# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 08 03_S140 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) nicht gelähmt werden ſoll, wenn man einen Ton, wie den andern ſingen will. Denſelben fatalen Eindruck, den eine Rede auf uns ma— chen würde, in welcher alle Worte gleich ſchnell oder gleich langſam ausgeſprochen würden, müßte nothwendig auch auf ein zartes, unver⸗ wöhntes und unverdorbenes Ohr der Choral machen, in welchem alle Töne gleiche Zeitdaner hätten, wie es heutiges Tages durchgängig ge— ſchieht. Der Rhythmus iſt nicht nur in der weltlichen Melodie etwas naturgemäßes, ſon— dern auch in der geiſtlichen, und darum ſtehen die älteren Kirchenmelodien weit über den heu— tigen. Man wendet vielleicht ein, daß durch den rhythmiſchen Geſang der Choral an Würde und Feierlichkeit verliere; allein dieſer Ein— wurf beweiſt weiter nichts, als daß der, welcher ihn macht, noch nie oder doch nicht recht das rhythmiſche geiſtliche Singen verſucht hat. Man mache daher nur einen Verſuch. Man vergleiche nur einmal die unveränderten Kir— chenmelodien mit den veränderten. Man ſinge nur einmal die alten rhythmiſchen Melodien, oder laſſe ſich dieſelben vorſin— gen und halte mit ſeinem Urtheil ſo lange zurück, bis man dies etliche Male pro— birt hat, gewiß, es wird nicht fehlen, daß man unbedenklich denſelben den Vorzug einräumt, und über deren Friſche, Lebendigkeit, Kraft und Herzlichkeit alle Luſt und Gefallen an un⸗ ſerer dermaligen, langweiligen, ſchläferigen, ſchleppenden und den Charakter der meiſten Lieder verwiſchenden und verlängnenden geiſt⸗ lichen Singweiſe verlieren wird. Und eben die Abſchaffung dieſer alten Melo⸗ dien und die geſchmackloſe Veränderung der-— ſelben war es hauptſächlich, die dem Volke alle Luſt zum geiſtlichen Geſange nahm, und den— ſelben aus den Häuſern verbannte. Die Lie— der veränderung und die Melodien verän⸗ derungen gingen in der ſchmachvollen Zeit des Unglaubens Hand in Hand. Da man an den urſprünglich ſchönen alten Liedern keinen Ge— fallen mehr finden konnte, und ſie darum ver⸗ lachte, und ihrer Kraft und Salbung beraubte, ſo konnte es einem auch in den Singweiſen der Väter nicht mehr wohl ſein und dieſe mußten natürlich ſich dieſelbe Beraubung gefallen laſ— ſen. Wie hätte auch ſonſt der alte Lappen auf das neue Kleid gepaßt! Was man aber her— beigeführt hatte, liegt am Tage. Denn das geiſtliche Lied iſt aus dem Volkslied hervor— gegangen,) und weil dem erſteren das Ge⸗ präge des letzteren genommen wurde, ſo lang⸗ weilte ſich das Volk bei dem es nicht anſprechen⸗ den neuen geiſtlichen Geſang, griff, weil es nichts anderes hatte, nach rein weltlichen und dem Texte nach meiſt unchriſtlichen Liedern, und der Familiengeſang fiel dahin und dies führte nothwendig auch den heutigen Tages ſo mangelhaften Geſang in den Gottesdienſteu herbei. Bei dem wieder erwachten Leben in der lu— theriſchen Kirche Deutſchlands und dem mehr *) Z. B. die ſchöne, liebliche und allbekannte Melodie: „O Welt ich muß dich laſſen“ ꝛc. oder: „Nun ruhen alle Wälder“ ꝛc., von der Mozart geſagt hat, daß er gerne um dieſelbe ſeine beſte Compoſitlon geben wollte, — iſt ganz einem alten Volkslied entnommen. 140 und mehr wachſenden Wohlgefallen an den alten kräftigen Liedern der Kirche iſt es darum recht erfreulich, daß mit der Rückkehr zu den alten Liedern auch die Rückkehr zu den al— ten Melodien ſich vereinigt. Das bewei— ſen die hymnologiſchen Werke eines von Tucher, Layriz, Ortlop u. A., ſowie die hie und da be— gonnene Einführung alter Melodien. Es wäre demnach ſehr zu wünſchen, daß unſere americaniſch-lutheriſche Kirche auch in dieſer Beziehung ſich ihrer ungeſchmälerten Freiheit bediente, und mit den alten Melodien unſerer Kirche ſich nach und nach wieder befreundete, und da von den theuern Herrn Herausgebern des neu erſchienenen und von der luth. Ge— meinde zu St. Louis verlegten lutheriſchen Kirchengeſangbuches auch ein Melodienbüch— lein verſprochen wurde, ſo wagt Schreiber die— ſes die beſcheidene Frage, ob nicht hierbei einige Rückſicht auf den rhythmiſchen Geſang genommen werden könnte, etwa ſo, daß jede Melodie oder jede Hauptmelodie doppelt auf⸗ genommen würde, und zwar in ihrer urſprüng— lichen und in ihrer jetzigen Geſtalt. Auf dieſe Weiſe würde das Büchlein ſowohl für die Freunde des jetzigen, als auch für die Freunde des früheren Kirchengeſangs brauchbar ſein und die an die Hand gegebene Vergleichung der gegenwärtigen mit den urſprünglichen Melo— dien würde den Unterſchied beider recht klar und kenntlich machen und das Intereſſe an den letzteren hie und da erwecken und befördern. Möchte der HErr uns in den Liedern und Geſängen der heil. Kirche wieder recht heimiſch werden laſſen und uns immer mehr zu erken— nen geben, was für Schätze in Lied und Melo— die von den Vätern auf uns ſich vererbt haben. Möchte die deutſche Zunge auch in dieſem neuen Vaterlande den Ruhm ſich nicht nehmen laſſen, daß ſie es beſonders verſtehe: „Gott im Himmel Lieder zu ſingen.