# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 09 08_S5 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Es wurde ferner einſtimmig anerkannt, daß es ſich für Lutheraner nicht gezieme, ohne Noth aus weltlicher Luſt ſolche Plätze, Trink- und Tanz⸗ Häuſer und ſonſt öffentliche Vergnügungsorte zu beſuchen, wo ſich die Welt verſammelt, um da ihrer Luſt zu fröhnen, und dem Spott- und Läſtergeiſte den Zügel zu laſſen; und daß ſolche Unſitte mit Gottes Wort ernſtlich zu ſtrafen ſei. Zum Beweiſe dienen unter andern folgende Stel⸗ len: „Wohl dem, der nicht wandelt im Rath der Gottloſen, noch tritt auf den Weg der Sün⸗ der, noch ſitzet, da die Spötter ſitzen.“ Pſ. 1, 1. „Stellet euch nicht dieſer Welt gleich.“ Röm. 12, 2. „Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. — Darum gehet aus von ihnen und ſondert euch ab.“ 2 Cor. 6, 14—18. „Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt iſt. So jemand die Welt lieb hat, in dem iſt nicht die Liebe des Vaters; denn alles, was in der Welt iſt (nemlich des Fleiſches Luſt, und der Augen Luſt, und hoffärtiges Leben), iſt nicht vom Vater, ſondern von der Welt.“ 1 Joh. 2, 15. 16. „Das befremdet ſie, daß ihr nicht mit ihnen laufet in dasſelbige wüſte, unordentliche Weſen, und lä⸗ ſtern.“ 1 Petr. 4, 4. „Meidet allen böſen Schein.“ 1 Theſſ. 5, 22. Endlich kam zur Sprache, daß manche Ge⸗ meindeglieder nach der zweiten oder dritten Be⸗ ſtrafung (Matth. 18, 15—18.) die Gemeinde ſelbſt verlaſſen, um dadurch der Vollziehung des Bannes an ihnen zu entgehen. Es wurde all⸗ gemein für rathſam erkannt, daß zur Wahrung des chriſtlichen Rufes der Gemeinde dergleichen Perſonen vorerſt ſchriftlich oder mündlich daran erinnert werden, daß die Urſachen ihres Weggehens öffentlich von der Kanzel bekannt gemacht werden ſollen, — und daß, wenn die Warnung fruchtlos iſt, dieſe Maßregel auch vollzogen werde. Dieſes nur kurze Andeutungen von dem lebens⸗ vollen Austauſche, welcher auf der Conferenz Statt fand. Der HErr gab Gnade und Segen, daß die Einigkeit des Geiſtes befördert, und der Eifer für das Reich Gottes aufs Neue belebt wurde. So im Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung geſtärkt, verließen wir endlich das theure Pfarrhaus von Altenburg, wo wir eine ſo freundliche und gaſtliche Aufnahme gefunden hat⸗ ten, voll Dankes gegen den HErrn, der dieſe Tage ſo reich geſegnet hatte. Hermann Fick. Johann Huß, der heilige Märtyrer. (Nach Guerike.) Unſere lieben Leſer werden wohl ſchon alle von einem gewiſſen Huß gehört haben, der ohngefähr hundert Jahr vor Luthers Auftreten von Gott er⸗ weckt wurde, gegen das Verderben der römiſchen Kirche, das auch er ſchon deutlich erkannt hatte, zu zeugen, und daß derſelbe endlich um der Wahr⸗ heit willen ſtandhaft den Feuertod erlitt. Man⸗ cher wird vielleicht wünſchen, mit dem Leben und Ende dieſes Vorläufers der Reformation näher bekannt zu werden; wir theilen daher folgende ausführlichere Beſchreibung desſelben in einem 5 Auszuge aus der Kirchengeſchichte