# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 09 08_S6 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Gegenwart des Leibes Chriſti im Abendmahle ge— leugnet und verworfen haben. Die letztere Be⸗ ſchuldigung that dem Huß Unrecht; wenigſtens hat derſelbe immer beſtimmt gelehrt, daß Chriſti Leib weſentlich im Sacrament gegenwärtig ſei. Das wiſſen unſere lutheriſchen Leſer aus jenem Liede: „IEſus Chriſtus, unſer Heiland, der von uns“ ꝛc., welches Huß verfertigt und Luther ver⸗ deutſcht hat; darin heißt es im zweiten Verſe alſo: „Daß wir nimmer des vergeſſen, Gab er uns ſein'n Leib zu eſſen, Verborgen im Brod ſo klein, Und zu trinken ſein Blut im Wein.“ So bevollmächtigte denn Pabſt Alexander V. noch im Jahre 1409 den Erzbiſchof in einer Bulle, alle Schriften Wiklefs ſich ausliefern zu laſſen, über alle ſeine Anhänger ein Gericht niederzuſetzen und alles Predigen in Privatkapellen zu verbieten. Sbynko gehorchte, und unterſagte auch dem Huß das Predigen in der Bethlehemskirche. Es ent— ſtand eine große drohende Bewegung unter dem Volk, das ſogar den Erzbiſchof verhöhnte. Auch Huß ging immer weiter; er unterſchied das Wahre und Falſche in Wiklefs Schriften, und erklärte ſich bereit, das Falſche zu verdammen, wo man es ihm nachweiſe; aber erklärte auch, daß er „um eines Stückchens Brodes willen oder aus Men⸗ ſchenfurcht die Wahrheit, die ihm Gott zu er⸗ kennen verliehen, und beſonders die in der heiligen Schrift geoffenbarte, nicht verlaſſen, ſondern in Hoffnung auf die Hülfe des Heiligen Geiſtes die⸗ ſelbe bis zum Tode vertheidigen werde.“ Auch ſein zur Erleuchtung und Bekehrung Vieler ſo reich ge— ſegnetes Amt in der Bethlehemskapelle glaubte er jetzt nicht niederlegen zu dürfen; „wer — ſagte er — die von dem HErrn IEſus Chriſtus und dem Geiſte Gottes ihm aufgetragene Predigt des wah⸗ ren Gottes auf menſchlichen Bann unterlaſſe, den habe Gott ſelbſt von ſeiner Gemeinſchaft aus⸗ geſchloſſen; der Prieſter Chriſti muß der Stimme des Heiligen Geiſtes gehorchen, und den menſch⸗ lichen Bann geduldig tragen“; und als man zur Beglaubigung ſeines Predigerberufs Wunder von ihm forderte, erwiederte er: „die Wahrheit be— kennen und Chriſto nachfolgen, iſt das kräftigſte Zeugniß göttlicher Sendung.“ So fuhr denn Huß in ſeinem Amt und Zeugniß demüthig fort und appellirte nach dem Gebrauch der damaligen Zeit „von dem falſch berichteten Pabſt an den beſſer zu berichtenden“. Doch der Pabſt, Johann XXIII., citirte ihn durch den Cardinal Colonna nach Rom. Huß entſchuldigte ſich mit Mangel an Sicherheit, und ſandte einen Anwalt. Colonna excommunicirte ihn; als je— doch die Univerſität und der König für ihn ein⸗ kamen, leitete der Pabſt eine neue Unterſuchung ein, bei welcher es der König zwiſchen Huß und Sbynko zu einem Vergleich brachte. Doch Gott hatte beſchloſſen, den theuern Huß als ein Licht für alle kommenden Zeiten auf einen hohen Leuchter zu ſtellen; er mußte daher durch dieſelbe Veranlaſſung, wie hundert Jahre darnach Luther, in einen entſcheidenden Kampf gegen den