# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 09 08_S2 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Chicago folgenden Beſchluß gefaßt: „In der dem Redacteur zu ertheilenden Inſtruction ſoll dem⸗ ſelben empfohlen werden, mehr als bisher die Vorkommniſſe auf dem kirchlichen Gebiete dieſes Landes zu berückſichtigen“; der Lutheraner wird daher von jetzt an mehr kirchliche Nachrichten aufnehmen, als bisher geſchehen, und ſo an Mannigfaltigkeit und Intereſſe gewinnen, aber nach der ausdrücklichen Erklärung der Synode wird das Blatt ſeinen polemiſchen Charakter be⸗ halten. Wir müſſen hiernach freilich gewärtig ſein, daß man uns darum auch ferner der Verdammungs⸗ ſucht beſchuldigen werde, aber wir tröſten uns hierbei des Wortes Chriſti: „Selig ſeid ihr, wenn euch die Menſchen um meinetwillen ſchmähen und verfolgen, und reden allerlei Uebels wider euch, ſo ſie daran lügen. Seid fröhlich und getroſt, es wird euch im Himmel wohl belohnet werden. Denn alſo haben ſie verfolgt die Propheten, die vor euch geweſen ſind.“ Matth. 5, 11. 12. Und deſſen können wir uns allerdings tröſten, denn wir haben uns bisher alles liebloſen Verdammens durch Gottes Gnade gänzlich enthalten und werden es mit demſelben Beiſtande auch ferner. Wir haben Niemanden, geſchweige ganze religiöſe Gemeinſchaften um ihrer Irrthümer willen ver⸗ dammt; ſondern allein ihre Irrthümer ſelbſt widerlegt und verdammt; wir haben klar und deutlich und wiederholt als unſern Glauben aus⸗ geſprochen, daß Kinder Gottes, alſo die Kirche JEſu Chriſti, unter allen Benennungen, die noch das Wort Gottes weſentlich behalten, zu finden ſei. Die öffentlichen Lehrer freilich, die das arme, unerfahrne, in Deutſchland verwahrloste Volk hier verführen und betrügen; die trotz aller Ueber— weiſungen aus Gottes Wort ihre Irrthümer hals⸗ ſtarrig feſthalten, vertheidigen und verbreiten; die ſich nicht fürchten, heilige Lehren und Stiftungen, die ihren Grund in den klaren Ausſprüchen des Wortes Gottes haben, unaufhörlich zu verſpotten und zu verläſtern, und die zu ihrer Vertheidigung mit Lügen und Verleumdungen umgehen: ſolche Menſchen haben wir freilich nicht für wahre Chri⸗ ſten anerkennen können, ſolchen haben wir nicht um gewiſſer Irrthümer, ſondern um ihrer Bos-⸗ heit willen, das Wort Gottes vorhalten müſſen, das ſie verurtheilt. Was haben aber unſere Feinde gethan? Was haben gerade diejenigen gethan, die immer und immer von der Verdammungsſucht der ſogenannten Altlutheraner reden? Sie haben die lutheriſche Kirche immer für die todte und alle diejenigen, welche die Lehren und Gebräuche der⸗ ſelben feſthalten, für unbekehrte, fleiſchliche, un⸗ erleuchtete, unwiedergeborne Menſchen erklärt. Wer zeigt ſich alſo verdammungsſüchtiger, als dieſe Heuchler? Man leſe nur u a. das Me⸗ thodiſtenblatt, den „Apologeten“, ſo kann man dies faſt auf jeder Seite finden. Wer übrigens das, wir möchten ſagen, Unglück hat, mitten unter Methodiſten zu wohnen, der bedarf unſeres Nachweiſes nicht, der wird es gewiß zur Genüge ſchon oft ſelbſt erfahren haben, daß ſich die Metho⸗ diſten wirklich für das Häuflein der Auserwählten, und alle diejenigen, die nicht zu ihnen kommen 2 oder gar ſie tadeln, für ewig verdammt und ver⸗ loren halten.