# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1860_S13 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vorwort zu Jahrgang 1860. 13 Oder sind etwa unter den besten Zeiten unserer Kirche, in welchen dieselbe die verschiedenen Richtungen ihrer Glieder noch zu tragen gewußt habe, die Zeiten nach Luther's Tod bis zur Verabfassung und Annahme der Concordienformel zu verstehen? Doch wohl nicht. Gilt ja diese Zeit für diejenige, wo die "rabies theologorum", über welche Melanchthon noch kurz vor seinem Tode geklagt hat, am heftigsten gewesen sei. Oder sind etwa dieser angeblichen rabies nur die Antiphilippisten zu beschuldigen? Der Geschichtskundige wird das nicht wagen. Oder ist etwa endlich mit der Concordienformel jene beste Zeit unserer Kirche angebrochen? Kaum werden das Männer wie Löhe behaupten wollen. Ist es doch gerade die Concordienformel gewesen, die ihre Entstehung dem Festhalten des Princips Luther's verdankt: „Wir wollen kurzum alle Artikel der christlichen Lehre, sie seien groß oder klein (wiewohl uns keiner klein und gering ist) ganz rein und gewiß haben und darinnen nicht einen Titel nachlassen. Und das muß auch sein. Denn die Lehre ist unser einiges Licht, das uns leuchtet und führet und den Weg gen Himmel weiset: wenn wir uns dieselbe in einem Stück schwächen und matt machen lassen, ist es gewiß, daß sie ganz kraftlos wird; versehen wir es hierinne, wird uns die Liebe nichts helfen . . Darum muß man, wie ich oft und viel zu vermahnen pflege, die Lehre fleißig vom Leben scheiden. Die Lehre ist der Himmel, das Leben die Erde. Im Leben ist Sünde, Irrthum, Uneinigkeit, eitel Mühe und Arbeit; da soll die Liebe überhören und übersehen, soll sich leiden, da soll die Vergebung der Sünden regieren und walten (so ferne doch, daß man solche Sünde und Irrthum nicht vertheidigen wolle). Aber mit der Lehre ist es viel ein ander Ding; denn sie ist heilig, rein, lauter, himmlisch, göttlich: wer die ändern und fälschen will, gegen dem ist weder Liebe noch Barmherzigkeit zu beweisen; darum bedarf sie auch keiner Vergebung der Sünden. Darum taugt es gar nicht, daß man Lehre und Leben mit einander vergleichen will; denn an einem Buchstaben, ja an einem einigen Titel der Schrift ist mehr und größer gelegen, denn an Himmel und Erde. Darum können wir es nicht leiden, daß man sie auch in dem Allergeringsten verrücken wollte. Was aber betrifft die Gebrechen und Fehler am Leben, da können wir wohl zu gut halten und übersehen. Denn wir sind auch arme Menschen, so täglich straucheln und sündigen; ja, alle lieben Heiligen bekennen mit großem Ernst im Vater Unser, daß sie Sünder seien und gläuben Vergebung der Sünde. Aber unsere Lehre ist von Gottes Gnaden rein, so ist kein Artikel unsers Glaubens, deß wir nicht guten, beständigen Grund in der heil. Schrift haben: dieselben wollte uns der Teufel gerne besudeln. Darum greift er uns so tückisch an mit diesem Argument, daß er uns durch die Rotten Schuld gibt, wir halten nicht Friede, sondern sind zänkisch und zerreißen die Einigkeit und Liebe in der Kirche oder Christenheit.“ (Siehe den gr. Comment. zum Galaterbrief, zu Gal. 5, 13.) (Fortsetzung folgt.)