# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 09 08_S7 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Gottes rein gepredigt und die heiligen Sacramente unverfälſcht nach Chriſti Einſetzung verwaltet würden. Im zweiten Theile zeigte er, daß der HErr nur für diejenigen zu ihrem Heile gegen⸗ wärtig ſei, welche ſtille ſeien vor dem HErrn, die nemlich Gott weder mit ihrem Herzen, noch mit ihrer Vernunft, noch mit ihrer Gerechtigkeit darein redeten, die da in Demuth ſchwiegen und in ihrem Herzen dächten: „Rede, HErr, denn dein Knecht höret.“ Dabei wurde darauf hingewieſen, wie in⸗ ſonderheit Luther ein Mann geweſen ſei, der ſtill war vor dem HErrn. Hierauf folgte Beicht— handlung und Communion, an der, wie es ſchien, faſt die ganze Gemeinde Theil nahm. Die Ge⸗ ſänge waren mit muſikaliſchen Inſtrumenten recht erhebend und lieblich begleitet. Des Nachmittags predigten wir über Pſalm 27, 4—6. Möge der HErr, ſo oft ſeines Namens Gedächtniß auch in dieſer Kirche erneuert wird, zu den Verſammelten kommen und ſie ſegnen und die Gemeinde zu einer Stadt Gottes machen auf hohem Berge, die da leuchte durch reine lutheriſche Lehre und reinen gottſeligen Eifer. Die Hirtenſtimme in Baltimore. In dem uns gütigſt zugeſandten Bericht von den Verhandlungen der 9ten Sitzung der weſt⸗ lichen Diſtricts-Synode der ev.⸗lutheriſchen Kirche von Ohio, gehalten zu Delaware, O, am 28ſten Mai u. f. 1847, finden wir einen Committee⸗ bericht, aus welchem zu erſehen iſt, wie der arme Hr. Weyl alles aufbietet, um ſeine armſelige un⸗ lutheriſche „Kirchenzeitung und Hirtenſtimme“ beim Leben zu erhalten und ſich Helfers helfer zu ſeinem ohnmächtigen Kampf gegen das Luther— thum, das er Ultra-Lutheranismus nennt, zu werben. Der Bericht iſt folgender: No. 13 iſt ein Schreiben des Herausgebers der „Lutheriſchen Hirtenſtimme“, Ehrw. C. G. Weyl, in welchem er der weſtlichen Diſtriets-Synode einen Antrag zur gemeinſamen Herausgabe eines teut— ſchen Kirchenblattes, unter dem Namen „Luthe⸗ riſche Kirchenzeitung und Hirtenſtimme“ macht, und ſagt, daß er dadurch eine Annäherung „zur chriſtlichen Harnonie und Einigung in unſrer lutheriſchen Kirche“ beabſichtige. Er legt zur Aus⸗ führung dieſes Planes 7 Bedingungen vor, und ſchließt mit der Bemerkung, daß „durch ein ſolches concentrirtes, brüderliches Zuſammenwirken ir⸗ gend falſche Macht und ſchädliche Einflüſſe, wie z. B. die engliſche Angſtbank und der teutſche Ultra-Lutheranismus, allein geſtürzt werden könne“. Ihre Committee empfiehlt achtungsvoll, daß genanntes Schreiben vorgeleſen und folgender Beſchluß darüber angenommen werde: Beſchloſſen, daß dieſe Synode, da ſie bereits zur Herausgabe einer teutſchen, ev.Kutheriſchen Zeitſchrift einleitende Schritte gethan, zudem ſich noch nicht überzeugt fühlt, daß die Hirten— ſtimme einen echt lutheriſchen Stand— punkt eingenommen, für jetzt die Vorſchläge des Herausgebers nicht weiter berückſichtigen könne. W. F. Lehmann. Carl G. Reichert. Georg Forſter. Dieſer Bericht wurde ganzwon der Synode angenommen. 7 Frau Muſica. Von Luther. Für allen Freuden auf Erden Kann niemand keine feiner werden, Denn die ich geb' mit mein'm Singen Und mit manchem ſüßen Klingen. Hie kann nicht ſein ein böſer Muth, Wo da ſingen Geſellen gut; Hie bleibt kein Zorn, Zank, Haß, noch Neid, Weichen muß alles Herzeleid; Geiz, Sorg', und was ſonſt hart anleit, Fährt hin mit aller Traurigkeit. Auch iſt ein jeder des wohl frei, Daß ſolche Freud' kein Sünde ſei, Sondern auch Gott viel baß gefällt, Denn alle Freud der ganzen Welt. Dem Teufel ſie ſein Werk zerſtört, Und verhindert viel böſer Mörd, Das zeugt David des Königs That, Der dem Saul oft gewehret hat Mit gutem ſüßen Harfenſpiel, Daß er nicht in großen Mord ſiel. Zum göttlichen Wort und Wahrheit Macht ſie das Herz ſtill und bereit. Solch's hat Eliſeus bekannt, Da er den Geiſt durchs Harfen fand. Die beſte Zeit im Jahr iſt mein, Da ſingen alle Vögelein, Himmel und Erden iſt der voll, Viel gut Geſang da lautet wohl; Voran die liebe Nachtigall Macht alles fröhlich überall Mit