# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 07 07_S130 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſammlung hielten und die Streitfrage zum Beſten der ganzen Kirche entſchieden. Der Beſchluß wurde nach freier Berathung von den Apoſteln, Aelteſten und Brüdern gemein⸗ ſam gefaßt. Und wir ſollten nicht mit gutem Gewiſſen und dem freudigſten Glauben dem Vorbilde der erſten Chriſten nachgehen dürfen? Wir ſollten nicht das Recht haben, uns zu ver⸗ ſammeln und das Beſte der Kirche zu berathen? E. Das Recht kann Euch niemand rauben. Nur müßt ihr bei euern Beſchlüſſen mit derſel⸗ ben Wahrheit ſprechen können: „Es gefällt dem h. Geiſt und uns.“ Apg. 15, 28. S. Gewiß. Eben darum verſammeln wir uns, gehorſam dem Worte des Apoſtels: „Seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geiſt.“ Epheſ. 4, 3. E. Wie ihr auch angebt: „Erhaltung und Förderung der Einheit des reinen Bekennt— niſſes.“ S. Vor allen Dingen müſſen wir zunächſt unſere eigene Beſſerung ſuchen, indem wir uns ſtärken im rechten einigen Glauben, alle Fehler und Irrthümer an einander beſcheiden, frei— müthig und brüderlich ſtrafen und in der Liebe zu einander wachſen. Darum ſind Verſamm⸗ lungen nothwendig. E. Ohne dieſe brüderliche Gemeinſchaft iſt auch der Beſte in Gefahr, in Einſeitigkeit zu gerathen, und vom ſchmalen Pfade des reinen Bekenntniſſes abzuirren. S. Ohne ſie drohen die einzelnen lutheri⸗ ſchen Gemeinden Nordamerica's ſich in eben ſo viele Secten aufzulöſen. E. Das iſt leider vorauszuſehen. S. Wir ſind ſo leicht geneigt, uns für die einzigen rechtgläubigen Lutheraner zu halten und die Brüder zu verachten. E. Leben dann in unſerm Winkel dahin, Kleinigkeiten gewinnen eine ungebührliche Wichtigkeit, weil wir den Blick auf das große, herrliche Ganze verlieren, und müſſen endlich verſauern und verkümmern. S. Denn der Glaube ermattet und die Liebe erkaltet. E. Und Straucheln und Fallen iſt dann nicht mehr fern. S. Eine ſchmerzliche Erfahrung, die jeder Chriſt in ſeiner Abgeſchloſſenheit macht. Darum müſſen wir einig ſein. Ein Pfeil zerbricht leicht, aber ein Bündel von Pfeilen trotzt allen Verſuchen, ſie zu zerbrechen. E. So vermag auch der Verſucher leichtlich die einzelnen Chriſten zu fällen, wenn ſie die brüderliche Gemeinſchaft verſäumen, ſind ſie aber einig im Geiſt, wer mag ſie dann über⸗ winden? S. Wie herrlich iſt das Vorbild der Apoſto⸗ liſchen Kirche: „Die Menge aber der Gläubi⸗ gen war ein Herz und eine Seele. Und ſie waren täglich und ſtets bei einander einmüthig im Tempel.“ Ap. Geſch. 4, 32. 2, 46. E. Und dieſes Häuflein hat durch ſeinen Glauben die Welt überwunden, denn ſie waren ſtark auch darum, weil ſie einig waren. S. Drum brannte das heilige Feuer des Glaubens ſo mächtig in ihnen, weil jeder ſei— nen Mangel an geiſtlichen Gaben aus der Fülle 130 der andern erſtattete. Kohlen erhalten ſich ge⸗ genſeitig in heller Gluth, aber getrennt erlö⸗ ſchen ſie bald. E. Drum führt ihr mit vollem Rechte für eure Verſammlungen an: „Der Wille des HErrn, daß ſich die mancherlei Gaben zu ge— meinſamem Nutzen erzeigen ſollen.“ S. Zwar wird der Chriſt geboren aus dem heil. Geiſte durch Wort und Sacrament, aber zum Wachſen und Zunehmen bedarf es des Segens der Gemeinſchaft. E. Natürlich, denn die Kirche iſt die Fülle deß, der Alles in Allem erfüllet. Epheſ. 1, 23. S. Kein Chriſt hat alle Gaben, keiner iſt ohne alle Gaben, ſondern jeder hat ſeine be⸗ ſondere ſchöne Gabe vom HErrn empfangen, welche er erwecken muß, um damit der Kirche zu dienen. E. So thut ein Glied dem andern Handrei⸗ chung und machet, daß der Leib wächſet zu ſei— ner ſelbſt Beſſerung, und das alles in der Liebe. S. Denn die Liebe bewirkt ein fortwährendes Geben um Nehmen der Glieder unter einander, ſo daß ſie wachſen in allen Stücken an dem, der das Haupt iſt, Chriſtus, bis die Gläubigen ein vollkommener Mann werden, der da ſei in der Maaße des vollkommenen Alters Chriſti. E. Drum ſind die Verſammlungen ein noth— wendiges Mittel, um dieſe Mittheilung, dieſen gegenſeitigen Ein- und Austauſch zu ermögli⸗ chen. Und wer ſich muthwillig davon abſon⸗ dert, muß endlich abſterben, wie ein todtes Glied. S. Wenn aber eine durch Verfaſſung geord— nete brüderliche