# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 08 17_S142 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) dem Munde geſchieht, die Weiſe aber geiſt⸗ lich iſt.“ (Ib.) Zum Ueberfluſſe für Herrn Naſt und zu wei⸗ terer Unterrichtung unſerer lieben Leſer über die eigentliche Lehre unſerer Kirche möge hier noch folgendes bündige Zeugniß des gottſeligen Gerhard Platz finden. „Wenn wir beken⸗ nen,“ ſchreibt derſelbe, „daß wir eine wahre, wirkliche (realem) und weſentliche Gegenwart des Leibes und Blutes Chriſti glauben, ſo nehmen wir keineswegs eine Ein— brödung (impanationem), oder Einleibung (incorporationem), oder Con ſubſtantia⸗ tion, oder eine phyſiſche (natürliche) Ein⸗ ſchließung, oder eine locale (Cräumliche) Gegen— wart oder das Verſtecktſein (delitescentiam) eines kleinen Leibes unter dem Brode, oder eine weſentliche Verwandlung des Brodes in den Leib, oder ein fortdauerndes Gebundenſein des Leibes an das Brod außer dem Gebrauch des Abendmahls, oder eine perſönliche Vereinigung des Brodes und Leibes an. Sondern wir glauben, lehren und bekennen, daß nach der Einſetzung Chriſti ſelbſt, auf eine Gott allein bekannte, uus aber unbe⸗ greifliche Weiſe, der Leib Chriſti mit dem Abendmahlsbrode, als mit dem von Gott verordneten Mittel, wahrhaft, wirklich und we— ſentlich gegenwärtig vereinigt werde, damit wir vermittelſt jenes Brodes den wahren Leib Chriſti in dem hohen Geheimniß nehmen und eſſen. Dieſe Gegenwart wird aber erſtens eine ſaeramentliche genannt, nicht weil ſie blos eine ſinnbildliche (schetica) und in äu⸗ ßerlichen Zeichen dargeſtellte (signifieativa) Gegenwart wäre, ſondern weil uns in dieſem Geheimniß etwas himmliſches vermittelſt äuße— rer Symbole mitgetheilt und übergeben wird.“) Sie wird zweiteus eine wahre und wirkli— che Gegenwart genannt, damit die figürliche, bildliche und bloß vorgeſtellte (repraesentativa) Gegenwart ausgeſchloſſen werde; ſie wird drit— ters eine weſentliche Gegenwart genannt, damit die Meinung ausgeſchieden werde von einer in dieſem Geheimniß gegenwärtigen bloßen Kraft (oder Wirkſamkeit, eflicacia) des Leibes Chriſti; ſie wird 4. eine geheimmiß- volle (mystien), übernatürliche und un⸗ begreifliche Gegenwart genannt, weil der Leib (und das Blut) Chriſti in dieſem Geheim— niſſe nicht auf eine Weiſe dieſer Welt, ſondern auf eine gebeimnihvolle, übernatürliche, und unbegreifliche Weiſe da ſind, ausgetheilt und empfangen werden.“ (Siehe: Harmoniae Erangelistarum etc. contin. a J. Gerhardo. Cap. OCLXXI. fol. 784. Ed. Roterod.) Hieraus erſieht der Leſer, daß unſer Herr Naſt auf jeden Fall nicht auf eignen Füßen ſtand, als er der luth. Kirche die Lehre von der Conſubſtantiation zuſchrieb, ſondern daß er dies in übel angewendeter Gutmüthigkeit wahrſcheinlich irgend einem Schalk nachſchrieb. Dies iſt jedoch Herrn Naſt leicht zu verzeihen, da er bekanntlich nach America in unbekehrtem Zuſtande kam und daher natürlich bis dahin keinen Beruf in ſich gefühlt hatte, die lutheri— ſche Dogmatik gründlich zu ſtudiren. Etwas nicht wiſſen, iſt keine Schande (das iſt ja das gemeine Loos der Sterblichen), nur etwas Nö— thiges nicht lernen wollen, iſt ſchimpflich. Das wird aber Herr Naſt gewiß nicht von ſich ſagen laſſen und von nun an inſonderheit die obige ſehr inſtructive Stelle aus Gerhard ſeinem Ge— dächtniß tieſ einprägen. Was nun den zweiten Punet betrifft, nehm— lich die Lehre der Kirchenväter vom heil. Abend— mahl, ſo wollen wir zwar zur Ehre Herrn Naſts *) Dies macht aber eben das Weſen eines Sacraments, wie man Taufe und Abendmahl nennt, aus. 142 gern annehmen, daß er auch hierbei nicht mit eigenen Augen geſehen habe und ſich daher von irgend einem unbekannten Autor, wie von d'Au⸗ bigne, habe irre leiten laſſen, doch können wir ihn hier von bewußter Fälſcherei, die ihm wirk— lich zur zweiten Natur geworden zu ſein ſcheint, bei dem beſten Willen nicht ganz freiſprechen. Erſtlich iſt das offenbar eine unehrliche Kriegs— liſt, deren ſich Herr Naſt bedient, wenn er, ehe er die Stellen der Kirchenväter vorführt, den Grundſatz aufſtellt, „daß die Kirchenväter in einem mit poetiſchen Bildern überladenen Styl ſchrieben; und daß ihre Rhetorik zum großen Theil in Hyperbeln beſtanden“ habe. Damit ſucht er ſeinen Leſern Sand in die Augen zu ſtreuen, daß ſie, wenn ſie die lutheriſche Lehre vom heil. Abendmahl in den Kirchenvätern fin— den würden, immer denken ſollten: das iſt ein Bild, das iſt eine Hyperbel (eine Uebertrei— bung.) Ein verſtändiger Menſch weiß freilich, daß es nicht genug iſt zu ſagen, dieſer Autor iſt bilderreich, und daß darum nicht alle ſeine Worte lauter Bilder ſind, ſondern daß es ge— wiſſe Regeln gibt, nach welchen entſchieden werden muß, wo ein Autor ſich einer bildlichen und wo er ſich der eigentlichen Redeweiſe be— dient. Herr Naſt verfährt aber hier mit den Kirchenvätern, wie die Rationaliſten mit der Bibel. Dieſe wiſſen auch dadurch, daß ſie viel von der orientaliſchen Bilderſprache der Schrift reden, die wichtigſten Lehren der Schrift, wie die von der Verſöhnung, vom Teufel u. ſ. w., meiſterlich aus der Schrift hinauszuzaubern. Wahrſcheinlich hängt's Herrn Naſten noch aus der Zeit ſeines Unglaubens an, ſolche Schleich— wege zu gehen. Dies mildert zwar ſeine Schuld ein wenig, denn eingewurzelte Krankheiten verſchwinden nicht ſo plötzlich, doch ſollte we— nigſtens von min an Herr Naſt über ſich mehr wachen, daß er nicht in das alte Weſen zurück— falle, da ſich dies am wenigſten für einen neuen Neligionsſtifter ziemt. Eine zweite Flauſe, auf die wir Herrn Naſt aufmerkſam machen müſſen, iſt, daß er ſagt, er wolle „Stellen anführen, welche bewieſen, daß die erſte Kirche . . . Brod und Wein blos für Symbole, Wahrzeichen und Siegel der Erlö— ſung durch Chriſti Tod anſah,“ während er auch nicht Eine Stelle anführt, in welcher ein Kir— chenvater behauptet, daß die irdiſchen Elemente im heil. Sacrament bloße Symbole oder Zeichen ſeien. Wir müſſen geſtehen, das iſt wieder ein ſo ſtarkes Stück von Fälſcherei, daß wir verſucht werden, Herrn Naſt dafür hart zu züchtigen. Es ſei jedoch genug, demſelben hier— mit zu erklären, daß die ganze Reihe ſeiner Citate aus den Kirchenväternm nichts, gar nichts für die reformirte und gegen die lutheriſche Lehre vom heil. Abendmahl beweiſt, da der Streit nicht dieſer iſt, ob Brod und Wein im heil. Abendmahl Zeich en ſind, ſondern ob ſie bloße Zeichen ſind. Das erſtere behaupten auch die Lutheraner, wie Herr Naſt aus dem kleinen alten Würtenbergiſchen Katechismus leicht erſehen kann, aber das letztere leugnen wir. Wir behaupten, wie die Taube, welche über dem Haupte Chriſti im Jordan ſchwebte, ein Zeichen des heil. Geiſtes war, wie aber der heil. Geiſt auch wirklich unter dieſem Zeichen gegenwärtig war, ſo daß man, auf die Taube hiuweiſend, ſagen konnte, „das iſt der heil. Geiſt;“ ſo ſind zwar auch Brod und Wein im heil. Abendmahl Zeichen, Sinnbilder, Sym-— bole ꝛc., aber nicht bloße, leere Zeichen, ſon— dern der Leib und das Blut Chriſti ſind wirk— lich unter dieſen Zeichen gegenwärtig, denn der HErr, der nicht lügt, wie gewiſſe Leute, hat geſagt: „Das iſt mein Leib, das iſt mein Blut.