# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1844 11 30_S25 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 1. St. Louis, Mo., den 30. November 1844. No. 7. Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar fünf und zwanzig Cents für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 6¼ Cents verkauft. Durch den Glauben allein bekommt der Mensch einen gnädigen Gott und ein fröhliches Gewissen. (Aus Luthers Auslegung des Briefes an die Galater. Siehe: L. Werke. Halle. VIII. p. 2006. ff.) „Unter dem Pabstthum sind viel gute Leute gewesen, die es ihnen herzlich haben sauer werden lassen; unterstunden sich, das Gesetz, der Väter Satzung und des Pabstes Träume und Narrenwerk zu halten; thaten ihnen mit großem stetigen Casteien, Beten, Fasten, Wachen ꝛc. so wehe und verderbten ihre Leiber und Gesundheit damit, daß sie darnach zu gar nichts mehr tüchtig waren; und war doch gleichwohl damit nichts mehr ausgerichtet, denn daß sie sich nur selbst plagten und marterten; konnten es aber dahin nimmermehr bringen, daß sie in Christo ein ruhig und friedsam Gewissen hätten können erlangen, sondern mußten immerdar zweifeln und ungewiß sein, ob ihnen Gott gnädig oder ungnädig wäre.*) Jetzt aber, da das Evangelium lehret, daß weder Regel noch Gesetz gerecht mache, sondern allein der Glaube an Christum, kommt daraus, daß man aufs allergewisseste weiß und verstehet, wie man mit Gott daran ist, dadurch das Gewissen recht fröhlich sein kann. — — Es lautet aus der Maßen schwach und geringe, daß uns der heil. Geist gegeben werden soll, wenn wir nur allein die Predigt vom Glauben hören, und daß von uns nichts mehr soll gefordert werden; denn daß wir von allem unserem Thun abstehen und allein dem Evangelio zuhören sollen. Menschlich Herz verstehet, noch glaubet nicht, daß ein solcher großer und theurer Schatz, nehmlich der heil. Geist, allein durch die Predigt vom Glauben soll gegeben werden; sondern also dichtet es: Fürwahr, fürwahr, es ist ein großes Ding, daß die Sünden vergeben werden, daß wir von Sünde und Tod los werden, den heil. Geist, ewiges Leben und Gerechtigkeit empfahen sollen. Darum kann es so schlecht und leichtlich nicht zugehen, du mußt wahrlich auch etwas Großes und Tapferes thun, damit du solche unaussprechliche Gottesgaben erlangest. Solche Gedanken stärket denn der Teufel in den Herzen und machet sie je länger je größer. Darum wenn die Vernunft höret: Ach, Lieber, es ist doch umsonst mit dir, du kannst nichts thun, damit du Gnade, Vergebung der Sünden und den heil. Geist erlangest; willst du sie aber erlangen, so sei mit deinem Thun zufrieden“ (laß davon ab) „und höre das Wort vom Glauben, dadurch wirst du dieß alles empfangen: widerbellet sie bald, und spricht: Ey, Lieber, du willst mir die Gnade, Vergebung der Sünden ꝛc. allzugar geringschätzig und väterlich darschlagen; es läffet sich so schlecht nicht empfahen durch Zuhören ꝛc. So geschieht es denn, daß die Größe der unaussprechlichen Güter uns scheu macht, daß wir ihr nicht theilhaftig werden, ja, auch wohl dazu verachten, um deswillen, daß sie uns vergeblich“ (umsonst) „angeboten und dargereicht werden sollten. *) Steht es mit dem Treiben und Wesen und ganzen Christenthum der Glieder unserer jetzigen eifrigen Secten anders? Es reime sich aber vor der Vernunft wie es wolle, so müssen wir dennoch lernen, daß uns die Vergebung der Sünden, Christus, der heil. Geist ꝛc. vergeblich, umsonst und aus lauter Gnaden gegeben werden, ob wir gleich mit unseren großen und greulichen Sünden