# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 08 17_S141 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Der Tutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 3. St. Louis, Mo., den 24. Auguſt 18⁴7. No. 26. Bedingungen: Der Lntheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. (Eingeſandt.) Gott mit uns! Dennoch bleibt bei ſeinem Heere Unſer ſtarker Siegesheld, Und ſein Wort die rechte Lehre, Die zuletzt den Preis behätt; Dennoch muß der Glaube ſiegen, Der dem Worte traut allein, Und der Drache muß erliegen In der tiefſten Höllenpein. Mögzen alle Teufel ſpotten Wider Gottes ein'gen Sohn, Mögen alle Schwärmer-Rotten Sprechen dem Geſalbten Hohn, Ja! wenn ſich die Welt verbindet Wider Gottes Kinderſchaar: Zion bleibet feſt gegründet, Zion bleibet immerdar. Mögen ſie uns giftig ſchmähen, Wir ertragen jeden Spott; Wenn ſie Gottes Wort verdrehen, Das erträgt nicht unſer Gott: Er wird die Verführer ſtrafen, Die ihr eignes Herz verſtockt, Und ſo viel' von ſeinen Schafen Ins Verderben fortgelockt. Ja! es ſind die letzten Zeiten, Schon beginnt das letzte Weh'. Laßt uns beten, wachen, ſtreiten, Daß des HErren Will geſcheh, Bis wir Chriſtum kommen ſehen Herrlich mit Poſaunenſchall, Daß wir mögen vor ihm ſtehen Selig mit den Heil'gen all. Komm, HErr JEſu! ſieh die Deinen, Von der ganzen Welt gehaßt. Ach! erhöre unſer Weinen, Ach, erleichtre unfre Laſt. Doch du mußt ja überwinden, Dir ſei ewig Preis und Ruhm. Komm, HErr IEſu! laß uns finden Ruh' in deinem Heiligthum. Hermann Fick. Die lutheriſche Kirche und die Kirchen⸗ väter vom h. Abendmahl. Zur Antwort auf einen Aufſatz Herrn Naſts. Herr Naſt hatte, wie wir bereits in der vori— gen Nummer erwähnt haben, verſprochen, uns beſſer mit den Kirchenvätern bekannt machen zu wollen, als wir es in Leipzig geworden ſeien. In der 447. Nummer des Apologeten hat auch wirklich Hr. Naſt dieſe ſeine Luſt, uns zu belehren, gebüßt. Er theilt nehmlich darin einen Aufſatz mit, unter dem Titel: „Zur Be— lehrung des . Walther.“ Ob aber damit wirk— lich der Ruf großer Gelehrſamkeit, in den ſich Herr Naſt dadurch zu ſetzen gedachte, begründet worden ſei und ob er damit der Univerſität zu Leipzig die Palme wirklich entriſſen und ſie der methodiſtiſchen Gelehrtengeſellſchaft zu Cincin— nati erkämpft habe, das wird ſich in dem Fol— genden zeigen. Die erſte Behauptung, welche Herr Naſt thut, um zu erweiſen, daß die Kirchenväter vom h. Abendmahl nicht lutheriſch gelehrt haben, iſt, daß ſie „weder die römiſche Transſubſtantiation noch die lutheriſche Conſubſtantiation“ gelehrt hätten. So ſehr es nun Herrn Naſts Ruf als eines Gelehrten gefährdet, ſo müſſen wir doch ſogleich hierbei um der Wahrheit willen erklären, daß Herr Naſt leider ſelbſt die luthe— riſche Lehre vom heil. Abendmahle noch nicht kennt, und daß daher ſein ganzer Kampf gegen ein Phantom gerichtet iſt, bei welchem Kampfe freilich unmöglich Ehre einzulegen war, ſelbſt wenn Herr Naſt dabei noch ſo großen Scharf— ſinn entwickelte und noch ſo große Gelehrſam— keit ſehen ließe. Herr Naſt, der, wie wir geſe— hen haben, ſeine Artikel aus dem Reiche der Wiſſenſchaften immer erſt aus der zweiten und dritten Hand zu beziehen pflegt, muß