des ebenſo ge⸗ lehrten als treu lutheriſchen Herrn Doctor und Profeſſor Guerike an der Univerſität zu Halle mit. Johann Huß wurde am 6ten Juli 1373 zu Huſſinecz, einem Flecken im ſüdlichen Böhmen, geboren. Er ſtudirte auf der Univerſität zu Prag, wo er ſeit 1396 Magiſter und ſpäter Profeſſor der Philoſophie wurde. Schon in den erſten Jahren ſeines Mannesalters wurde derſelbe durch Gottes Gnade zu einer lebendigen Erkenntniß ſeiner Sün⸗ den, aber auch der Gnade ſeines Heilandes ge⸗ bracht, und dadurch fähig, Wahrheit und Irr⸗ thum zu unterſcheiden. Er ſchreibt hiervon ſelbſt im Jahr 1413 alſo: „Auch ich war einſt in den ſüßen Schlummer weltlicher Sicherheit verſunken, bis es dem HErrn IEſus gefiel, mich elenden Knecht meiner Be⸗ gierden, wie einſt den Lot, mitten aus dem Feuer Sodoms gegen meinen Willen zu retten, und mich einzuführen in die Wohnung der Leiden, der Schmach und Verachtung. Da erſt wurde ich arm und zerknirſcht, und mit Furcht und Zittern das Wort Gottes betrachtend, fing ich an, die darin liegenden Schätze der Weisheit zu be⸗ wundern. Da erſt erkannte ich, wie ſehr Satan auch den hohen Weiſen dieſer Welt die Augen verſchloſſen habe. Nun wurde mein Herz durch⸗ drungen von einem neuen, gewaltigen, beſeligen⸗ den Feuer, das bis jetzt in mir fortwirkt und deſto mehr entzündet wird, je mehr ich im Gebet zu Gott und zu dem gekreuzigten HErrn IEſu mich erhebe.“ So wollte er nun auch nicht zu denen gehören, die in menſchlicher Vernunftweisheit die ſeligmachende Wahrheit ſuchten, ſondern, wie er ſelbſt ſagt, zu den „Armen und Demüthigen und Verachteten in dieſer Welt“, die im göttlichen Worte alles ſuchen und finden. Bei dieſem Sinne nahm er einen zweiten Beruf mit Freuden an, den er hierauf im Jahre 1402 erhielt. Ein frommer Prager Kaufmann nemlich, mit Namen Kreuz, hatte in Verbindung mit einem könig⸗ lichen Rathe Johann von Mühlheim eine eigene Kapelle, die Bethlehems-Kirche, zur Predigt des Evangeliums in der Landesſprache geſtiftet, da damals bei Vielen ein Hunger nach dem göttlichen Worte ſich regte. An dieſem Kirchlein wurde Huß Prediger und er arbeitete nun in dieſem geiſtlichen Lehramte, ſo wie in der Seelſorge, mit glühendem Eifer. Seit dieſer Zeit war er auch zugleich Beichtvater der Königin. Selbſt ein römiſchkatholiſcher Schriftſteller, der Huſſens ent⸗ ſchiedener Feind war, muß folgendes ſchöne Zeug⸗ niß von ſeinem jetzigen Auftreten geben: „Seine ſtrengen Sitten, ſein ernſtes Leben, fern von allem Genuſſe, gegen welches Niemand eine Klage vor⸗ bringen konnte, ſein trauriges abgezehrtes Geſicht, ſein gegen jeden, auch den Niedrigſten, zuvor⸗ kommendes Wohlwollen, predigten daher gewalti⸗ ger, als alle Beredſamkeit der Zunge.