Stuhl des Antichriſts hineingezogen werden. Pabſt Johann XXIII. ſandte nemlich 1412 an 6 den neuen Erzbiſchof Albik eine Kreuzzugsbulle wider den König Ladislaus von Neapel, welche denen, die mit in den Krieg ziehen würden, voll⸗ kommenen Ablaß verhieß, und in Böhmen ward nun durch den unverſchämteſten Ablaßprediger je⸗ dem, der nur Geld gab, das Himmelreich ver— kauft. Empört über dieſes Unweſen, verfaßte Huß nicht nur Schriften wider die Bulle und den Ablaß des Pabſtes, ſondern hielt auch eine öf— fentliche Disputation dagegen, während ſein Freund Hieronymus (von Prag) die Ge⸗ müther des Volks durch eine feurige Rede erregte. So erſchien denn 1413 eine päbſtliche Bulle, welche über Huß den Bann ſprach, und ſeinen Aufenthaltsort mit dem Interdict (Unterſagung des öffentlichen Gottesdienſtes) belegte. Nun ap⸗ pellirte Huß ſeierlich von dem ungerechten Richter⸗ ſpruch des Pabſtes an den einzigen gerechten, un⸗ beſtechlichen, durch kein falſches Zeugniß zu täu⸗ ſchenden Richter IEſus Chriſtus; auch ſchrieb er jetzt ſein wichtiges Buch „Von der Kirche“, worin er die Kirche — die keines andern Oberhauptes, als Chriſti bedürfe — für die Geſammtheit der Auserwählten erklärt, alle Unwiedergeborne von derſelben ausſchließt und mithin leugnet, daß die Kirche ein ſichtbares Reich ſei. Hierauf machte der Erzbiſchof das päbſtliche Urtheil bekannt und vollzog es. Huß verließ, um nicht Unruhen zu veranlaſſen, noch 1413 Prag lieber ganz, und begab ſich nach Huſſinecz. Er predigte jetzt oft vor vielem Volke auf freiem Felde, ſchrieb auf dieſer ſeiner Wartburg wie Luther eine (zu Prag noch handſchriftlich vorhandene) Poſtille über die Bibel in böhmiſcher Sprache, und ermuthigte ſeine Prager Gemeinde in Briefen, worin ſein feſter Glaube, ſeine evangeliſche Freudigkeit und kind⸗ liche Ergebung aufs ſchönſte ſich ausſpricht. An⸗ ſpielend auf den Namen Huß, der in böhmiſcher Sprache Gans bedeutet, ſchreibt er in einem jener Briefe: „Weil die Gans, ein zahmes Thier, das ſich mit ſeinem Fluge nicht hoch erheben kann, ihre Schlingen durchbrochen hat, ſo werden nach mir Falken und Adler kommen, welche durch das Wort Gottes und heiliges Leben ſich höher im Fluge hinaufſchwingen, und Viele zu dem HErrn Chriſto fortreißen werden u. ſ. w. Das iſt die Natur der Wahrheit, daß, je mehr man ſie zu unterdrücken ſucht, deſto ſtärker ſie ſich erhebt.“ In dieſer Zeit ſollte eine allgemeine Kirchen⸗ verſammlung (Concil) zu Coſtniz am Bodenſee in Baden gehalten, und hier auch Huſſens Sache entſchieden werden. Der Kaiſer Sigismund ei⸗ tirte daher Huſſen vor dieſes öffentliche Kirchen⸗ gericht durch ſeinen Bruder König Wenzel, ſendete ihm aber auch eine ſchriſtliche Urkunde zu, durch welche ihm freies kaiſerliches Geleit hin und zurück zugeſichert wurde. Mehrere böhmiſche Ritter warnten den theuern Mann vor der Annahme der Citation und boten ihm ihren Schutz an. Aber vergeblich, Huß war entſchloſſen, dem wichtigen Rufe zu folgen. In ſeinem Abſchiedsſchreiben an ſeine Prager Gemeinde drückt er ſeine