# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 09 20_S14 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ein. Hier ſagte der Mönch⸗Proviſor Johann Keſtner, von Mitleid gegen ihn bewegt, zu ihm: „O lieber Herr Doktor, die Walen (Italiener) ſind, bei Gott, gelehrte Leut! Ich habe Sorg, ihr werd euer Sachen für ihn'n nicht erhalten kön⸗ nen. Sie werden euch drob verbrennen.“ Scher⸗ zend antwortete Luther: „Mit Neſſeln ging es hin, aber mit Feuer wäre es zu heiß“; und ſetzte mit ernſter Miene hinzu: „Lieber Freund, bitt unſern Herr Gott im Himmel mit einem Vater⸗ unſer für mich und ſein liebes Kind Chriſtum, des mein Sach iſt, daß er dem wolle gnädig ſein. Erhält er nur dem die Sachen, ſo iſt ſie mir ſchon erhalten; will er's aber dem nicht erhalten, ſo werde ich's ihm auch nicht erhalten können; ſo muß Er die Schand tragen. (Eingeſandt.) Ach! wer im Himmel wär! Mein Vater, ich bin müde, Drück mir mein' Augen zu, Es tröſte mich dein Friede,! Ach! bring dein Kind zur Ruh. O ſtille meinen Jammer, Mir iſt die Welt ſo ſchwül! Führ' mich in meine Kammer, Ins Bettlein tief und kühl. Und in den untern Stufen Da ſchlaf ich ruhevoll Bis zu des Engels Rufen, Daß ich nun kommen ſoll. Dann reicht er mir die Hände, Und ſpricht: „Lieb Bruder du, Die Welt iſt jetzt zu Ende, Komm, ſteig aus deiner Ruh. Siehſt du im Morgenglanze Jeruſalem dort ſtehen, Siehſt du im Strahlenkranze Wohl dort den HErren gehn?“ Und alle meine Lieben, Die ſtehen um mich her, Sie ſind mir all' geblieben. Ach! wer im Himmel wär! H. Fick. * (Eingeſandt.) Miſſionsnachrichten. Frankenmut, Saginaw Co., Mich. Da die Heidenmiſſion Sache der Kirche iſt, und zwar hier zu Land die Miſſion unter den India⸗ nern uns ganz beſonders am Herzen liegen ſollte, ſo kann ich nicht umhin, wieder einmal von un⸗ ſerer Miſſionsarbeit unter den Chippewaern im Norden von Michigan ein Wörtlein verlauten zu laſſen. Als es uns Ende Mai d. J. nach mehreren vergeblichen Verſuchen gelungen war, wieder einen Dolmetſcher zu bekommen, eilten wir in die Wäl⸗ der, um die Banden an den Flüſſen Pine und Swan zu beſuchen und vor allen den Schaden in Augenſchein zu nehmen, den der Feind derweilen angerichtet hatte. Mit tiefer Betrübnis mußten wir ſehen, wie zornig er durch ſeine Methodiſten in unſerem Saatfeld gewühlt, doch auch freuen mußten wir uns, wahrzunehmen, daß der HERR, unſer ſtarker Gott, den letzteren ein Ziel geſteckt habe. Nachdem ſie lange Zeit, obwohl wieder⸗ holt und ernſtlich abgewieſen, den Häuptlingen Pämaſike und Sauaban vergebens auf dem Halſe gelegen waren, und namentlich von dem erſteren hatten hören müſſen: er wolle ſie nicht, er habe ja in mir einen Miſſionar für ſich und ſeine Bande, der ſein Vertrauen beſitze; fingen ſie, be⸗ ſonders am Pinefluße, an, hin und her in die Häuſer zu ſchleichen, und einige alte Weiblein und junge unerfahrene Leute gefangen zu führen. Dieſe ſonderten ſich dann ab, ſchlugen auf einem benachbarten Hügel ihre Zelte auf, und erfüllen ſeitdem täglich die Wälder mit ihrem ſchrecklichen Geheul. Unter Sauaban's Leuten verſuchten ſies auch, doch mit noch weniger Glück, wiewohl ſie auch da nach langem Drängen und Treiben einige auf ihre Seite brachten. Dabei bedienten ſie ſich wieder abſcheulicher Lügen und Verleum⸗ dungen, um das Vertrauen, das die Indianer zu uns hatten, wo möglich zu untergraben. Unter andern ſagten ſie bei Sauaban, wir wüßten von nichts als von einer Schlange zu erzählen; wir ſeien gar keine Chriſten, ſondern beteten eine Schlange an. Dabei ſtützten ſie ſich auf folgende Geſchichte. Im vorigen Sommer beſuchte ein methodiſtiſcher Indianerknabe von Cacallin auf kurze Zeit unſere Schule. Das eiſerne Crucifix, das, für unſern Altar beſtimmt, damals noch in meinem Hauſe ſtund, zog ſeine Aufmerkſamkeit auf ſich, neugierig betrachtete er den Todtenkopf und die Schlange am Fuß des Kreuzes, und fragte, was das alles bedeute. Da gaben wir ihm denn guten Beſcheid, ſagten ihm, wie das Crucifir den HERRN IEſum Chriſtum darſtelle, der für unſere Sünden am Stamm des heiligen Kreuzes geſtorben ſei, und erklärten ihm jene Sym⸗ bole des Todes und der Sünde (letzteres genau nach 1 Moſi 3.), die am Fuß des Kreuzes, als zu den Füßen des Siegers über Sünd, Tod, Höll