# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1860_S6 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 6 Vorwort zu Jahrgang 1860. nicht ausbleiben wird) in Fanatismus und Schwärmerei, so sind sie ebenfalls von der Gemeinschaft der Kirche auszuschließen. So lange sie aber ihre Meinung zu nichts weiter machen, als zu ihrer Meinung, die sie Niemandem aufdringen wollen und die sie mit dem Gerecht⸗ und Seligwerden in keinen Zusammenhang bringen, so lange ist kein Grund vorhanden, ihnen die Sacramentsgemeinschaft zu versagen und wer das dennoch thut, der handelt unkirchlich.“ Im Folgenden theilt Ehlers zum Beweise, daß Löhe's Chiliasmus nicht kirchentrennend sei, eine Erklärung des Missions⸗Seminar⸗Inspectors Bauer in Neuendettelsau mit, worin wir u. A., wie folgt, lesen: „Was das Gewicht betrifft, das wir auf diese Lehre legen, so bekennen wir uns frei dazu, glauben auch im Stande zu sein, das was wir lehren, nach allen Seiten hin als nicht im Widerspruch stehend mit der Lehre unserer lutherischen Kirche und als wesentliches Glied in der geschichtlichen Entwicklung des Reiches Gottes nachweisen zu können. Wir legen aber kein solches Gewicht darauf, daß wir sie als Glaubensartikel betrachteten oder denjenigen, welche der andern Anschauung wären, einen Mangel der Erkenntniß in einem wesentlichen Stück des geoffenbarten Rathes und Willens Gottes beimäßen, das etwa zur Seligkeit nothwendig wäre, oder das kirchentrennend sein dürfte. Wir gestehen jedem Lutheraner die volle Freiheit zu, dieser oder jener Anschauung nach seinem Gewissen zu folgen, da es ein Gegenstand der Hoffnung ist, worüber am Ende allein der Erfolg entscheiden wird. Beide aber haben einerlei Hoffnung, daß Christus sein Reich geistlich und leiblich vollendet darstellen wird auf der neuen Erde. Es handelt sich blos um Annahme oder Nichtannahme einer Mittelstufe und Uebergangszeit, welche doch wohl als möglich und denkbar wird angenommen werden müssen, wenn man sich nicht etwas Monströses denkt, um es undenkbar zu finden*) . . . Wenn man aber die unleugbar (!) biblische Anschauung, wie die Missourier bei Schieferdecker, zur Ketzerei stempelt, dann mögen die, die also thun, zusehen, wie sie es verantworten.**) Das sind americanische Zustände, die bei uns, wenn ich recht sehe, in vollem Anzuge sind. Gott erhalte uns bei der reinen luth. Lehre, aber bewahre uns vor der Vergötterung der luth. Theologie und vor dem Fanatismus des Dogmatismus und Scholasticismus und aller Systemsucht.“ So weit Bauer. Ehlers setzt hinzu: „Meine Bedenken gegen den Chilias⸗ der Irrgläubigen, daß sie die Annahme ihrer Irrthümer nicht als zur Seligkeit nothwendig hinstellen, sondern nur Duldung derselben bei ihnen begehren und mit den Rechtgläubigen nur gar zu gern Union machen, wie die Geschichte beweist. Sie können ja nicht im Gewissen die Zuversicht haben, daß ihr Wahn zur Seligkeit nothwendig sei; nur der satanisch verstockte Antichrist sagt das, während auch er in seinem Gewissen eines anderen überzeugt ist. L. u. W. *) Als ob hier davon die Rede wäre, was denkbar sei! Die Frage ist, ob es biblisch ist, und ob es biblisch sein kann, etwas zu hoffen, mit dessen Erwartung ausgemacht christliche Glaubensartikel in Widerspruch stehen. L. u. W. **) Hier wird auf einmal die harmlose „Meinung“ eine „unleugbar biblische Anschauung!“ L. u. W.