# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 09 08_S3 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) thum (wo es möglich wäre) auch die Aus⸗ erwählten? (Matth. 24, 23—26.) Mögen in ſolcher Zeit andere ruhig zuſehen und ſchweigen, wir wollen uns gerne für die Steine, d. i. die Ungeſchickteſten anſehen laſſen, aber die da reden. Wir fürchten uns vor dem Schluſſe der heiligen Schrift, der alſo lautet: „Ich bezeuge aber allen, die da hören die Worte der Weiſſagung in dieſem Buch. So jemand dazu ſetzt, ſo wird Gott zu— ſetzen auf ihn die Plagen, die in dieſem Buch ge⸗ ſchrieben ſtehen. Und ſo jemand davon thut von den Worten des Buchs dieſer Weiſſagung, ſo wird Gott abthun ſein Theil vom Buch des Le— bens, und von der heiligen Stadt, und von dem, das in dieſem Buch geſchrieben ſteht. Es ſpricht, der ſolches zeuget: Ja, ich komme bald. Amen! Ja, komm, HErr IEſu! Die Gnaͤde unſers HErrn JIEſu Chriſti ſei mit euch allen! Amen.“ Offb. 22, 18—21. Iſt es recht, den Frieden mit Menſchen zu brechen, allein wegen der Lehre vom heiligen Abendmahle? (Siehe: Luthers Schrift, „Daß dieſe Worte: Das iſt mein Leib, noch feſte ſtehen, wider die Schwarmgeiſter.“ Vom Jahr 1527. Werke. Hall. Ausgabe XX, 962—68.) Aufs erſte, daß wir da anheben, da ſie (nem⸗ lich Zwingli und ſeine Anhänger) ſchreiben, Bü⸗ cher machen und vermahnen, man ſolle um dieſer Sache willen die chriſtliche Einigkeit, Liebe und Friede nicht zerreißen, denn es ſei ein gering Ding (ſagen ſie) und ein kleiner Hader, um welches willen die chriſtliche Liebe nicht ſolle gehindert werden; und ſchelten uns, daß wir ſo ſteif und hart darüber halten, und Uneinigkeit machen. Siehe doch da, lieber Menſch, was ſoll man doch ſagen? Es gehet uns wie dem Schaf, das mit dem Wolfe zur Tränke ins Waſſer kam. Der Wolf trat oben, das Schaf trat unten ins Waſ⸗ ſer. Da ſchalt der Wolf das Schaf, es machte ihm das Waſſer trübe. Das Schaf ſprach: Wie ſollte ich dir's trübe machen, ſteheſt du doch über mir, und du machſt mir's trübe? Kurz, das Schaf mußte herhalten, es mußte dem Wolfe das Waſſer trübe gemacht haben. Alſo meine Schwärmer auch, die haben das Feuer augezündet, wie ſie ſelbſt gar herrlich rühmen als eine Wohl— that, und wollen nun die Schuld der Uneinigkeit ſchieben auf uns. Wer hieß Dr. Carlſtadt an⸗ fangen? Wer hieß Zwingli und Oecolampad ſchreiben? Haben ſie es nicht von ihnen ſelbſt ge⸗ than? Wir hätten gerne Friede gehabt und noch; ſie wolltens aber nicht zugeben; nun iſt die Schuld unſer; das iſt recht. Ich wollte aber dennoch gerne, wenn ſolche Schwärmer Gott ja nicht fürchten wollten, daß ſie ſich doch vor den Leuten ein wenig ſchämten, und nicht ſo unverſchämte Lügen ſchrieben. Sie ſagen, daß man ſolle Friede haben, und hören ſelbſt nicht auf, ſolchen Unfrieden zu mehren, wie jedermann ſiehet und höret; iſt auch ihre Freude, je weiter es gehet. Item, ſie ſagen, es ſei eine geringe Sache, und iſt doch jetzt kein Stück, das ſie ſo faſt treiben, ſorgen und anhalten; die an⸗ dern Stücke liegen alle ſtille. Hie werden ſie —3— Märtyrer und Heilige; wer hie nicht mit ſchwärmt, der iſt kein Chriſt, und kann nichts in der Schrift noch im Geiſt; ſo treffliche große Kunſt iſts, wer Brod und Wein ſagen kann; in der Kunſt ar⸗ beitet jetzt der Heilige Geiſt alleine. Es iſt aber in der Wahrheit nichts anders, denn daß unſer der leidige Teufel durch ſie noch dazu ſpottet; als ſollte er ſagen: Ich will in der That alle Unglück und Uneinigkeit anrichten, und darnach das Maul wiſchen und mit Worten ſagen: Ich ſuche und begehre Liebe und Einigkeit; wie der Pſalter auch ſagt: Sie reden vom Frieden mit ihrem Nächſten, aber Böſes haben ſie im Herzen.“) Wohlan, weil ſie denn ſo gar verrucht ſind, und aller Welt ſpotten, will ich eine lutheriſche War— nung dazu thun, und ſage alſo: Verflucht ſei ſolche Liebe und Einigkeit in Abgrund der Hölle, darum, daß ſolche Einigkeit nicht allein die Chriſtenheit jämmerlich zertrennet, ſondern ſie, nach teufliſcher Art, noch zu ſolchem ihrem Jam⸗ mer ſpottet und närret. Nun, ich wills nicht ſo arg auslegen, daß ſie es aus Bosheit thun, ſon⸗ dern durch den Satan alſo verblendet ſind, und machen vielleicht bei ſich ein ſolch Gewiſſen, das ſie beißet, nämlich: Wir haben wahrlich ein groß Aergerniß angerichtet und Feuer angezündet, ſo wollen wirs nun mit Worten kleiſtern und zu⸗ ſtreichen, und fürgeben, Glimpf zu finden, es ſei nicht groß Ding. Und ob wir die Sache verlören, wären wir damit zuvorkommen, daß wir nicht Großes verloren hätten, und ein klein Schändlein eingelegt, und, wie man von Sängern ſagt, wenn ſie fehlen, nur ein Ferkel gemacht. Nein, mir nicht, liebe Herren, des Friedens und der Liebe. Wenn ich Einem Vater und Mutter, Weib und Kind erwürgete und wollt ihn auch dazu würgen, und darnach ſagen: Friede, lieber Freund, wir wollen uns lieb haben; die Sache iſt nicht ſo groß, daß wir darum ſollten uneins werden“; was ſollte er zu mir ſagen? O wie lieb ſollte er mich haben! Alſo die Schwär⸗ mer erwürgen mir Chriſtum, meinen HErrn, und Gott Vater, in ſeinen Worten, dazu meine Mut⸗ ter, die Chriſtenheit, ſammt meinen Brüdein; wollen dazu mich auch todt haben, und ſagen darnach: Ich ſolle Friede haben, ſie wollen der Liebe mit mir pflegen! Ich will aber die Schwär⸗ mer hie aufdecken, daß jedermann ſehe, was für ein Geiſt in ihnen ſteckt, auf daß die, ſo ihnen anhangen, erfahren, wem ſie gläuben und folgen. Das iſt ja öffentlich am Tage, daß wir über den Worten Chriſti vom Abendmahl hadern, und iſt von beiden Theilen bekannt, daß es Chriſti oder Gottes Worte ſind. Das iſt eins. So ſagen wir nun auf unſerm Theil, daß, laut der Worte, Chri⸗ ſtus wahrhaftiger Leib und Blut da ſei, wenn er ſpricht: Nehmet, eſſet, das iſt mein Leib ꝛc. Gläuben und lehren wir in dem unrecht: rathe, was thun wir dann? Wir lügen Gott an, und 9 An dem Beiſpiel der Methodiſten, welche ebenfalls die Zwingliſche Irrlehre vom heiligen Abendmahl verfechten, ſieht man, daß es jetzt noch die Art und Weiſe der Schwär- mer iſt, erſt den Krieg anzufangen, und, wenn man ſich nun gegen ſie wehrt, über Zank und Streitſucht . „Halt predigen, was er nicht geſagt, ſondern das Wider⸗ ſpiel geſagt hat; ſo ſind wir gewiß Gottesläſterer, und Lügner wider den Heiligen Geiſt, Verräther Chriſti, und Mörder und Verführer der Welt. Unſer Widertheil ſagt: Daß eitel Brod und Wein da ſei, nicht der Leib und Blut des HErrn. Gläuben und lehren ſie darin unrecht, ſo läſtern ſie Gott und ſtrafen den Heiligen Geiſt Lügen, verrathen Chriſtum, und verführen die Welt. Ein Theil muß des Teufels und Gottes Feind ſein. Da iſt kein Mittel. Nun ſehe ein jeglicher from⸗ mer Chriſt, ob dieſe Sache geringe ſei, wie ſie ſagen, oder ob mit Gottes Wort zu ſcherzen ſei. Da haſt du die Schwärmer und ihren Geiſt, wie ich oft geſagt habe, daß kein Gottloſer kann Got— tes Wort groß achten. Das beweiſen dieſe Schwärmer auch hiermit redlich, wie ſie die Worte und Werke Chriſti nur für ein menſchlich Geſchwätz halten, wie der Schulzänker Dünkel ſind, welches der Liebe und Einigkeit billig wei⸗ chen ſoll. Aber ein frommer Chriſt hält und weiß, daß Gottes Wort betrifft Gottes Ehre, Geiſt, Chriſtum, Gnade, ewig Leben, Tod, Sünd und alle Ding. Das ſind aber nicht geringe Sachen. Siehe, ſo ſuchen ſie Gottes Ehre, wie ſie allenthalben rühmen. Es hilft ſie auch nicht, daß ſie wollten ſagen: ſie hielten ſonſt allenthalben viel und groß von Gottes Worten und dem ganzen Evangelio, ohne allein in dieſem Stück. Lieber, Gottes Wort iſt Gottes Wort, das darf nicht viel Menkelns. Wer Gott in Einem Worte Lügen ſtraft und läſtert, oder ſpricht: es ſei geringe Ding, daß er geläſtert oder gelügenſtraft werde, der läſtert den ganzen Gott und achtet geringe alle Läſterungen Gottes. Es iſt Ein Gott, der ſich nicht theilen läßt, oder an einem Orte loben, am andern ſchel⸗ ten, an einem Ort ehren, am andern verachten. Die Jüden gläuben dem Alten Teſtament, und weil ſie an Chriſtum nicht gläuben, hilft ſie es nichts. Siehe, die Beſchneidung Abrahä iſt dech nun ein alt todt Ding, und nun nicht noth noch nütze; noch wenn ich wollte ſagen: Gott hätte ſie zu der Zeit nicht geboten, hülfe mich nichts, ob ich gleich dem Evangelio gläubete. Das meint St. Jacobus Cap. 2, 10.: „Wer in Einem anſtößt, der iſt in allen Stücken ſchuldig.“ Wird vielleicht von den Apoſteln gehört haben, daß es muß allen Worten Gottes oder keinem gegläubet ſein; wie⸗ wohl ers auf die Werke des Geſetzes zieht. Was iſts nun Wunder, daß leichtfertige Schwär⸗ mer mit den Worten des Abendmahls nach ihrem Dünkel gaukeln und ebentheuern, weil ſie an die⸗ ſem Stücklein überzeugt werden, daß ſie Gottes Wort und Sache gering achten und unter menſch⸗ liche Liebe ſetzen; gerade als ſollte Gott Menſchen weichen müſſen, und ſein Wort darnach gelten laſſen, darnach die Menſchen darüber eins oder uneins würden? Wie ſoll man nun ſolchen Schwärmern gläuben, daß ſie wohl und recht leh⸗ ren, die öffentlich erfunden worden, daß ſie mit ſolchen Teufelsgedanken umgehen, und ſolch Ding rathen, das zu Gottes Verachtung, Läſterung, Schande, und uns zu ewigem Tod und Verderben reicht, und meinen dennoch, ſie haben wohl daran