# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 09 08_S4 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) gethan, und eine heilſame chriſtliche Lehre damit gegeben! Aber wir arme Sünder, die wir gar ohne Geiſt ſind, ſagen wider ſolche heilige Chriſten aus dem heiligen Evangelio alſo: „Wer Vater und Mut⸗ ter, Weib und Kind, Haus und Hof, dazu ſeine Seele mehr liebet, denn mich, der iſt mein nicht werth“, Matth. 10, 37., und abermal V. 34.1: „Ich bin nicht kommen Friede auf Erden zu geben, ſondern das Schwert“ und Paulus: „Wie reimet ſich Chriſtus und Belial zuſammen?“ Sollen wir nun chriſtlich eins mit ihnen ſein und chriſtliche Liebe zu ihnen haben, ſo müſſen wir ihre Lehre auch lieb haben, und uns laſſen ge⸗ fallen, oder ja zum wenigſten dulden. Das thue, wer da will, ich nicht. Denn chriſtliche Einigkeit ſtehet im Geiſt, da wir eines Glaubens, eines Sinnes, eines Muthes ſind. Epheſ. 4, 6. Das wollen wir aber gerne thun, weltlich wollen wir mit ihnen eins ſein, d. i. leiblichen, zeitlichen Frieden halten. Aber geiſtlich wollen wir ſie meiden, verdammen und ſtrafen, weil wir Odem haben, als die Ketzer, Gottes Worts Ver⸗ kehrer, Läſterer und Lügner; daneben von ihnen leiden, als von Feinden, ihre Verfolgung und Zertrennung, ſo fern und lange Gott leidet, und für ſie bitten, auch ermahnen, daß ſie ablaſſen. Aber in ihr Läſtern willigen, ſchweigen oder bil— ligen, wollen und können wir nicht thun. Solches alles habe ich darum aufgedeckt, daß man ſehe, wie der Teufel ſich kann unter falſcher Demuth, Friede und Geduld ſchmücken, zur War⸗ nung allen, die nicht von Herzen ſich demüthigen, daß ſie ſich vorſehen beide vor dem Teufel und vor ſich ſelbſt. Denn Gott läſſet ſich nicht täuſchen noch äffen; er nähme ehe eine Eſelin, und ver⸗ dammte durch ihren Mund große Propheten, wie er Bileam thät. 4 Moſ. 22, 28. ff. Darum mögen wir wohl zu ſolchen Schwärmern und Gei⸗ ſtern, die uns ſolchen Frieden anbieten, ſagen, wie Chriſtus zu ſeinem Verräther Judas im Gar⸗ ten ſprach: „O Juda, verräthſt du alſo des Men⸗ ſchen Kind mit dem Kuſſe?“ Luc. 22, 48. Ja freilich, ein Jüdiſcher Friede und verrätheriſcher Kuß iſt das, da ſie uns wollen freundlich ſein, und an uns erlangen, wir ſollen ſtille ſchweigen und zuſehen ihrem Brand und Mord, damit ſie ſo viel Seelen ewiglich ins hölliſche Feuer bringen, und wollens für gering und nichts gehalten haben. Gott warnet uns damit für den Geiſtern, daß er ſie ſo läßt herausfahren, und ſich ſelbſt verrathen und an Tag geben, wie ſie mit Lügen und Falſch⸗ heit umgehen. Und wen ſolch Stücklein nicht ent⸗ ſetzt noch warnet, den laß fahren, er will verloren ſein. Der Heilige Geiſt redet und gibt ſolche Stücklein nicht für durch ſeine armen Sünder, wie hier der Teufel thut durch ſeine Heiligen. (Eingeſandt.) Bericht von der St. Louis Diſtriets⸗Prediger⸗ Conferenz der deutſchen ev.