# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 08 03_S138 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) theil mit Stellen aus den erſten nachapoſtoli⸗ ſchen kirchlichen Schriftſtellern. Wollte ſich nun Hr. Naſt rechtfertigen, ſo war natürlich ſeine Aufgabe, zu zeigen, daß unſere Belege das nicht bewieſen, was ſie beweiſen ſollten. Was thut aber Herr Naſt? Um ſeine Lehre von unſeren in die Augen leuchtenden Beweiſen abzulenken, ſucht er durch eine geſchickte, aber unehrliche Wendung auf ein ganz anderes Kapitel zu kommen. Er hält uns nämlich plötzlich in ſcheinbarem Ernſte eine Vorleſung darüber, daß man ſeinen Glauben nicht auf die Kirchenväter, ſondern auf die Bibel gründen ſolle, und ſteckt uns ſo, wie gewiſſe Leute, das, was ihn ſelbſt hätte verrathen können, in unſere Taſche, in der Hoffnung, daß nie— mand den Handgriff merken werde. Wer den Methodiſten ſolche Filouterieen nicht zutrauen zu können meint, der leſe die 446. No. des Apologeten ſelbſt, und er wird's finden. Aber, wird man ſagen, wie war es möglich, daß Herr Naſt uns beſchuldigen konnte, daß wir unſern Glauben auf die Kirchenväter und nicht auf die Schrift gründeten, da wir ja ſelbſt gerade in jenem Aufſatz dies ſo entſchieden ver— worfen haben? Dieſes Meiſterſtück in der Po⸗ lemik brachte Hr. N. dadurch zu Wege, daß er eben noch einmal das ſchon oft probat gefun— dene Mittel der Berichtsverfälſchung anwen⸗ dete. Er erzählt nehmlich ſeinen Leſern ganz richtig unſer aufrichtiges und demüthiges Ge— ſtändniß, daß wir in der Zeit unſerer erſten Erweckung uns leider auch wie die Methodiſten nicht auf die klaren Worte Chriſti allein ver⸗ laſſen wollten und uns damals auch nach den zerbrechlichen Stützen des Zeugniſſes der apo⸗ ſtoliſchen Väter umgeſehen haben. Aber die Hauptſache läßt Hr. Naſt, als ein geübter Fal⸗ ſarius, weg, nehmlich, daß wir ſelbſt hierbei geſchrieben haben: „Wir müſſen leider hier ſelbſt zu unſerer Schande bekennen“ ꝛc.; „Später wurde es uns offenbar, wie frevelhaft wir gehandelt hatten.“ Dieſes weglaſſend, zieht er nun gegen uns vor ſeinen argloſen Leſern als gegen einen Mann zu Felde, der ihm habe einſtreiten wollen, man müſſe ſeinen Glauben nicht auf die Bibel, ſondern auf die Kirchenväter gründen; während wir nur dar— um der Kirchenväter Erwähnung gethan hatten, weil die Methodiſten ſich fälſchlich auf ſie hatten berufen und gründen wollen! Will nun Hr. Naſt auf einen ehrlichen Namen fer⸗ nerhin Anſpruch machen, ſo geſtehe er ſein Falſum, und wir wollen ſeiner Sünde, zu der er ſich vielleicht nur in der höchſten Verlegen⸗ heit verführen ließ, nie wieder gedenken. Wir gehen nun zu demjenigen Theil der Antwort Hrn. Naſt's über, in welchem er zu erweiſen ſucht, daß Luther wirklich in Marburg keinen Kirchenvater haben nennen können, der in der Lehre vom heil. Abendmahl auf ſei⸗ ner Seite ſtünde. Bei dieſem Gegenſtande angekommen, ſcheint Hr. Naſt wieder Luft geſchöpft zu haben, nachdem ihm der vorge— nannte wohl manchen Schweißtropfen