“ Möchte aber auch einmal ein Sachverſtäudiger und warmer Freund der alten Kirchenmelodien denſelben beſſer und gründlicher das Wort reden, als es hier geſchehen iſt. Denn wahrlich, die Weiſe des Geſangs unſerer Väter iſt des Nachfor— ſchens und Redens und Anpreiſens werth. Das luſterne Maͤuschen. * Eine Fabel. * Waruu — ſo ſagte eine junge Maus zur alten —warum ſoll ich den köſtlichen Speck nicht eſſen? Ich weiß wohl — fuhr das altkluge Mäuslein fort, — daß man ſich vor Gift hüten ſoll; aber der Speck dort iſt nicht vergiftet. Ich habe ihn ſehr ſorgfältig unterſucht und bin überzeugt, daß er nicht nur unſchädlich, ſondern auch eine rechte Herzſtärkung ſei. Geſetzt auch, erwiederte das erfahrne Müt⸗ terlein, der Speck dort wäre unſchädlich, er liegt aber — in der Falle! Lehre: Es mag ſein, lieber Leſer, daß auch die Secten, z. B. die Methodiſten, man⸗ ches Gute haben, aber laß dich dadurch nicht verlocken —das iſt der Speck in der Falle. M. ö Berr Naſt macht uns das Anerbieten, wenn wir ſeine in einer gewiſſen Nummer des Apologeten erſchie⸗ nene Darlegung der Lehre vom heil. Abend⸗ mahl im Lutheraner abdrucken würden, ſo wolle er unſere Widerlegung derſelben in ſeinem Apologeten aufnehmen. Wir nehmen dieſes Anerbieten mit großer Freude an und bitten nur hierdurch Herrn Naſt, uns die betreffende Nummer noch einmal zuzuſchicken, da ſelbige uns abhanden gekommen iſt. Rirchliche Nachricht. So eben erfahren wir, daß aus Franken eine Geſellſchaft von einigen 20 Familien ange⸗ kommen iſt, die ſich im Staate Michigan etwa acht Meilen von Frankenmut angekauft hat, und daſelbſt eine kleine lutheriſche Gemeinde bilden wird. Dieſelbe hat den mit ihr ausge⸗ wanderten Candidaten Joh. H. Ph. Gräbner zu ihrem Seelſorger berufen, und beabſichtiget, dem Verband der deutſch. ev. luth. Synode von Miſſouri u. ſ. w. beizutreten. Die deutſche evang. ⸗luth. Synode von Indianapolis wird ihre nächſte Sitzung halten in der Deutſchen ev.⸗ luth. Zions⸗Kirche, Franklin County, Indiana, am dritten Donnerstag im September dieſes Jahres. J. G. Kunz, Schreiber. In Fort Wayne ſind zu haben: 1. M. Veit Dietrichs Hauspoſtille in Pre— digten über alle Sonn- und Feſttags⸗Evange⸗ lien, das Exemplar in marmorirtes Leder ſau⸗ ber gebunden $1,75. 2. Dr. Nic. Hunnius: Gründliche und all⸗ gemein faßliche Darlegung der Glaubenslehre der evangeliſch-lutheriſchen Kirche, das Exem⸗ plar in marmorirtes Leder ſauber gebunden 62½ Cts. Dr. W. Sihler, luth. Paſtor in Fort Wayne, Ind. Quittung · Für die lutheriſche Heidenmiſſion am Fluſſe Cass, Michi⸗ gan, hat der Unterzeichnete erhalten: 1. Von der luth. Gemeinde in Neudettelsau, Ohio, $6,00. 2. „ „Monroe, Michigan, $27,53. . 3. . 3. Von derſelben „ „ „ ·. $5,00. 4. Von dem Nürnberger Central⸗Verein $346,21. Summa: $384,74. roe, Mich., einige Kleidungsſtücke und drei Bündel geſponnene Schafwolle für die in Erziehung und Unterricht genommenen Heidenkinder gegeben worden. Wilh. Hattſtädt, luth. Paſtor in Monroe, d. Z. Caſſirer für die luth. Heidenmiſſion am Fluſſe Cass, Michigan. Bezahlt: 1. Hälfte des 3. Jahrg. Hr. Krudup. 2. „ „3. „ die Herren Briegel, J. Drege, Eck⸗ hardt, Einwächter, J. Koch, F. Prutz, H. Spörl, Weck⸗ eſſer, Ad. Weydemeyer. 3. Jahrg. die Herren J. Conrad, Paſt. A. Conradi, Hüls⸗ kötter, Paſt. Hattſtädt (2 Ex.), Cand. rev. m. Leh- mann, Walther. 4. Jahrg. die Herren Cand. rev. m. Lehmann und G. Retterer. Bis No. 7 4. Jahrg. Hr. Paſt. Joh. Iſenſet. Erhalten für die luther. Hridenmiſſion am Fluſſe Cass, Mich., von der durch Paſt. Wyneken bedienten Gemeinde in Baltimore, Md., §15.50. und von Hrn. U. in S. 81.00. Gedruckt bei Arthur Olsbauſen, Herausgrber des Anzeigers des Weſtens. Außerdem ſind von mehreren Miſſions-Freunden in Mon⸗ ‚