# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1860_S15 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Theologie sonst und jetzt. 15 und Geschichte kommen soll, der muß allerdings gescheuter sein als alle seine Vorgänger. 2. Sonst waren Theorie und Praxis verbunden, jetzt sind sie getrennt. — Meister Klügling macht den Theologen zu Luthers Zeit und vor allen Luthern selbst den Vorwurf, daß sie doch nicht eigentlich gelehrt gewesen wären, was Viele, die gern gelehrt sein oder werden wollen, von dem Studium ihrer Schriften zurückhält. Nun freilich, nach den Satzungen der Welt waren sie nicht gelehrt, denn sie mieden das ungeistliche lose Geschwätze und das Gezänke der falsch berühmten Kunst, welche etliche vorgeben und fehlen des Glaubens, 1 Tim. 6, 20. 21., wie dieß ehedem in den hohen Schulen mit des Aristoteles Weisheit geschah; sie waren aber dagegen Schriftgelehrte zum Himmelreich gelehrt, die als treue Hausväter aus ihrem Schatz Altes und Neues d. i. Gesetz und Evangelium hervortrugen, Matth. 13, 52. Auf viele neuere Gelehrte mit ihren von Citaten und Anmerkungen wimmelnden Schriften paßt die Schilderung, die der Wandsbecker Bote von jenem Professor giebt, der eine große und krause Perücke auf seinem Haupte hatte, dessen Gelehrsamkeit aber noch viel größer und krauser war, als seine Perücke. Gesetzt nun, daß die lieben Alten nicht gelehrt genug wären für unsere Zeit, so sind doch wiederum die neuern Theologen oft allzu gelehrt, indem schon manchen die Last ihrer Gelehrsamkeit schier zu Boden gedrückt hat, so daß man sich nach jenen Alten umsehen möchte, die noch Jugendkraft genug besitzen uns aufzuhelfen. Ein Mäßlein Korn in der Tasche ist auf die Wanderschaft gegen den Hunger besser, als ein großer Sack voll, den man stehen lassen muß. In den Schriften Dr. Luthers und seiner Mitarbeiter kann man kaum eine Seite lesen, auf der nicht die beiden Fragen beantwortet wurden: was ist das und was nützt das? Dagegen kann man an vielen neuern Schriften herumstudiren und sich bald den Kopf darüber zerbrechen und muß doch endlich auf die Frage: was hast du nun von alle dem für einen Nutzen für dein Amt und Christenstand? mit Wehmuth und Unmuth über die verlorne Zeit und Mühe bekennen: wenig oder gar keinen. Die Alten und voran Dr. Luther hatten versucht, was bei den Leuten taugt oder nicht taugt, Sir. 39, 5.; darum sind ihre Schriften so reich an den mannigfaltigsten Erfahrungen, daß sie auch den Unerfahrensten, der sie treulich benutzt, in den Stand setzen erfahrungsreich zu lehren, zu strafen und zu trösten, so daß alle, die solches annehmen, bekennen müssen: ja, so ist es und nicht anders! Da ist nicht ein Laufen als aufs Ungewisse, nicht ein Fechten als in die Luft, 1 Cor. 9, 26., sondern jeder Gang führet zum gewissen Ziele, jeder Streich trifft den Feind. In vielen sogenannten Erbauungsschriften mangelt es an dem Grundlegen der rechten Lehre, oder an der Genauigkeit in der Darlegung derselben, indem dieselbe nur nach Centnern und Pfunden, nicht aber nach Scrupeln und Granen abgewogen wird, oder sie sind gar mit allerlei falscher Lehre durchsäuert, so daß dadurch freilich nimmermehr ein rechtes Erbauen zu