Gemeinſchaft Statt findet, ſo wird der Lebensgeiſt Chriſti die Seinen um ſo herzlicher verbinden, und um ſo kräftiger durch— ſtrömen, ſo daß jeder Einzelne mit Freudigkeit erfüllt wird, in ſelbſtverleugnender Liebe für das Beſte der Kirche alles zu thun und zu lei⸗ den, was er vermag. E. So wird die Kirche nach innen einig, nach außen ſtark und ſiegreich werden. S. Dann wird ihr auch die vereinte Aus⸗ breitung des Reiches Gottes gelingen. E. Den Heiden wird ſie das Evangelium predigen. S. Und ſie werden in Seinem Lichte wan⸗— deln. E. O eine himmliſche Hoffnung erfüllt mein Herz. Wer iſt, der hervorbricht wie die Mor— genröthe, ſchön wie der Mond, auserwählet wie die Sonne, ſchrecklich wie die Heeresſpitzen? Hoh. 6, 9. S. Dies iſt unſere heilige chriſtliche Kirche. Ein Geſang hob an zu rauſchen; ſanfte Winde wehten bald die ſchönen Accorde eines vierſtimmigen Chorals herbei, bald verhallten dieſelben in weiter Ferne, um dann aufs Neue wieder das lauſchende Ohr zu erquicken. Woher dieſe Klänge? fragte Siegfried über— raſcht. Es kommen unſere Brüder von einer fernen Niederlaſſung, um morgen mit uns die Kirche zu beſuchen. Ein Kahn glitt die ſpiegelklaren Fluthen des Stromes herunter, worin mehrere ſingende Fa⸗ milien ſaßen, und fuhr Erich's Feldern zu. Komm, Siegfried, ſprach ſein Freund, laß uns unſere Brüder begrüßen. (Fortſetzung folgt.) Führt das alte Lutherthum nach Rom? (Fortſetzung.) Da man bekanntlich auch dies zu den Kenn⸗ zeichen einer bedenklichen Hinneigung der alten lutheriſchen Kirche zu Rom rechnet, daß in un⸗ ſerer Kirche bei Ausſpendung des hl. Abend⸗ mahls anſtatt des gemeinen Brods, kleine run⸗ de Kügelchen, die man Hoſtien oder Oblaten nennt, gebraucht werden, und daß wir dieſelben daher nicht brechen, ſo halten wir für nöthig, auch hierüber einiges zu bemerken. Was zuerſt den Gebrauch der ſogenannten Hoſtien betrifft, ſo iſt zweierlei zu merken. Wir gebrauchen dieſelben erſtlich, weil auch ſie nichts anders ſind, als eben Brod. Sie wer⸗ den aus Mehl und Waſſer bereitet und geba⸗ cken, und das und nichts weiter gehört ja zu dem Weſen des Brodes. Da nun Chriſtus keinen Befehl gegeben hat, welche Geſtalt das Brod haben und wie groß und dick es ſein ſoll, da ferner das heil. Abendmahl nicht dazu eingeſetzt iſt, unſern Leib, ſondern unſere Seele zu ſättigen, und da endlich gerade jene von al— ten Zeiten her gebräuchliche Form (ſchon Epi— phanius thut ihrer im vierten Jahrh. Erwäh— nung) überaus ſchicklich für die heilige Handlung iſt, ſo ſehen wir nicht, warum man hierin eine Aenderung vornehmen ſollte. Hier— zu kommt noch, daß die Reformirten die bei uns gebräuchliche Brodform uns zur Sünde machen, ja ſie oft als einen Greuel des Pabſt— thums verſpottet haben; ſie haben die Oblaten Schaumbrod, Nebelbrod, ja die Silberlinge ge— nannt, um welche Chriſtus verkauft worden ſei, und dergl. Daher beſtehen denn die Luthera— ner auf ihrer Freiheit, laſſen ſich kein Gewiſſen über unſchuldige Dinge machen und behalten dieſen ihren gleichgültigen Gebrauch; ſie ma— chen es zwar den Reformirten nicht auch zur Sünde, wenn ſie gemeines Brod gebrauchen, aber da dieſelben gerade dieſen ihren Gebrauch für ein Kennzeichen der wahren Kirche erklä— ren, ſo meiden rechtgläubige Lutheraner nun gerade das, was vormals zwar bedeutungslos geweſen, aber jetzt ein Abzeichen einer irrgläu⸗ bigen Kirche geworden iſt. Es mag freilich wohl ſein, daß ſich beſonders hier die reformirte Weiſe in viele Gemeinden, erſt nicht aus Be⸗ günſtigung der reformirten Lehre, ſondern aus Mangel an Oblaten eingeſchlichen hat; wir meinen aber, wenn es einem Prediger darum zu thun iſt, ſich mit ſeiner Gemeinde zur luthe— riſchen Kirche zu bekennen, ſo ſollte er in dieſer Zeit der äußern Religionsmengerei darauf be⸗ dacht ſein, ſich auch in dieſer Bekenntnißcere⸗ monie der luth. Kirche zu conformiren nud da⸗ mit allen Verdacht der Synkretiſterei (Glau— bensmiſcherei) zu meiden.“) ) Diejenigen der l. Amtsbrüder, welche keinen näheren Weg wiſſen, Hoſtien zu beziehen, machen wir darauf aufmert⸗ ſam, daß dergleichen bei dem Küſter der hieſigen luth. Ge⸗ meinde, Hrn. Gräber, zu haben ſind und unter unſerer Adreſſe beſtellt werden können.