# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 09 20_S9 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Redigirt von C. F. W. Walther. Jahrgang 4. St. Louis, Mo., den 20. September 1847. No. 2. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſeriptionspreis von Einem tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, vorauszubezablen und das Poſtgeld zu Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. Johann Huß, der heilige Märtyrer. (Nach Guerike.) (Schluß.) So war denn Huß, wie wir in der letzten Num⸗ mer gehört haben, am 3. November 1414 zu Co ſt⸗ nitz angekommen; doch wurde ihm erſt nach faſt vier Wochen ein Verhör bewilligt, aber nicht, wie er es vielfach verlangte, vor den Repräſentanten der Chriſtenheit, ſondern nur vor Pabſt und Car⸗ dinälen; doch er folgte der Ladung, und erhielt von dieſem Tage an ſeine Freiheit nicht wieder. Am 28. November Abends ſpät ward er gefangen geſetzt. Noch war der Kaiſer, deſſen Wort alſo gebrochen wurde, nicht zugegen; er ſandte aber nach Coſtnitz den Befehl, Huß freizulaſſen, widrigenfalls er den Kerker werde erbrechen laſſen. Doch man befolgte den Befehl nicht; und als der Kaiſer nach Coſtnitz kam, ſtellte eine Deputation des Concils ihm vor, daß er als Laie ſich in dieſe Sache nicht miſchen dürfe, und daß man das tinem Ketzer gegebene Wort nicht zu halten brauche, — und da gab Sigismund (der Kaiſer) nach. Im ſchweren Gefängniß erkrankte Huß, und krank erhielt er die gegen ihn vorgebrachten Be⸗ ſchuldigungen, welche theils auf Stellen aus ſei— nen Schriften, theils auf verdrehte Aeußerungen, die er in vertraulichen Geſprächen gethan hatte, gegründet waren. Huß bat um einen Anwalt; den ſchlugen die Richter ihm ab, weil er ein Ketzer ſei. „So ſei denn, erwiederte er ruhig, der HErr IEſus Chriſtus mein Anwalt, der auch euch bald richten wird.“ In dieſer Zeit ſchrieb er an ſeine Freunde: „Jetzt lerne ich erſt die Pſal⸗ men recht verſtehen, recht beten, und über die Leiden Chriſti und der Märtyrer nachdenken.“ Dabei ſtärkte ihn fort und fort die freudige Ueber⸗ zeugung, daß, wenn er auch für ſeine Perſon unterliege, doch dereinſt die Sache des Evange⸗ liums ſiegen werde. „Ich hoffe — ſchrieb er —, daß, was ich unter dem Dache geſagt habe, einſt von den Dächern herab wird verkündigt werden.“ Solche Gedanken hatte in ihm unter andern auch ein lieblicher Traum erweckt, daß nemlich der Pabſt alle Bilder Chriſti und der Apoſtel in der Bethlehemskapelle vernichtet habe, aber am fol—⸗ genden Tag habe eine große Anzahl von Malern noch weit mehrere und ſchönere Bilder gemalt; das war ohne Zweifel eine Weiſſagung von den vielen treuen Predigern Chriſti, welche Gott nicht lange darauf, nemlich zur Zeit der lutheriſchen Kirchen— reformation erweckte. — Endlich erhielt er nach vielen peinlichen Privatverhören im Kerker, auf die Verwendung der böhmiſchen Ritter, am 5., 7. und 8. Juni 1415, wonach er ſo lange ſich ge⸗ ſehnt hatte, ein öffentliches Verhör vor dem Con⸗ cil, wobei jedoch jetzt der Pabſt nicht mehr zugegen war, da derſelbe wegen ſeiner Verbrechen auf das Schloß Gottlieben bei Coſtnitz gefangen geſetzt worden war, wo er den Johann Huß noch kurz zuvor hatte einſperren laſſen. Am 5. Juni konnte Huß bei dem allgemeinen Geſchrei ſich nicht hör⸗ bar machen; am 7ten und 8ten