# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1860_S21 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vilmar's Lehre von Amt und Kirche ꝛc. 21 trägt und zwar als ein Ganzes, Volles, als Herzblut und Pulsschlag in sich trägt. Wer ein reifes Samenkorn seiner Erkenntniß der Wahrheit, ein reifes Samenkorn festen, zweifellosen Glaubens an das Ganze des seligmachenden Wortes in den Boden der Zukunft legen kann, dieser und nur dieser wird aus diesem Boden eine neue wunderbare Blüthe des heiligen Lebens hervorgehen sehen, wunderbarer als alle Blüthen, welche bisher der Acker des lebendigen Gottes getragen hat, weil sie Farbe und Glanz und Duft von allen früheren Blüthen in sich vereinigt: ihr Name heißt heilige allgemeine Kirche und Gemeinschaft der Heiligen.“ Von dieser Kirche sagt Herr Vilmar: „wir haben sie noch nicht oder nicht vollständig erfahren, wir besitzen sie noch nicht oder nur zum geringsten Theile als unser Eigenthum. Wir können nicht davon zeugen, nicht mit der hellen Freudigkeit, der felsenfesten Gewißheit, der jubelnden Zuversicht davon zeugen, wie wir von dem Vater zeugen, dem allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erden ꝛc. Dies Zeugniß muß aber und darf nicht blos abgelegt werden von der unsichtbaren Kirche. Wir müssen zeugen können in der Zukunft, welche vor uns liegt, von der unsichtbaren Kirche als einer sichtbaren, somit also von der Einheit und Einerleiheit der sichtbaren, äußeren und der unsichtbaren, inneren Kirche; von der Gemeinschaft der Heiligen, die nicht blos im stillen Verkehr des Gebetes, sondern auch in äußeren, ihr nothwendigen, aus ihr hervorgewachsenen Formen sich bewegt und ausprägt; mit einem Wort von der Gemeinschaft der Heiligen, welche einen Leib hat auf Erden, als ein treues und vollkommenes Vorbild von dem Kirchenleibe der Verklärung, dem neuen Jerusalem, gleichwie die Seele ihren Leib hat und behält und in der Verklärung wieder bekommt nach der Auferstehung. Es kommt die Zeit heran, daß es nicht mehr fromme selige Hoffnung, sondern nahe selige Gegenwart sein wird: es ist Ein Hirt und Eine Heerde, in einem Sinn, einem Glauben, einem Lobgesang, einem Gebet, zu einer zugleich äußeren und inneren Gemeinschaft eng und fest zusammengeschlossen auf dieser Erde und in diesem Leben. Auch werden wir dann nicht zusammengeschlossen sein in einem kleinen, verborgenen Häuflein — nein! wie geweissagt worden ist, in einem Heer von viel tausendmal tausend und offen und hell dastehend vor aller Welt, auf daß dieses Heer in festgeschlossener Schaar dem letzten Kampf und dem letzten Sieg über den Widerchrist, über den Fürsten der Finsterniß und über den Tod, entgegen gehen könne.“ Also die letzte Zeit, glaubt Herr Vilmar, nahe heran. Ob Jahrzehnde, ob Menschenalter, ob Jahrhunderte noch vergehen bis sie eintritt, das bescheidet er sich, nicht zu wissen. Aber begonnen hat, so behauptet er, die Entwicklung, die zu diesem Ende führt. *) Das ist nicht der Punkt, auf den wir einzugehen gedenken: wir wollen Herrn Vilmar das Weissagen überlassen und die Dinge abwarten. Aber *) Man sieht, Chiliasmus und romanisirendes Lutherthum schließen sich nicht gegenseitig aus. L. u. W.