⸗luth. Synode von Miſſouri, Ohio und andern Staaten. Dieſelbe wurde gehalten zu Altenburg, Perry Co., Mo., am 19. Auguſt 1847 und den folgenden 4 Tagen. Es waren dabei zugegen die Paſtoren Lö⸗ ber von Altenburg, Perry Co., Mo., Gruber von Paitzdorf, Perry Co., Mo., Keyl aus Frohna, Perry Co., Mo., Walther aus St. Louis, Beſt aus Palmyra, Marion Co., Mo., Saupert aus Evansville, Ind., Lochner aus Collinsville, Ill., Wolf aus Perryville, Perry Co., Mo., Fick aus Neumelle, St. Charles Co., Mo., außerdem als Gäſte die Studioſen Müller und Löber. Zum Vorſitzer wurde Paſtor Löber, zum Schreiber Unterzeichneter gewählt. Zurückgekehrt von dieſer Conferenz, kann ich es nicht unterlaſſen, den lieben Leſern dieſes Blattes Folgendes davon mitzutheilen. Die Sitzungen jedes Tages wurden nach einem kurz erklärten bibliſchen Spruche oder Abſchnitte mit Gebet eröffnet und beſchloſſen. Bei den Verhandlungen wurde aus mehreren Urſachen der Gebrauch eingeführt, daß die dem Amtsalter nach jüngeren Prediger zuerſt ihr Urtheil und ihre Meinung in aufſteigender Reihefolge ausſprachen. Nachdem am 21. Auguſt mit zweien der verſam⸗ melten Prediger ein Colloquium gehalten war, wurden dieſelben am Sonntage vor der zahlreich verſammelten Gemeinde von dem unter uns gegen⸗ wärtigen Präſes der Synode ordinirt. An dem⸗ ſelben Tage wurden zwei Gaſtpredigten gehalten. In Beziehung auf die innere Einrichtung der Conferenzen kam man überein, daß ſie vier Tage währen ſollen, einen Sonntag ineluſive. Die Be⸗ amten derſelben werden nur auf ein Jahr gewählt. Jeder, welcher der Conferenz beſonders wichtige und ſchwierige Fragen vorzulegen hat, hat die⸗ ſelben brieflich oder durch den Lutheraner den Gliedern derſelben bekannt zu machen. Die St. Louis Diſtricts-Prediger⸗Conferenzzerfällt in die drei Kreiſe: Perry County, St. Louis und Illinois, deren Glieder gegenſeitig ihre Prodigten recenſiren und das Urtheil darüber zur nächſten Conferenz mitbringen. Jeder hat zur nächſten Synode ſeine Predigt mitzubringen. Es war der Conferenz von der Synode über⸗ tragen, mit Herrn Paſtor Keyl wegen der Ein⸗ gabe ſeiner Gemeinde in Betreff der Privatbeichte zu conferiren. Nachdem Herr Paſtor Keyl eine Abhandlung über Privat- und allgemeine Beichte vorgeleſen hatte, wurde beſchloſſen, daß dieſelbe mit einigen Veränderungen im Lutheraner mit⸗ getheilt werden ſollte. Darauf gab die Conferenz folgende Erklärung, von welcher Herr Paſtor Keyl hoffte, daß ſich ſeine) Gemeinde damit beruhigen werde: 1. daß die Conferenz die allgemeine Beichte in ſofern auch für unlutheriſch halte, als die⸗ ſelbe, bis etwa auf einige wenige Ausnahmen, in der beſten Zeit der lutheriſchen Kirche nie ge⸗ bräuchlich geweſen ſei; 2. daß der Zuſatz im Cap. V. § 14. unſerer Conſtitution allerdings von denen gemißbraucht werden könne, die gegen das vortreffliche Inſtitut der Privatbeichte gleich⸗ gültig oder demſelben feind ſind, daß aber durch die Synode, wie die Conferenz hoffe, ein neuer Zuſatz werde angenommen werden, der ſolchem Mißbrauch zuvorkomme. Auch die Herren Paſto⸗ ren Löber, Gruber und Wolf erklärten in Ver⸗ bindung mit Herrn Paſtor Keyl, hierdurch in Be⸗ treff dieſes Punctes beruhigt worden zu ſein. Der Zuſatz, welcher