“ Bei ſeinem Predigerberufe lernte nun Huß nicht nur deutlicher einſehen, was dem armen ver⸗ laſſenen Volke noth war, ſondern er erkannte auch den überaus verderblichen Einfluß der vielen ihn umgebenden unwürdigen Mönche und Geiſtlichen und überhaupt das tieſe Verderben in der Kirche immer klarer. In chriſtlichem Muthe ſtrafte er das Schlechte, wo und wie er es fand. So lange er hierbei mehr im Allgemeinen ſich hielt, ohne die gottloſe Prieſterſchaft insbeſondere anzutaſten, fand er bei derſelben noch keinen Widerſtand. Ja, ſein Erzbiſchof Sbynko ſtimmte mit ihm ganz überein im Kampfe gegen einen damals herrſchen⸗ den Aberglauben. Auf einem ſteinernen Altar nemlich, der bei der Zerſtörung der Kirche zu Wilsnack in der Priegnitz durch einen Ritter 1383 ſtehen geblieben war, wollte man drei mit dem Blute Chriſti gefärbte Hoſtien gefunden haben, und aus vielen Gegenden Deutſchlands, aus Böhmen, Dänemark, Schweden, Polen, Un⸗ garn ꝛc., wallfahrtete man nun nach Wilsnack, woſelbſt noch immerfort jetzt dergleichen Wunder durch das angebliche Blut geſchehen ſollten. Sbynko ſetzte 1403 eine Commiſſion nieder, die die Sache unterſuchen ſollte; zu dieſer Commiſſion gehörte auch Huß, und dieſer erklärte die Sache für Betrug und Aberglauben. Im Jahre darauf kamen zwei junge engliſche Theologen von Oxford nach Prag. Dieſe waren eifrige Anhänger eines Mannes Namens Jo⸗ hann Wiklef, der (geboren im Jahre 1324 und geſtorben 1384) in England aufgeſtanden war und gegen den Verfall der römiſchen Kirche, inſonderheit gegen den Pabſt, als den Antichriſt, und für viele wichtige verdunkelte und verfälſchte Wahrheiten auch mit großem Ernſte gezeugt hatte, deſſen Lehrſätze aber in England als ketzeriſch ver⸗ dammt worden waren. Jenen Anhängern Wiklefs wurde aber auch in Prag zu lehren verboten. Um nun aber doch die Wahrheit zu bekennen, ſiellten dieſelben in ihrer Wohnung zwei Reihen von Ge⸗ mälden zur Schau auf, durch welche der Gegen⸗ ſatz zwiſchen Chriſto und dem Pabſte als Antichriſt nach Wiklefs Sinn bildlich dargeſtellt war. Auf der einen Seite ſah man Chriſti Einzug zu Jeru⸗ ſalem und ſeine Jünger barfuß ihm folgend, auf der anderen den Pabſt bei ſeinem Einzuge in Rom, gefolgt von den Cardinälen in großer Pracht und Herrlichkeit; hier war dargeſtellt Chriſtus mit der Dornenkrone, dort der Pabſt mit der dreifach gol⸗ denen Krone ꝛc. Groß war das Aufſehen, das dieſe Gemälde erregten. Es entſtand ein großer Zwieſpalt. Alles nahm Parthei; der eine gegen, der andere für Wiklef; und auch Huß mußte um der Wahrheit willen dieſe Beſtrafung der Weltlich⸗ keit und Verderbniß der herrſchenden Geiſtlichkeit billigen und Wiklef in Schutz nehmen. Der größte Theil der Böhmen auf der Univerſität war hier auf Huſſens Seite, und als dieſelben ein Uebergewicht über die Deutſchen bekamen, welche die Sätze Wiklefs verdammt hatten, ſo ver⸗ ließen die letzteren (die Deutſchen), Lehrer und Studenten, die Prager Univerſität (nach der aller⸗ geringſten Angabe 5000 Köpfe, nach der höchſten 44,000), und veranlaßten die Gründung der Univerſität Leipzig. Nun wurde aber Sbynko, der erwähnte Erz⸗ biſchof von Prag, Huſſens Gegner, und klagte denſelben als einen Anhänger Wiklefs zu Rom an; insonderheit ſollte Huß, wie Wiklef, die rö⸗ miſche Brodverwandlungslehre und die weſentliche