ausge⸗ preßt haben mochte. Wir hatten nehmlich den Methodiſten zuge⸗ 138 geben, daß es ihnen freilich an einer gründ— lichen Einſicht in die Geſchichte der Reforma— tion fehle, daher es kein Wunder ſei, wenn ſie irre gingen, ſo oft ſie ſich dahin verſtiegen. Mit ſichtlich triumphirendem Herzen ſchreibt hierauf Herr Naſt: „Glücklicherweiſe hat in unſern Tagen ein frommer und gelehrter Theo— loge, d'Aubigne, eine Geſchichte der Reforma— tion geſchrieben,“ und dieſe habe er auch ſchon vor einem Jahre geleſen. Hieranf theilt nun Herr Naſt die Geſchichte des Marburger Col⸗— loquiums mit; und richtig — da ſteckts! — da findet ſich mit runden Worten, was die Metho— diſten geſchrieben hatten. Denn das wollen wir gar nicht in Anſchlag bringen, daß die letzteren behaupten, Luther habe keinen Kirchenvater nennen können, während die Quelle ihrer hiſtoriſchen Wiſſenſchaften ſagt, er habe kei— nen nennen wollen; eine ſolche kleine Ver— fälſchung iſt natürlich den gewiſſenhafteu Me— thodiſten eine Mücke, die ſie ſich von keinem „unbekehrten“ Lutheraner zu einem Kameele machen laſſen. Abgeſehen davon, daß die Methodiſten ſelbſt den Bericht ihres eigenen Gewährmannes ver— fälſcht haben, ſo wird uns gewiß niemand ver— denken, wenn wir vor allem Antwort auf die Frage ſuchen: Welchen Glauben verdient wohl der Franzoſe d'Aubigne in Betreff ſeiner ſo viel geprieſenen und ſo allgemein verbreiteten Reformationsgeſchichte? Wir antworten: — nicht den mindeſten. Und zwar hoffen wir zur Erweiſung dieſes allerdings harten Vorwurfs, bei welchem ſich alle Unioniſten heimlich bekreu— zigen werden, unſern Leſern bald eine vollſtän⸗ dige Kritik ſeines ganzen Werkes vorlegen zu können; damit aber die Leſer nicht Verdacht ſchöpfen, wir ſuchten, da wir doch gewiß auch etwas in unſerm Verkehr mit den Methodiſten gelernt haben würden, in dem Verſprechen einer ſpätern Kritik jenes Werkes nur eine Aus-— flucht, ſo wollen wir es an dem, was uns Herr Naſt auszüglich vorgelegt hat, als an einem Beiſpiele, zeigen, welchen Glauben Herr d'Au⸗ bigne verdient, trotz ſeiner angeblichen belegen— den Citate aus den Quellen. Unter andern hat Herr Naſt folgenden Paſ⸗ ſus aus dem genannten Werke abdrucken laſſen: „Es war in der That nun kein Grund mehr vorhanden, die Conferenz mehr hinaus— zuziehen. „„Luther, in dieſer Sache un-⸗ beugſam und gebieteriſch,““ wie ſein großer Lobredner, der lutheriſche Ge— ſchichtsſchreiber Seckendorf, ſelbſt ſagt: (Lu- therus vero, ut erat fero et imperioso inge⸗ nio. Seck. p. 136.), „„blieb darauf ſtehen, daß die Schweizer ſich ſeiner Meinung ge⸗ radezu unterwerfen ſollten.