das Widerspiel verdient haben. Man muß noch soll aber nicht darauf sehen, wie übermäßig und überschwänglich groß der Schatz sei, so uns gegeben wird, und wie gar unwürdig wir solches Schatzes sein. Denn wo solches geschieht, schrecket ab und zeucht uns zurück beides, die Größe dieses Schatzes und unsere Unwürdigkeit. Aber so soll man denken, daß Gott wohlgefalle, diesen unaussprechlichen Schatz uns Unwürdigen, die da zumal verdient hatten den ewigen Gottes Zorn und Strafe, aus lauter Barmherzigkeit, allerdings vergeblich und umsonst frei dahin zu schenken. Gleichwie Christus selbst spricht Luc. 12, 32.: „„Fürchte dich nicht, du kleine Heerde, denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben.““ Das Reich, sagt er, zu geben. Wem will er's aber geben? Euch Unwürdigen, die ihr eine kleine Heerde seid. Weil ich denn klein und geringe bin, der Schatz aber, so mir gegeben wird, ist groß, ja freilich groß und überaus groß: so muß ich wiederum gedenken, daß der auch groß sei, ja allein groß, der mir solchen Schatz schenkt und gibt. Weil mir nun, wie Christus sagt, der barmherzige Vater solchen Schatz anbeut und geben will, frage ich gar nichts nach meiner Sünde und Unwürdigkeit, sondern sehe allein auf seinen gnädigen, väterlichen Willen, so er gegen mir trägt, und nehme solchen Schatz mit allen Freuden an, bin fröhlich und von Herzen dankbar für solche unaussprechliche Gabe, die mir armen, unwürdigen Sünder aus Gnaden, umsonst, durch die Predigt vom Glauben geschenkt und gegeben ist. Aber die Vernunft, wie ich zuvor gesagt habe, stößet sich daran und sagt: Hörest du, Geselle, was du vorgibst und sagst, die Leute dürfen nichts mehr thun, wenn sie diesen überschwänglichen großen Schatz erlangen wollen, denn nur allein Gottes Wort hören? Das scheinet fast, als wollte es zu einer großen Verachtung der Gnade gereichen, und uns ganz sicher, faul und schläfrig machen, daß wir sitzen und die Hände in den Schoos schlagen und allerdings nichts Gutes mehr wirken. Darum taugt es gar nicht, daß man so predigen soll. Auch ist es nicht wahr noch recht, sondern vielmehr soll man den Leuten zusprechen, sie strafen und ermahnen, daß sie es angreifen, ihnen lassen sauer werden und mit höchstem Fleiß sich üben, Gutes zu thun, und alsdenn verhoffen, solchen theuren Schatz zu erlangen. Eben dergleichen Wort haben vorzeiten die Ketzer Pelagiani den Christen auch vorgeworfen. Aber daran sollst du dich nicht kehren, sondern hören, was St. Paulus allhier (Gal. 3,2.) sagt: „„Ihr habt den heil. Geist empfangen,““ sagt er, nicht durch eure Arbeit, daß ihr es euch habt lassen sauer werden und des Gesetzes Werk gethan, „„sondern durch die Predigt vom Glauben.““ Ja, höre, was Christus seiner lieben Wirthin Martha antwortet, die sich viel zu schaffen machte, daß sie ihm wohl diente, und deß Verdruß hatte, daß ihre Schwester, Maria, dem HErrn JEsu zu den Füßen saß, hörete sein Wort und ließ sie dieweil allein dienen und arbeiten. „„Martha, Martha,““ sagt er, „„du hast viel Sorge und Mühe; Eins aber ist noth! Maria hat ein gutes Theil erwählet, das soll nicht von ihr genommen werden.““ Darum wird keiner zum Christen durch Werke thun, sondern durch Zuhören dem göttlichen Wort. Wer nun will darnach streben, daß er gerecht werde, der denke, daß er zum ersten und fürnehmlich sich übe, Gottes Wort zu hören; wenn er dasselbe gehöret und gefasset hat, danke er unserm HErrn Gott mit Freuden und übe sich darnach in guten Werken, die in der Schrift geboten werden; daß also das Gesetz 4