“ Wäre Herr Naſt mit den Regeln der Ans— legung eines Schriftſtellers vertraut, ſo würde er nicht ſolche Thorheiten, wie die vorliegenden, begangen und den Schluß gezogen haben, die Kirchenväter nennen die Elemente Zeichen, alſo ſind ſie bloße Zeichen. Das folgtkei⸗ nesweges. Man merke: ſagt ein Schriftſtel⸗ ler von einer Sache an einer Stelle etwas Ge⸗ ringes und an einer andern Stelle etwas Wich— tiges, ſo iſt das nicht der rechte Ausleger, der nun das Wichtige von dem Geringen abzieht, ſondern der beides zuſammennimmt und darin fud Ganze der Lehre ſeines Schriftſtellers ndet. Wir haben nun unſern Leſern den rechten Schlüſſel zum Verſtändniß der Kirchenväter gegeben, wir achten es daher nicht für nöthig, Herrn Naſts angebliche Belege einzeln vorzu⸗ nehmen. Das von uns Bemerkte im Auge behaltend, wird nun hoffentlich ein jeder, auch ohne unſere fernere Beihülfe leicht die Winkel— züge durchſchauen, welche der Apologet macht, um ſeine Leſer irre zu führen. Nur das wol— len wir noch erwähnen, daß ſelbſt der berühmte unirte Profeſſor Neander in Berlin, ob⸗ gleich er der lutheriſchen Lehre durchaus nicht hold iſt, doch von Tertullian, der noch am mei— ſten zwingliſch zu lehren ſcheint, eingeſte⸗ hen muß, daß derſelbe „ſchwerlich dazu fähig geweſen, das Zeichen als bloßes Zeichen der göttlichen Sache zu betrachten.“ (Siehe Antignoſtikus, I. e. S. 519.) Dieſes Zuge— ſtändniß muß für Herrn Naſt von beſonderem Gewichte ſein, da ſich derſelbe gerade auf Neander in der Lehre vom heil. Abendmahl berufen hat. Beiläufig müſſen wir den „Apologeten“ zu ſeiner Selbſterkenntniß noch auf eine Verfäl— ſchung aufmerkſam machen, die ſich derſelbe wieder in der angezogenen Nummer erlaubt hat. Wir hatten nehmlich zwei ſchlagende Beweisſtellen aus Ignatius angeführt. Was thut aber der „Apologet“? Die erſte ſucht er auf eine lahme Weiſe zu entkräften, hingegen über die zweite Stelle, die durchaus keine Ver— drehung zuläßt, geht er trockenen Fußes hin— weg, und dennoch fährt er mit den Worten fort: „Das nächſtee Zeugniß, das der „Lutheraner“ anführt, iſt von Juſtinus Mar— tyr.“ Wie, Herr Naſt, das iſt das nächſte? Sehen Sie doch nach! Haben Sie die amere Stelle aus dem Ignatius nicht gefunden: „Es iſt Ein Fleiſch unſers HErrn JEſu Chriſti und Ein Kelch in der Vereinigung mit ſeinem Blut“? Eine ſolche Stelle übergeht man natürlich lieber, als daß man vergeblich verſucht, ſie auf gut Zwingliſch zu deuten. Da wir aber im Begriff ſind, auf die Con— ferenz zu reiſen, ſo müſſen wir es verſchieben, aus den von Herrn Naſt angeführten Kirchen— vätern ſolche Stellen mitzutheilen, welche es unwiderſprechlich beweiſen, daß dieſelben die Elemente nicht für leere Zeichen, ſondern für die Träger des Leib's und Bilutes IEſu Chriſti gehalten haben. (Eingeſandt.) Methodismus. Nicht weit von unſerer jetzigen Kirche liegt eine andere ältere, deren Eigenthümer, der Mehrzahl nach, Glieder der evgl.-lutheriſchen Gemeinde von Neumelle ſind. In jene Kirche ſchlichen ſich die Methodiſten, ohne unſere Ge⸗ meinde vorher um Erlanbniß zu fragen, und hielten Gottesdienſt darin. Da unſere Ge— meinde nun das Gebot des HErrn: „Hütet euch vor den falſchen Propheten!“ erfüllen mußte, ſo beauftragte ſie ihre Vorſteher, jene Kirche zu verſchließen und ein Schreiben an