nehmlich auch in Betreff der luth. Lehre vom h. Abend— mahl unglücklicher Weiſe etwa über ein refor— mirtes Buch gekommen ſein, worin der luth. Kirche die Lehre von einer „Conſubſtantiation“ zugeſchrieben wurde. Zwar iſt es nun eigentlich nicht ſchicklich, daß der Schüler ſeinen Lehrer belehren will, aber in einem Falle, wie der gegenwärtige, hoffen wir Verzeihung, wenn wir hier die Wahrheit der Schicklichkeit vorziehen. So wiſſe denn Herr Naſt, daß die Lehre von einer Conſubſtantiation (oder wie ein gelehrter Me— thodiſt vor einiger Zeit im Apologeten ſchrieb, von einer Contransſubſtantiation!!) von der lutheriſchen Kirche nicht angenommen, ſondern ausdrücklich als eine durchaus unbibli— ſche Lehre ſtets verworfen worden iſt. Wenn nehmlich die Trausſubſtantiation, welche die römiſche Kirche lehrt, ſo viel heißt, als die Ver⸗ wandlung, vermöge welcher Brod und Wein ihr Weſen verlieren und Leib und Blut Chriſti werden, bedeutet hingegen Conſubſtantia⸗ tion eine ſolche Veränderung, vermöge wel— cher zwei Weſen zu einem neuen Doppelweſen in einander gemiſcht werden, ſo daß Brod mit dem Leibe und der Wein mit dem Blute Chriſti im h. Abendmahl etwa ſo vereinigt wären, wie das Waſſer mit dem Weine, wenn letzterer in das erſte gethan wird.“) Dieſe grobe, eckel⸗ hafte, das allerheiligſte Geheimniß der ſaera— mentlichen Gegenwart Chriſti im heil. Abend— mahl in das Fleiſchliche herabziehende, caper⸗ naitiſche Vorſtellung iſt der luth. Kirche, weit entfernt, daß ſie ſie je hätte lehren ſollen, ſtets ein Greuel geweſen. Unter andern heißt es in der Formula Concordiae: „Sie (die Luthera— ner) bekennen, lauts der Worte Irenäi, daß in dieſem Sacrament zwei Dinge ſeien, ein himm⸗ liſch und ein irdiſch, demnach halten und lehren ſie, daß mit dem Brod und Wein wahrhaftig und weſentlich zugegen ſei, gereichet und em— pfangen werde der Leib und das Blut Chriſti, und wiewohl ſie keine Transſubſtantiation, d. i. eine weſentliche Verwandlung Brods und Wei⸗ nes in den Leib und Blut Chriſti gläuben, auch nicht halten, daß der Leib und Blut Chriſti localiter d. i. räumlich in's Brod eingeſchloſſen oder ſonſt beharrlich damit vereinigt werde, außer der Nießung des Saeraments, doch ſo laſſen ſie zu, daß durch ſacramentliche Einigkeit das Brod ſei der Leib Chriſti.“+) (Wiederholung. Art. 7.) Ferner heißt es daſelbſt: „Wenn aber Dr. Lu⸗ ther oder wir dies Wort, geiſthich, in dieſem Handel gebrauchen, verſtehen wir dadurch die geiſtliche übernatürliche, himmliſche Weiſe, nach welcher Chriſtus bei dem h. Abendmahl gegen— wärtig, nicht allein in den Gläubigen Troſt und Leben, ſondern auch in den Unglänbigen das Gericht wirket, dadurch wir die capernaitiſchen Gedanken von der groben fleiſchlichen Gegen— wärtigkeit verwerfen, welche unſeren Kirchen durch die Sacramentirer, über alles unſer öffentlich vielfältig Bezeugen, zugemeſſen und aufgedrungen wird, in welchem Verſtande wir auch reden, daß der Leib und Blut Chriſti im h. Abendmahl geiſtlich empfangen, geſſen nnd getrunken werde, obwohl ſolche Nießung mit *“) Andere bedienen ſich hier des Vergleichs mit artocreas. 1) Dieſe Worte ſind in die Concordienformel aus der Wit⸗ tenberger Concordia von 1536 aufgenommen.