ihrem lieblichen Geſang, Des muß ſie haben immer Dank; Vielmehr der liebe Herre Gott, Der ſie alſo geſchaffen hat, Zu ſein die rechte Sängerin, Der Muſica ein' Meiſterin; Dem ſingt und ſpringt ſie Tag und Nacht, Seines Lobs ſie nichts müde macht, Den ehrt und lobt auch mein Geſang Und ſagt ihm ein'n ewigen Dank. Siehte: Lob und Preis der löblichen Kunſt Muſica. Durch H. Johann Walter. Wittenberg 1538, mit einer poetiſchen Vorrede von Dr. Luther. * Urtheil eines Jeſuiten von den Lutheriſchen Liedern. Die Lutheriſchen Lieder haben mehr Seelen ge⸗ tödtet (das heißt, dem Pabſte abwendig gemacht und zu Chriſto geführt), als die Schriften und Predigten: warum ſollte dies daher ein recht— gläubiger Fürſt nicht zu einer Arzenei gebrauchen, was ſich die Verführer zum Verderben ausgedacht haben? (Conzen. I. 2. Polit. c. 19.) ——2——3—— Vom geiſtlichen Ueberdruß. (Siehe: Luthers Auslegung des Proph. Jeſai, 49, 8.) Es iſt eine ſehr ſchwere Verſuchung, wenn wir des Worts ſatt und überdrüſſig werden, und einen Ekel davor bekommen. Denn wenn der Satan dieſe Lehre anfangs mit Gewalt durch die Fürſten der Welt, hernach mit Liſt durch die Ketzer be⸗ ſtürmt, ſo verſucht er auch einen jeden heimlich durch das Laſter, wovon die Schrift ſpricht, 4 Moſ. 21, 5.: „Unſrer Seele ekelt vor dieſer loſen Speiſe.“ Weil ſich nun dieſes Laſter ſehr weit ausbreitet, ſo thut es ſehr viel Schaden; denn die Tyrannen und Ketzer ſchaffen der Kirche Nutzen, und bringen den Glauben und die Lehre der Kirche in Uebung; der Ekel aber und die Sorgloſigkeit macht, daß die Leute ſchnar— chen, ſicher, überdrüſſig und allen Pfeilen des Satans unterworfen ſind. Derowegen iſt dieſe Ermunterung nöthig, daß wir wachſam ſeien. Ich für meine Perſon hätte fürwahr vordeſſen einen einzigen Pſalm, wenn ich ihn recht verſtanden hätte, allen Reichthümern der Welt vorgezogen; aber damals war der Himmel ehern, und die Erde verſchloſſen. Nunmehro aber, da ſich die Fenſter des Himmels aufgethan haben, ſo fangen wir an, davor einen Ekel zu bekommen. Wer nur ein— mal das Neue Teſtament durchgeleſen hat, der bewundert ſich ſelbſt und meinet, es ſei nichts mehr übrig, das er nicht wohl inne habe. Dero⸗ halben wird es geſchehen, daß das Wort von den Undankbaren wird genommen und einem andern Volke gegeben werden, das wir vielleicht nicht kennen. Des Glaubens Weſen. „Die Sophiſten (die falſchen Weiſen im Pabſt⸗ thum) meinen, wir fechten um ein geringes Ding, wenn ſie hören, daß wir vom Glauben lehren. Denn ſie verſtehen und wiſſen nicht, daß der Glaube eine Veränderung und Verneuerung iſt der ganzen Natur, alſo, daß Augen, Ohren und das Herz ſelbſt ganz und gar anders hören, ſehen und fühlen, denn andre Leute. Denn der Glaube iſt ein lebendig und gewaltig Ding, er iſt nicht ein ſchläfriger und fauler Gedanke, ſchwebt auch und ſchwimmt nicht oben auf dem Herzen, wie eine Gans auf dem Waſſer, ſondern iſt wie Waſſer, ſo durch Feuer erhitzt und erwärmt iſt; dieſes, ob es wohl Waſſer bleibt, ſo iſt es doch nicht mehr kalt, ſondern warm und iſt alſo gar ein ander Waſſer: alſo macht der Glaube, der des Heiligen Geiſtes Werk iſt, ein ander Herz, Gemüth und Sinn und macht alſo gar einen neuen Menſchen. Darum iſt der Glaube ein geſchäftig, ſchwer und gewaltig Ding und ſo man recht davon reden wollte, ſo iſt er vielmehr ein Leiden, denn eine Wirkung Denn er ändert Herz und Sinn, und da ſich die Ver⸗ nunft an das Gegenwärtige pflegt zu halten, da ergreift der Glaube die Dinge, ſo nirgend vor Augen ſcheinen, dieſelben hält er wider alle Vernunft für gegenwärtig. Und iſt dieſes die Urſache, daß der Glaube nicht eines jeden iſt, wie das Gehör; denn wenig ſind gläu⸗ big, der größte Haufe aber hält ſich viel mehr an gegenwärtige Dinge (als Geld, Luſt, Ehre, eigne Werke ꝛc.), die man fühlet und greifet, denn an das Wort. So iſt nun das das Gemerke und Zeichen der rechten und göttlichen Verheißungen (daran ſich der Glaube hält), daß ſie wider die Vernunft ſtreiten, die Vernunft aber ſie nicht annehmen will; des Satans Verheißungen aber, dieweil ſie