten und fahrender Gelehrten aus allen Gauen Deutschlands nach Wittenberg und trug wesentlich dazu bei, die Reformation auszubreiten. Luther hat das selbst mit dem größten Lobe anerkannt. Insonderheit verdankte er seinem um 17 Jahre jüngern Freunde Unterricht in den alten Sprachen und erhebliche Hülfe bei seinen wichtigsten theologischen Arbeiten und kirchlichen Geschäften. Ohne M. geschah nichts von Bedeutung. Wir heben nur das Namhafteste heraus. Die Bibelübersetzung, dies eingreifende Werk der Reformation, wäre ohne seine Kenntnisse und seinen feinen Tact schwerlich so gelungen, wie sie jetzt vorliegt. Bei der ersten sächsischen Visitation legte er abermals mit Luther einen Grundstein für den Aufbau der Kirche und bewährte hier, daß er nicht bloß Gelehrter war, sondern auch mit praktischer Umsicht für das Leben und die wahre Erbauung der Kirche zu sorgen verstand. Am wichtigsten aber wurde seine Thätigkeit durch zwei andere Arbeiten, die Augsburg. Confession und deren Apologie. Die erste hat er theils nach Luthers Anweisung, theils in Luthers Geiste, aber doch mit einer gewissen Selbstständigkeit geschrieben. Sie ist ein Meisterstück einer kirchlichen Schöpfung, wie wir außer dem kl. Katechismus Luthers kein zweites besitzen, und bis diesen Tag das einigende Panier unserer Kirche. Die Apologie hat M. selbstständig für sich gearbeitet. Sie ist eine mehr theologische Vertheidigung der Augsb. Confession., aber noch jetzt von unschätzbarem Werthe, da sie so herrlich und klar, wenn auch bisweilen etwas gedehnt, die Grundlehren unserer Kirche entwickelt. Durch diese beiden Arbeiten hat M. seinen Namen mit der lutherischen Reformation verwebt und unvergeßlich in das Herz der Kirche eingegraben. Was er sonst noch durch seine unzähligen Gutachten, seine mühevollen Unterhandlungen auf Reichstagen und Conventen zur Vertheidigung der Reformation oder zur Beilegung der kirchlichen Wirren als der unentbehrliche Mittelsmann geleistet hat, das übergehen wir hier. Es ist aber alles Zeuge davon, daß er sich im Dienste der Kirche so recht eigentlich aufgerieben hat, so daß der zartgebaute und zum Trübsinn geneigte Mann des Lebens und seiner verdrießlichen Kämpfe satt und müde wurde. Ein Jahr vor seinem Tode schrieb er: „Gern scheid' ich aus diesem Leben, so Gott will; und wie der Wandersmann, der nachts reiset, nach der Morgenröthe verlangt, so erwarte ich mit Sehnsucht das Licht der himmlischen Hochschule.“ Und als ihn Peucer vor seinem Ende fragte, ob er noch etwas begehre, antwortete er: „Nichts als den Himmel! darum laßt mich zufrieden, störet meine süße Ruhe nicht!“ Nach menschlichem Bedünken wär' es ein Glück, wenn wir von M. nichts