# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 07 07_S129 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 3. St. Louis, Mo., den 7. Juli 1847. No. 24. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Geſpräch zweier Lutheraner über kirch⸗ liche Verfaſſung. III. Die Kinder hingen ſich an Siegfrieds Hand und zogen ihn in den Garten, der neben dem Hauſe lag. Reinliche Sandwege führten durch das thaubenetzte Gras, welches hin und wie— der mit Roſengebüſchen und kleinen Feldern abwechſelte, wo Blumen, vom Hauche des mil⸗ den Frühlings geweckt, nach der langen Win— ternacht zum erſten Male wieder ihre freundli— chen Augen aufſchlugen. Hie und da ſtanden einzelne hohe Bäume, gegen deren Schatten das ſanfte Grün des Graſes im Glanz der Sonne um ſo lieblicher abſtach. Die Kinder eilten zu ihrem Gärtchen, um zu ſehen, wie weit es dort in der letzten Nacht gediehen war, während Siegfried von einer Anhöhe die Aus⸗ ſicht in das Thal genoß. Geſchäftiger Fleiß herrſchte in den Feldern, Heerden weideten in den Wieſen am Fluſſe, welcher flüſternd ſeine ſilbernen Wogen dahin wälzte und ſich endlich in der Ferne hinter blauen Bergen verlor. Ueberall Freude und Leben, überall jener zarte Farbenſchmelz, der uns im friſchen Lebensdufte des holden Maienlichtes ſo wohlthuend anlä— chelt, damit der anmuthige Liebreiz, worin ſich die junge Schöpfung hüllt, uns ſchmecken und ſehen laſſe, wie freundlich der HErr iſt. Doch wie alles Schöne dieſer vergänglichen Welt, weckt auch der Frühling nur die Sehnſucht des Chriſten nach dem nimmerwelkenden Lenze des ewigen Lebens: Ach, denk ich, biſt du hier ſo ſchön, Und läßt du's uns ſo lieblich gehn Auf dieſer armen Erden: Was will doch wohl nach dieſer Welt, Dort in dem reichen Himmelszelt Und güldnem Schloſſe werden. Unter ſolchen Gedanken zog ſich Siegfried in eine Laube zurück, wo er ſich mit Leſen be— ſchäftigte, als ihn nach einiger Zeit ſein Freund aufſuchte, in der Hand die Broſchüre, welche ihm Siegfried gegeben hatte. E. Ich vermiſſe darin unter den Gründen für die Bildung eines Synodalverbandes den eigentlichen Hauptgrund. S. Welchen denn? E. Einen beſtimmten, ausdrücklichen Befehl des HErrn dafür. S. Die Synodal-Verfaſſung iſt in der hl. Schrift allerdings nicht ausdrücklich geboten. E. Darum iſt dieſelbe auch nicht erlaubt. S. Das iſt falſch geſchloſſen. Wo iſt ſie denn in der hl. Schrift verboten? E. Nirgends. S. Was Gott aber weder verboten, noch geboten hat, das gehört zu den ſogenannten Mitteldingen, welche man, wie du weißt, aus chriſtlicher Freiheit ohne Sünde thun oder laſ— ſen kann. E. Bei einer ſo wichtigen Sache genügt es mir nicht, nur zu wiſſen, daß ſie erlaubt iſt. S. Bedenke die Herrlichkeit der chriſtlichen Freiheit. Alles iſt euer, ſagt der Apoſtel. So haben wir das vollkommenſte Recht, eine Ver⸗ faſſung zu bilden. E. Somit bleibt die Synodalverfaſſung doch immer nur ein menſchliches Werk, da ſie nur auf der chriſtlichen Freiheit beruht. S. Wie alle kirchliche Verfaſſung. E. Menſchliche Machwerke können aber der Kirche nicht helfen. S. Als ſolche freilich nicht, wohl aber, wenn der HErr ſeinen Segen dazu gibt. E. Mein Gewiſſen muß durchaus eine ge⸗ wiſſe Verpflichtung haben, ehe ich an einer ſo wichtigen Sache Theil nehme. S. Dieſe haſt du auch, und zwar die aller⸗ heiligſte und beſtimmteſte in dem allgemeinen Gebote: Trachtet darnach, daß ihr die Ge— meinde beſſert, auf das ihr alles reichlich habt, und: laſſet alles ehrlich und ordentlich zugehen. 