““ Hier ſucht Herr d'Aubigne uns Lutheraner mit unſern eigenen Waffen zu ſchlagen, indem er ſagt, ſelbſt ein Seckendorf, dieſer große Ver⸗ theidiger Luthers und ſeiner Werke, hat es müſſen geſtehen, Luther ſei ein Mann von ei⸗ nem „unbeugſamen“ (kero d. i. wilden, unbän⸗ digen) „und gebieteriſchen (imperioso d. i. herrſchſüchtigen) Sinne“ geweſen, der nur ſeine „Meinung“ rechthaberiſch habe durchſetzen wollen. Was wollen wir armen Lutheraner nun ſagen, wenn ein Seckendorf, dem alle die wichtigſten, die Reformationsgeſchichte be— treffenden, Originaldocumente zur Einſicht of— fen geſtanden haben, ſolche Zugeſtändniſſe ma⸗ chen mußte? Mit dieſem einzigen Citate hat Hr. d'Aubigne offenbar allen Lutheranern das Maul geſtopft, die noch behaupten wollten, Lu⸗ ther habe auch in ſeinem Kampfe gegen Zwingli ein gutes Gewiſſen gehabt und nicht ſeine, ſon⸗ dern Gottes Sache verfochten. Wer darf ſich nun wundern, daß Herr d'Aubigne jetzt von allen proteſtantiſchen Secten bis in den Him⸗ mel erhoben wird, da er ihnen ſolche Waffen gegen die armen Lutheraner in die Hand gibt? O, wie mild werden die Freudenthränen Herrn Naſts gefloſſen ſein, als er dieſe Stelle aus⸗ ſchrieb? Wie wird er ſich im Geiſt ſchon an dem Erröthen und Erbleichen geweidet haben, das die Durchleſung dieſer Stelle bei uns wir⸗ ken werde. Dieſe Freude müſſen wir aber Hrn. Naſt lei⸗ der ſtören, indem wir ihm hierdurch melden, daß obiges Citat eine über allen Begriff in— fame Verfälſchung iſt. Seckendorfs Historia Lutheranismi iſt nehmlich eine Widerlegung eines franzöſiſchen Jeſuiten mit Namen L. Maimbourg, deſſen Buch: „Histoire du Lu⸗ theranisme“ Seckendorf in lateiniſcher Ueber⸗ ſetzung ſo in ſein Buch aufgenommen hat, daß immer ein Capitel der Darſtellung des Je— ſuiten voranſteht, worauf Seckendorf die darin vorkommenden jeſuitiſchen Geſchichtsverfäl⸗ ſchungen nachweiſt, ferner die vorkommenden Calumnien widerlegt und endlich den wahren Beſtand der Sachen aus den Quellen darlegt. Dieſes große, ſeltene und unvergleichliche Werk haben auch wir „glücklicherweiſe“ in unſerer Bibliothek. Als uns daher in jenem Auszug aus d'Aubigne's Reformationsgeſchichte das Ci- tat aus Seckendorf ſogleich höchſt befremdend vorkam, ſo ſchlugen wir eilends die nach Pa⸗ gina angegebene Stelle nach, und was fanden wir? — Man höre und ſtaune! — „d'Aubigne „hat das, was Worte des Jeſuiten Maimbourg „ſind, betrügeriſcher Weiſe als Seckendorfs „Worte angeführt.“ Wollte Gott, man könnte hoffen, Hr. d'Aubigne hätte dies aus Unwiſ⸗ ſenheit gethan! Aber dies iſt darum undenk— bar, weil die Worte des Jeſuiten und Secken⸗ dorfs dadurch deutlich genng unterſchieden ſind, daß erſtere mit geſperrter Schrift und über die ganze Seite hinweg und die Seckendorfs mit kleiner Schrift in zwei Spalten geſetzt ſind. Die Worte des Jeſuiten lauten folgender⸗ maßen; „Oum Lutherus vero, ut erat fero et impe- rioso ingenio, semper urgeret, ut ille senten⸗ tiae suae se submitteret“' etc., d. i. zu deutſch: „Da aber Luther, wie er denn ein Mann von unbeugſamer und gebieteriſcher Geſinnungsart war, immer darauf ſtehen blieb, daß ſich jener ſeiner Meinung unterwerfe“ꝛe. Die Worte Seckendorfs aber hierzu lauten (Seite 139) alſo: Ferum denique et imperiosum ingenium absque calumnia Luthero objici nequit, nisi probetur, illum non conscientiae et veritatis; sed suae tantum opinionis et autoritatis in-