Geſinnung folgendermaßen aus: „Kann mein Tod Seinen Namen verherrlichen, ſo möge Er, mein all⸗ mächtiger Erlöſer, mir die Gnade geben, getroſt alle Leiden zu ertragen. Iſt es aber meinem Heil zuträglich, daß ich zu euch zurückkehre, ſo wollen wir Gott bitten, daß es der evangeliſchen Wahr— heit unbeſchadet geſchehe, damit wir mit einander die Wahrheit reiner erkennen“ u. ſ. w. So trat denn Huß, begleitet von mehreren Rittern, von ſeinem treuen Johann von Chlum vor allen, ſeine Reiſe an, und erſchien in freudigem Gott⸗ vertrauen und auf jeden Fall in den Willen des HErrn ergeben, um vor den Repräſentanten der ganzen abendländiſchen Chriſtenheit ein Bekennt⸗ niß ſeines Glaubens abzulegen, am 3. November 1414 zu Coſtnitz. (Schluß folgt.) Kircheinweihung. Wir können nicht umhin, unſeren Freunden im Oſten eine, wenn auch etwas verſpätete Nachricht aus dem Weſten mitzutheilen, die ihnen, wie wir hoffen, Freude machen wird. In Palmyra nem⸗ lich, einem niedlichen Städtchen von gegen 1200 Einwohnern, ohngefähr 150 Meilen nördlich von St. Louis entfernt und 7 Meilen landeinwärts vom rechten Ufer des Miſſiſſippi, befindet ſich gegenwärtig eine kleine deutſch-lutheriſche Ge— meinde von etlichen und dreißig Communicanten. Von derſelben wurden wir freundlich eingeladen, bei der Einweihung ihres neu erbauten Kirchleins mit thätig zu ſein. Wir nahmen die Einladung an und freuten uns herzlich, die Bekanntſchaft des Predigers der Gemeinde zu machen, der uns bis dahin noch nicht perſönlich bekannt geweſen war. Derſelbe — ſein Name iſt Beſt — war früher Lehrer in Anſpach, im Amte Uſingen, Herzog⸗ thum Naſſau, wurde aber allein deswegen ſeines Amtes von ſeinen geiſtlichen, oder vielmehr un—⸗ geiſtlichen und ungläubigen, Obern entſetzt, weil er die lutheriſche Lehre vom heiligen Abendmahle, die er in einer, ihm für die Schullehrerconferenz aufgegebenen Katecheſe entwickelt hatte, nicht hatte widerrufen wollen. Dies geſchah im Jahr 1833 und wurde die Urſache, daß Herr Beſt mit Weib und Kind, aber auch begleitet von einem Häuflein erweckter Chriſten, nach Amerika auswanderte, wo er ſich mit einigen ſeiner Begleiter endlich nach dem obengenannten Orte wandte. Auf dringen⸗ des Zureden nahm er hier den Beruf einer kleinen Anzahl deutſcher Lutheraner an, ihr Prediger und Lehrer ihrer Kinder zu werden. Lange Zeit mußte jedoch der Gottesdienſt in dem Wohnzimmer des Predigers gehalten werden, bis es endlich zu der Erbauung einer Kirche durch Gottes Hülfe kam. Dieſelbe iſt von Backſteinen, hat 40 Fuß Tiefe und 30 Fuß Breite und 6 Fuß hohe Fenſter in Spitzbogenform. Die Einweihung der Kirche geſchah am 8. Sonntag nach Trinitatis. Herr Paſtor Beſt hielt des Morgens das Einweihungs⸗ gebet und die Predigt über Habac. 2, 20.: „Aber der HErr iſt in ſeinem heiligen Tempel. Es ſei vor ihm ſtille alle Welt.“ Nach dieſem Terte zeigte er, wie der HErr nicht nur in dem Tempel des Alten Teſtaments gegenwärtig war, ſondern es auch noch jetzt in den Verſammlungen der Chriſten ſei, wenn nemlich daſelbſt das Wort