# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1860_S23 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Melanchthon's Todestag. 23 nicht die Gemeinde, und wäre sie auch eine Gemeinde der Heiligen. Sie wäre selbst dies nicht ohne das geistliche Amt, in welchem die Kraft des Gesetzes und des Evangeliums, die Kraft der Sacramente, die Kraft zu binden und zu lösen liegt. Auf den göttlichen, unzweifelhaften Beruf aber kommt es an und auf nichts anderes, wenn es gilt der Kirche zu rathen und die Gliederung derselben, ihre Ordnung und Verwaltung zu gestalten. Dem geistlichen Amt, dem alle inneren Güter der Kirche zur Hut und Verwaltung übertragen sind, und nur ihm gebührt also auch, der äußeren Güter der Kirche sich anzunehmen, das Kirchenregiment zu handhaben und von sich aus die Gemeinde neu zu gestalten. Gebührt es ihm, so hat es auch die Pflicht dazu. Und der, welcher das Wort des Herrn zu verkündigen, den Leib des Herrn zu spenden und im Namen des Herrn Sünde zu behalten und zu vergeben hat, der Träger des geistlichen Amtes, der Geistliche .. wird nicht zagen noch schwanken, auch als Grundstein und Mittelpunkt der äußeren Gestaltung der Kirche sich darzustellen. Wir andern schaaren uns um ihn her, und alsdann wird er auch uns, die Gemeinde, hören, aber zuvor verlangen wir, daß er vor den Riß trete und die Last des Regiments auf seine Schultern nehme..“ Das die Ansichten Herrn Vilmar's über das geistliche Amt und die Zukunft der Kirche. ————◆———— Melanchthon's Todestag Unter dieser Ueberschrift finden wir einen Artikel in Münkel's neuem Zeitblatt vom 7. October v. J. Wir heben daraus Folgendes aus: Da Melanchthon den 19. April 1560 aus diesem Leben zu seinem Herrn gegangen ist, so hat die Eisenacher Conferenz den Beschluß gefaßt, den sämmtlichen evangelischen Kirchenregierungen Deutschlands die Feier dieses Tages für das nächste Jahr zu empfehlen, damit Melanchthon widerfahre, was Luther 1846 zu Theil geworden ist. In Aussicht dieser Feier suchen wir uns ihre Bedeutung für die Kirche zu vergegenwärtigen. Melanchthon wurde 1518 als ein Jüngling von 21 Jahren an die Universität Wittenberg berufen. Schon das jugendliche Alter und das bedeutende Amt, welches ihm anvertraut wurde, läßt errathen, daß er für ein aufgehendes Licht galt. Auch Luther erkannte das sehr bald und dankte Gott für das tüchtige Werkzeug, das er ihm zugeführt hatte. M. besaß neben ausgebreiteten Sprach- und Alterthumskenntnissen feine Gaben der Rede, einen scharfen Verstand und einen offenen Sinn für alles, was damals die Geister bewegte. Dazu arbeitete er rasch und geschickt, und bewahrte sich seine Rührigkeit und Frische fast unter erdrückenden Arbeitslasten. Bis dahin war er noch ein bloßer Zuschauer der reformatorischen Kämpfe Luthers gewesen. Seit seiner Ankunft in Wittenberg aber schloß er sich enger an Luther an. Er schaute in die gewaltige Arbeit des Mannes hinein, und