“) So werden wir denn, in Gemeinſchaft mit mehreren theuern Brüdern, getroſt fortfahren dieſes geringe Blättlein dazu zu benutzen, nicht nur der Wahrheit Zeugniß zu geben, ſondern auch, ſo viel uns Gott Gnade gibt, die jetzt herrſchenden Irr— thümer, inſonderheit die, welche in unſere luthe⸗ riſche Kirche einzuſchleichen drohen, aufzudecken und zu bekämpfen, mögen ſie ſich nun in das Kleid des lutheriſchen Namens oder menſchlicher Heiligkeit einhüllen. Dafür haben wir erſtlich Gottes Befehl: „Ein Biſchof ſoll untadelig ſein — und halte ob dem Wort, das gewiß iſt und lehren kann, auf daß er mächtig ſei zu ermahnen durch die heilſame Lehre, und zu ſtrafen die Widerſprecher. Denn es ſind viele freche und unnütze Schwätzer und Verführer, ſonderlich die aus der Beſchneidung, welchen man muß das Maul ſtopfen, die da ganze Häuſer verkehren, und lehren, das da nicht taugt, um ſchändlichen Ge— winnes willen.“ Tit. 1,7 — 11. Ferner: „Sehet euch vor vor den falſchen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen: inwendig aber ſind ſie reißende Wölfe.“ Matth. 7, 15. Ferner: „Ihr Lieben, glaubet nicht einem jeglichen Geiſt, ſondern prüfet die Geiſter, ob ſie aus Gott ſind; denn es ſind viele falſche Propheten ausgegangen in die Welt.“ 1 Joh. 4, 1. Sollen ſich. aber die Chriſten vor ſolchen falſchen Propheten vorſehen und die Geiſter prüfen, ſo haben eben wir Pre⸗ diger die heilige Pflicht, denſelben hierzu behülf— lich zu ſein; als Hirten nicht nur unſere Schafe zu weiden, ſondern für ſie auch gegen die Wölfe zu ſtreiten, und als Wächter auf den Zinnen Zions *) Wir haben hievon in dieſen Tagen ein ſchrecken⸗ erregendes Beiſpiel erlebt. Vor einigen Monaten kam ein erweckter Chriſt hier an, beſuchte die in dieſem County vor kurzem gehaltene methodiſtiſche Campmeeting, und ließ ſich auf derſelben nach längerem ohnmächtigen Widerſtreben auf methodiſtiſche Weiſe bekehren. Jetzt erklärte er die Me— thodiſtengemeinſchaft für die Sammlung der Kinder Gottes aus allen Kirchen, die Gott verlaſſen habe; ſeinen vorigen nichtmethodiſtiſchen Brüdern predigte er Buße und Bekeh⸗ rung; jetzt war er daher auch bei ſeinen Methodiſten ein „lieber Bruder“. Doch was geſchah? Das Gewiſſen des armen Mannes erwachte nach kurzer Betäubung; er ſah ein, daß er ſich ſchrecklich damit verſündigt hatte, das Werk, was Gott ſchon vorher in ſeinem Herzen gehabt hatte, ſich verdächtig machen, und ſich dazu bewegen zu laſſen, es für Menſchen⸗ und Fleiſcheswerk zu erklären. Er ſah ſich ſchändlich betrogen; ſagte in tiefer Reue dem hieſigen Methodiſtenprediger den Handel wieder auf und erklärte ihm, daß er ihn um ſeinen Gnadenſtand betrogen habe, und geht nun, mit Verzweiflung ringend, umher. Gott er⸗ barme ſich ſeiner. Wir haben dies aus ſeinem eigenen Munde. Wir theilen dies mit zur Warnung für alle die⸗ jenigen, in welchen Gott das gute Werk des Glaubens viel⸗ leicht ſchon in Deutſchland angefangen hat, ſich, wenn ſie hieher kommen, wohl vorzuſehen, daß ſie ſich das Ziel nicht verrücken laſſen, nach St. Pauli Ermahnung: „Laſſet euch niemand das Ziel verrücken, der nach eigner Wahl einher⸗ geht in Demuth und Geiſtlichkeit der Engel, deß er nie keins geſehen hat, und iſt ohne Sache aufgeblaſen in ſeinem fleiſchlichen Sinn, und hält ſich nicht an dem Haupt — welche haben einen Schein der Weisheit durch ſelbſt er⸗ wählte Geiſtlichkeit und Demuth.