1 Cor. 14, 12. 40. E. Geht aber dieſes Gebot nicht zunächſt eine beſondere Gemeinde für ſich an? S. Allerdings, dann aber jede einzelne Ge⸗ meinde und ſomit die ganze Kirche. E. Und du meinſt nun, darin liege für uns die Pflicht, uns zu einem gemeinſamen Han⸗ deln zu verbinden, welches die Beſſerung und Ordnung der Gemeinde betrifft? S. Ja. Dazu treibt uns der Glaube, der durch die Liebe thätig ſein ſoll, dazu treibt uns das Gebot des HErrn und tauſend Stellen der h. Schrift, nicht das unſere, ſondern das Wohl des Nächſten, des Ganzen zu ſuchen. E. Es wäre das Zeichen eines todten Glau⸗ bens, wenn man ſich von ſeinen Brüdern ab⸗ ſondern und für ſich leben wollte. S. Alle für Einen, Einer für Alle, iſt die Loſung der Chriſten. Wie uns der Apoſtel Paulus lehrt: „Es kann das Auge nicht ſagen zu der Hand: Ich darf deiner nicht, oder wie⸗ derum das Haupt zu den Füßen: ich darf euer nicht . . . Auf daß nicht eine Spaltung im Leibe ſei, ſondern die Glieder gleich für einander ſorgen.“ 1 Cor. 12, 21. 25. E. Offenbar iſt gemeinſames Handeln zum Beſten der Kirche unſere heiligſte Pflicht. S. Damit uns dieſes gemeinſame Handeln zum Beſten der Kirche ſo zweckmäßig und heil⸗ ſam, als möglich ſei, bedarf es der Verfaſſung. E. Du betrachteſt ſie alſo nur als Mittel und Werkzeug. S. Als nichts weiter. Es gibt keine ſchlecht⸗ hin vollkommene Verfaſſung; keine beſtimmte Form derſelben iſt uns in der h. Schrift gebo— ten, ſondern es bleibt der chriſtlichen Weisheit überlaſſen, die beſte zu wählen. E. Welche Verfaſſung iſt nach deiner Mei⸗ nung für dies die beſte? S. Um es kurz zu ſagen: die bewährteſte, die zweckmäßigſte und die freieſte. E. Erkläre dich näher. S. Weil die Lehre der lutheriſchen Kirche die reinſte iſt, muß auch ihre Verfaſſung die freieſte ſein, d. h. ſie muß auf der Mehrheit beruhen, mit Nothwendigkeit aus unſerm Bekenntniſſe hervorwachſen und das geiſtliche Prieſterthum der Chriſten mit allen ſeinen Rechten und Frei⸗ heiten zur lebendigen Ausübung bringen. E. Von ganzem Herzen ſtimme ich dir bei. S. Am zweckmäßigſten iſt die Verfaſſung, welche allen Bedürfniſſen der Kirche am ſchnell— ſten und gründlichſten abhilft. E. Das iſt wahr. S. Die Geſchichte der Kirche hat diejenige Verfaſſung am meiſten bewährt, welche die Haupt⸗Entſcheidung weder Einzelnen, noch ge⸗ wiſſen Corporationen, noch ganzen Ständen in der Kirche überließ, ſondern dieſelbe der ganzen Kirche in der Geſammtheit ihrer ver— ſchiedenen Glieder, Aemter und Gaben anver— traute uud zwar ſolchen allgemeinen Verſamm— lungen, auf welchen der Hörer- und Lehrerſtand gleich berechtigt und gleichmäßig vertreten war. E. Darum beruft ſich Eure Verfaſſung auch wohl auf „das Vorbild der apoſtoliſchen Kirche“? S. Eben deswegen. Lies Apoſtelgeſchichte Kap. 15. Phariſäiſche Irrlehre drohte die jungen chriſtlichen Gemeinden zu verwirren. Da ordneten ſie Paulus, Barnabas und etliche Andere aus ihrer Mitte nach Jeruſalem ab, welche mit der dortigen Gemeinde eine Ver⸗