und Teufel lägen. Damit dachten wir dem un⸗ wiſſenden Knaben einen Dienſt gethan zu haben, und nun höre man und ſtaune, zu welch ſchänd⸗ licher Lüge ſie dieſe ſchriftgemäße Unterweiſung benützten. Weil wir den anbeten, der der Schlange den Kopf zertreten hat, und auf Ihn allein unſere ganze Zuverſicht ſetzen, nicht auf eigene Heilig⸗ keit, eigene Zubereitung, Bußkrampf, Bet⸗ oder vielmehr Heuleifer ꝛc., wie die Methodiſten thun: müſſen wir Schlangenanbeter ſein. In der That ein ebenbürtiges Seitenſtück zu der Wesley'ſchen Lüge, daß wir die heilige Jungfrau Maria an⸗ riefen, weil wir nämlich zu dem ſchreien, der Ma⸗ riens Sohn iſt nach dem Fleiſch. Was wirds euch aber helfen, ihr heiligen Methodiſten, durch ſolche unheilige, ſchändliche Mittel euern Namen ausbreiten zu wollen? Auch die Heiden werden euere Betrügereien ausfinden und euch verab⸗ ſcheuen. Leider, daß dadurch zugleich der Name des HERRN bei ihnen verläſtert wird. Denn obwohl ihr euch gern Methodiſten nennt und auf euere Methoden und Maſchinen mehr haltet als auf das ewige Gotteswort, ſo wollt ihr doch da⸗ in unſerem Saatfeld gewühlt, doch auch freuen neben für Chriſten gelten und zwar für die einzig echten, wie euer Miſſionar frech genug war, auch die Heiden glauben machen zu wollen, daß es mit uns andern gar nichts ſei, und er allein der Mann wäre, mit welchem Gott rede!! Doch das Werk des HERRN werdet ihr nicht aufhalten. Gottlob, ihr gedachtet es böſe zu machen, Gott aber gedachte es gut zu machen. Nur mit deſto mehr Vertrauen haben uns die Indianer auf⸗ genommen. Der Häuptling Pämaſike hat uns bald nach unſerem Beſuche einen zehntägigen Gegenbeſuch abgeſtattet und zu den zwei Knaben, die ſchon im Winter in unſerer Schule waren, noch drei Kinder hinzugebracht, unter denen ſich abermals ein jüngerer Sohn von ihm befindet. Auch von Sauaban's Bande haben wir jetzt drei Knaben und zwei Mädchen. Im Ganzen beträgt die Schülerzahl 17, wobei wir die drei Kinder unſeres Dolmetſchers gar nicht rechnen, obwohl ſie von väterlicher Seite halb indianiſcher Abkunft ſind. Täglich ſteht neuer Zuwachs zu erwarten, beſonders auch von Point-au-gres, dahin wir eheſtens zu reiſen gedenken. So hat auch ein alter Indianer, der mit ſeiner zahlreichen Familie auf unſerm Miſſionslande lebt, ſelber jedoch, wie bisher noch alle älteren Indianer, die Taufe aus dem Grund zurückweiſ't, daß er einſt in jenem Leben ſein will, wo ſeine Väter ſind, zwei kleine Kinder von ihm und zwei ſeiner Enkelchen der Miſſion förmlich zu ſpäterer Erziehung und Aus⸗ bildung übergeben, die wir ſofort mit ſeiner voll⸗ kommenen Beiſtimmung tauften. Auch zwei er⸗ wachſene Kinder von ihm und eine mündige En⸗ kelin, die ſeit letztem Winter unſere Schulen regelmäßig beſuchen und gute Fortſchritte machen, ſollten ſich nach ſeinem Willen von uns taufen laſſen. Aber ſiehe da, was kam zum Vorſchein, als wir die Kinder befragten? Dieſe drei Kinder, ein Mädchen von ungefähr 16 Jahren, eines von 15, und ein Knabe von 10 Jahren, waren im vorigen Sommer mit einem älteren methodi⸗ ſtiſchen Bruder zu einer Camp-Meeting nach La Peer gegangen. Nachdem man daſelbſt lange geheult und getobt hatte, hielt man Umfrage, welche von den anweſenden Indianern noch nicht getauft ſeien. Alle, die ſolches erklärten, trieb man dann nach der Ausſage der Kinder, die auch unter dieſer Zahl waren, auf einen Haufen und taufte ſie der Reihe nach, wie es ſcheint lauter Leute, die erſt hätten gelehrt werden können und ſollen, ohne ſich auch nur darum zu bekümmern, ob ſie getauft ſein wollten oder nicht. Keines der drei Kinder weiß mehr ſeinen Taufnamen, keines wußte auch nur den Wortlaut der heiligen 10 Gebote, des Glaubens, des Vaterunſers, welches alles erſt wir ſie hatten lehren müſſen. Aber freilich, was fragen die Methodiſten darnach, wenn ſie nur in die Welt poſaunen können, daß ſie wieder ſo und ſo viele Dutzend neue Metho⸗ diſten fabriciert haben. O Gott, vom Himmel ſieh darein! müſſen wir da ſeufzen. So können echte Chriſten mit Gottes heiligen Gnadenmitteln nicht umgehen, ſo kann die rechte Kirche mit ihren Kindern nicht verfahren, daß ſie ſie nur in ihren Schooß nimmt, um ſie dann Jahre lang ohne Lehre und Unterricht zu laſſen, oder ihnen im