“ ꝛc. (Col. 2, 18—23.) Ferner: „Auf daß wir nicht mehr Kinder ſein, und uns wägen und wiegen laſſen von allerlei Wind der Lehre, durch Schalkheit der Menſchen und Täuſcherei, damit ſie uns er⸗ ſchleichen zu verführen.“ (Epheſ. 4, 14.) nicht nur zu wachen, ſondern auch die nahenden Feinde zu melden. Hierzu haben wir aber auch die Apoſtel und Propheten und Chriſti ſelbſt eigenes Beiſpiel. Wie ernſtlich haben erſtere während ihres ganzen Lebens gegen allerlei Ketzer und falſche Propheten gekämpft, die ihres Herzens Geſichte und nicht aus des HErrn Munde predigten! Man vergleiche u. a. Jer. 23. Heſek. 13 und 34. Ganze Bücher der heiligen Schrift ſind gegen falſche Lehrer ge⸗ ſchrieben; man vergleiche u a den Brief St Pauli an die Galater. Mit welchem Ernſte tritt da St. Paulus gegen die falſchen Lehrer auf! Er ſpricht zweimal: „So auch wir, oder ein Engel vom Himmel euch würde Evangelium predigen anders, denn das wir euch gepredigt haben, der ſei verflucht.“ Cap. 1, 8. Ferner: „Wer euch irre macht, der wird ſein Urtheil tragen, er ſei, wer er wolle Wollte Gott, daß ſie auch ausgerottet würden, die euch verſtören.“ Cap. 5, 10. 12. Im Briefe an die Philipper geht der heilige Apoſtel ſo weit, daß er die falſchen Apoſtel Hunde nennt und ſpricht: „Sehet auf die Hunde, ſehet auf die böſen Arbeiter.“ Cap. 3, 2. Schon zur Zeit der Apoſtel meinte man zwar, es ſei nicht recht, um eines wenigen Abweichens willen von der reinen Lehre, viel Aufhebens zu machen, aber Paulus ruft ſeinen Galatern zu: „Ein wenig Sauerteig verſäuert den ganzen Teig.“ Cap. 5, 9. Mit welchem Eifer übrigens der HErr ſelbſt gegen die falſchen Lehrer geſtritten habe, dies weiß jeder, der die heiligen Evangelien nur ein wenig kennt. Wer wagt es aber, die heiligen Menſchen Gottes, ja den Sohn Gottes ſelbſt der Verdammungsſucht zu beſchul⸗ digen? Mag es daher den Feinden lieb oder leid ſein, wir werden fortfahren, im Kampfe gegen die Verfä ſcher des Wortes Gottes Chriſti und ſeiner Boten Fußſtapfen nachzufolgen. Hierzu dringt uns aber auch die Liebe zu unſern irrenden und verführten Brü— dern. Die heilige Schrift ſtellt uns die falſche Lehre als etwas ſehr Gefährliches und Verderb— liches dar; ſie vergleicht ſie unter anderm einem Krebsgeſchwür; St. Paulus ſpricht von den Re⸗ den der Ketzer: „Ihr Wort frißt um ſich wie der Krebs, unter welchen iſt Hymenäus und Phi⸗ letus.“ 2 Tim. 2, 17. Iſt es daher nicht unſere Pflicht, uns der armen Seelen anzunehmen, die bedroht ſind, mit der Peſt der Irrlehre angeſteckt zu werden, oder bereits davon angeſteckt ſind? Würde es wohl zu einer Reformation gekommen ſein, wenn Luther allein gegen die Sünden und Laſter ſeiner Zeit und nicht auch und zwar vor allem gegen die Verkehrungen des Evangeliums geſtritten und dasſelbe in ſeiner Reinheit und Lauterkeit zu erhalten und den Nachkommen zu vererben geſucht hätte? Wie wollten daher auch wir in dieſen letzten Zeiten es vor Gott ver⸗ antworten, wenn wir dem Strom der tauſenderlei Irrlehren, der jetzt alles zu überſchwemmen droht, nicht entgegenarbeiteten, jetzt gerade, wo alles ruft: Hier iſt Chriſtus! da iſt Chriſtus! Er iſt in der Wüſte! Er iſt in der Kammer! Wo allenthalben falſche Propheten aufſtehen und große Zeichen und Wunder thun, daß verführet werden in den Irr⸗