wurden ihm 39 Klageartikel vorgehalten. Die ruhige Be⸗ ſonnenheit bei all ſeiner Begeiſterung, die Demuth bei aller Wärme, mit der er ſeinen Glauben be⸗ kannte, machte ihm ſelbſt manche ſeiner Gegner zu Freunden, obgleich ſie ſeinen Glauben nicht theilten. Seine Sache aber verlor er. Man forderte nur unbedingten Widerruf alles deſ⸗ ſen, was man ihm zur Laſt legte, und nur un⸗ bedingte Unterwerfung unter das Coneil; und dies konnte, wollte, durfte Huß nicht leiſten; theils weil er damit die Wahrheit verleugnet, theils ſeine große Gemeinde geärgert hätte; denn er ſollte zugeben, Irrthümer behauptet zu haben, die ihm nie in den Sinn gekommen waren. Er fühlte auch jetzt noch ſich gedrungen, es vor dem ganzen Concil unter andern in freudiger Kühnheit wieder⸗ holt zu bezeugen, daß die Kirche auch ohne Pabſt. unmittelbar durch Chriſtum regiert werden könne; falſche Schlußfolgerungen, die man daraus ziehen wollte, wies er zurück. Der Kaiſer ſelbſt drang in ihn, er möchte doch ſeine Irrthümer wider⸗ rufen; Huß rief Gott zum Zeugen an, daß er nie geſonnen ſei, etwas hartnäckig zu vertheidigen, und daß er gerne ſeine Meinung ändern wolle, ſobald er eines Beſſeren belehrt werde. — Bei dieſen Verhandlungen ging es überaus tumultuariſch her. Ermattet von den Anſtren⸗ gungen dieſer Tage, kehrte er in ſein Gefängniß zurück. „O wie ſtärkte es mich — ſchrieb er an den Ritter Chlum, der ihm mit einem Händedruck nachgeeilt war —, daß ihr euch nicht ſchämtet, mir von der ganzen Welt verabſcheueten Ketzer in Ket⸗ ten die Hand zu reichen!“ Schon nahm er nun, ſein Todesurtheil er⸗ wartend, brieflich von ſeiner Gemeinde Abſchied, und bat und beſchwor ſie, nicht in dem Schlechten, wenn ſie dergleichen an ihm gehört oder von ihm geſehen hätten, ihm nachzufolgen, ſondern Gott um Vergebung für ihn zu bitten. Auch an einen geliebten Schüler, den Magiſter Martin, wandte er ſich noch einmal in väterlicher Ermahnung. „Fürchte den Tod nicht, ſchrieb er, wenn Du mit Chriſto leben willſt.“ Er gedachte in dieſem Briefe auch noch Anderer: „Meine Lehrer, die theuren Brüder in Chriſto, auch die Schneider, Schuſter und die Abſchreiber grüße und ſage ihnen, daß ſie um das Geſetz Chriſti bekümmert ſeien, daß ſie nicht ihren Deutungen, ſondern den Erklärungen der alten hei— ligen Lehrer folgen“; aus welchen letzteren Worten man deutlich erſieht, daß Huß kein Schwärmer war, der eigenſinnig und hoffärtig auf eignen Einfällen beſtehen wollte; auch ihm war das Zeugniß der wahren Kirche von hoher Wichtigkeit. Die Profeſſoren und Studirenden der Prager Univerſität ermahnte er nicht nur, allein die Ehre Gottes zu ſuchen und ſich gegen⸗ ſeitig herzlich zu lieben, ſondern er übertrug ihnen auch beſonders, für ſein theures Bethlehem Sorge zu tragen; er erklärte feierlich, daß er ſich keine Unfehlbarkeit anmaße. „Das Concil — ſchreibt er — verlangte, daß ich alle aus meinen Schrif⸗ ten ausgezogenen Artikel für falſch erklären ſollte. Ich wollte mich dazu nicht verſtehen, wenn ſie mir nicht durch die Schrift die Falſchheit bewieſen. Welcher falſche Sinn daher in irgend einem dieſer Artikel liegt, den verab— ſcheue ich, und ich ſtelle jeden ſolchen der Ver⸗ beſſerung des HErrn JEſu Chriſti anheim, der meine aufrichtigen Geſinnungen kennt.“ Die böhmiſchen Ritter, welche er ſeine „gnädigen