auf der nächſten Synode be⸗ antragt werden ſollte, wurde darauf vorläufig be⸗ rathen und entworfen. Längere Zeit verhandelte die Conferenz über den Chiliasmus. So heißt die irrige Lehre, daß Chriſtus noch vor dem jüngſten Tage zur Anrichtung eines tauſendjährigen blühenden Zu⸗ ſtandes der Kirche auf Erden wieder erſcheinen werde, in welchem kein Kampf und kein Aerger⸗ niß mehr ſein werde. Darüber wurden mehrere Theſen des Herrn Paſtor Gruber und eine Ab⸗ handlung des Herrn Paſtor Brohm vorgeleſen, und nachgewieſen, daß der Würtemberger Theo⸗ loge Bengel in Beziehung auf die prophetiſchen Zahlen in einem Widerſpruche mit Luther ſtehe, obſchon er ſich ſelber bei ſeinen Forſchungen auf dem Gebiete der prophetiſchen Theologie auf Lu⸗ ther berufe. Letzterer erklärt nämlich in ſeiner Vorrede zur Offenbarung Johannis die tauſend Jahre des 20. Cap. der Offb. als bereits erfüllt von dem Leiden Chriſti an bis zum Jahr 1073, und rechnet die Zahl des Thiers, 666, von dem Pabſte Hildebrand an, wärend Bengel die Zahl des Thiers den 1000 Jahren vorangehen läßt. — Von den neuern Vertheidigern des Chiliasmus wird gewöhnlich zur Rechtfertigung desſelben be⸗ hauptet, daß die Kirche im Laufe der Zeiten ſtufenweiſe zu einer größ ern Vollkommenheit und zu einer tiefern Erkenntniß fortſchreite und daß dem gemäß die letzte Zeit ihre ſchönſte Blüthezeit ſein werde. Allein es ſtreitet ſowohl gegen die heilige Schrift, als auch gegen die Geſchichte der Kirche, den Begriff einer ſolchen organiſchen Entwickelung auf ſie anzuwenden. Denn laut der Worte Chriſti wird ſich bis ans Ende der Welt immer Unkraut unter dem Weizen finden (Matth. 13, 30. 39.), ja! die Zeiten gegen das Ende hin werden immer greulicher werden (2 Tim. 3, 1. Luc. 18, 8.). So zeigt auch die Geſchichte der Kirche keinen ſtetigen Fortſchritt zum Beſſern, viel⸗ mehr bald Zeiten tiefen Verfalls, bald Zeiten be⸗ ſonderer Gnaden⸗Heimſuchungen; ſie gleicht alſo in ihrer Erſcheinung dem ab- und zunehmenden Monde, welcher bald mit größerem, bald mit ge⸗ ringerem Glanze ſtrahlt. Die beiden herrlichſten Glanzperioden der Kirche ſind bis jetzt das apo⸗ ſtoliſche und das Reformations⸗Zeitalter. Im⸗ mer aber bleibt die Erkenntniß der Kirche in dieſer Welt nur Stückwerk, und ſie wird daher ſtets eine Schülerin des Wortes bleiben müſſen. Der Chi⸗ liasmus nun wird nicht dadurch widerlegt, daß man einer menſchlichen Verechnung eine andere entgegenſetzt, ſondern dadurch, daß man ſeine Behauptungen nach der Analogie des Glaubens prüft und die Irrthümer desſelben mit den klaren Stellen der heiligen Schrift niederſchlägt. Ueber⸗ haupt wird alle Weiſſagung erſt nach ihrer Er⸗ füllung recht erkannt. Der Chiliasmus aber iſt auch darum beſonders gefährlich, weil er ſeinen Glauben nicht auf Gottes klares Wort, ſondern auf die ſchwankende Autorität menſchlicher Aus⸗ legung gründen muß. Die heilige Schrift lehrt übrigens deutlich, daß der jüngſte Tag an jedem Tage kommen könne, wes halb alle Auslegung und Berechnung, die dieſe Lehre umſtößt, falſch iſt. —