# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 06 29_S124 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) tief noch darinnen erſoffen, daß uns wohl ſo ſauer und ſchwer wird, daß wir ſein aus dem Herzen los werden und vergeſſen mögen, ſo ſchwer es uns wird, daß wir den rechten Glau⸗ ben begreifen und lernen. Wenn gleich im Pabſtthum ſonſt alles recht und gut wäre, wie es doch nicht iſt, ſo wäre doch das, daß ſie die Leute an Gottes Gnade und Willen ſo zweifeln lehren, ein ſolch ung e⸗ heurer ſchädlicher Irrthum, daß nicht zu ſagen iſt. Und ob es wohl unleugbar iſt, daß die Feinde Chriſti eitel ungewiß Ding lehren, (denn wie geſagt, ſie heißen die Gewiſſen an Gottes Gnade zweifeln,) ſind ſie gleichwohl ſo voll teufliſcher Wütherei, daß ſie uns mit aller Sicherheit als die allerärgſten Ketzer dahin verdammen und morden, allein darum, daß wir die Leute dahin führen, daß ſie Gott, der nicht lügen kann, glauben ſollten, und thun ſolches, als wären ſie ganz gewiß, ihre Lehre wäre recht und göͤttlich. Darum ſollen wir unſerm lieben Gott danken in Ewigkeit, daß wir von dem verzweifelten Irrthum ſind los worden, und können nun für⸗ wahr wiſſen und halten, daß der heil. Geiſt, wie St. Paulus ſagt, in unſerm Herzen ſchreiet, und ein unausſprechliches Seufzen anrichtet. Und dies iſtunſre Grundveſte. Das Evangelium heißt uns anſehen nicht unſere guten Werke und Vollkommenheit, ſondern Gott ſelbſt, der die Verheißung thut; item, Chriſtum, der da ausgerichtet und ans Licht bracht hat das, ſo verheißen war. Dagegen aber heißt der Pabſt anſehen nicht Gott, der da verheißet, auch nicht Chriſtum, der unſer Mittler und Hoherprieſter iſt, ſondern unſre Werke und Verdienſte; da kann nichts anders folgen, denn daß man un⸗ gewiß wird, ob uns Gott gnädig ſei, und end⸗ lich verzweifeln, denn die Sache iſt gegründet auf unſer Werk, Verdienſt und Gerechtigkeit ꝛc. Wenn es aber auf Gottes Verheißung und Chriſtum, den rechten unbeweglichen Fels, ge⸗ gründet iſt, iſt man der Sache gewiß, ſicher und fröhlich im heil. Geiſt, denn ſie ſtehet auf Gott, welcher treu iſt, und nicht lügen noch trügen kann. Denn ſo ſaget er: Siehe, da gebe ich meinen eigenen Sohn in den Tod, auf daß er dich durch ſein Blut erlöſe von den Sünden und Tod; da kann ich der Sache nicht unge⸗ wiß ſein, ich wolle denn Gott allerdings ver⸗ läugnen. Dies iſt der Grund, daraus wir fürwahr wiſſen und beweiſen können, daß unſere Theo— logie oder Lehre rechtſchaffen und gewiß ſei, nämlich, daß ſie uns nicht läßt fußen und bauen auf unſer Thun, ſondern führet uns von dem Unſern, und gründet uns auf eine andre Grund⸗ veſte, die außer uns iſt; alſo daß wir uns nicht verlaſſen auf unſre Kräfte, Gewiſſen, Füh⸗ len, Perſon und Werk, ſondern auf das, was außer uns iſt, das iſt, auf Gottes Ver⸗ heißung und Wahrheit, auf Chriſtum, der zur Rechten Gottes ſitzet, und unſre Gerechtigkeit iſt, die uns der Teufel nicht umſtoßen noch neh⸗ men kann. Davon weiß und verſteht der Pabſt mit ſeinem Haufen gar nichts, darum läugnet und läſtert er ſo greulich und unchriſtlich Ding 124 mit ſeinem Haufen, gibt für, es wiſſe niemand, wie fromm oder weiſe er auch ſei, ob er in Gnaden oder Ungnaden bei Gott ſei. Nicht alſo, ſondern wer gerecht und weiſe iſt, der weiß fürwahr und gewiß, daß ihn Gott lieb hat, oder ob er ſolches nicht weiß, ſo iſt er ei⸗ gentlich weder gerecht noch weiſe. E * * Anmerkung des Herausgebers. Es darf niemand denken, daß die römiſch-⸗katholi⸗ ſche Kirche die abſcheuliche Lehre, daß ein Chriſt zeitlebens an ſeinem Gnadenſtande zweifeln müſſe, nur zu Luther's Zeit gehabt habe; ſie hat dieſe Lehre noch heutzutage und kann ſie ſchon darum nicht aufgeben, weil ihr Meßjahr— markt darunter natürlich nicht wenig leiden würde; denn wer würde noch eine Meſſe für Lebendige, oder gar für Todte bezahlen, wenn er wüßte, daß er ſich im Glauben ohne alles Wanken an Gottes Gnadenverheißungen in Chriſto halten könne? Daß jene Lehre noch jetzt im Pabſtthum gilt, ſehen wir aus dem wich⸗ tigſten Symbole deſſelben, nehmlich aus den Beſchlüſſen des Tridentiniſchen Conciliums. In denſelben heißt es u. a. folgendermaßen: „Es iſt aber auch das nicht zu behaupten, daß diejenigen, welche wahrhaft gerechtfertigt ſind, ohne allen Zweifel dafür halten müſſen, daß ſie gerechtfertigt ſeien und daß niemand von Sünden abſolvirt und gerechtfertigt werde, als der, welcher gewiß glaube, daß er abſolvirt und gerechtfertigt ſei; und daß allein durch dieſen Glauben die Abſolution und Rechtfertigung vollbracht werde, gleich als wenn der, der dies nicht glaubt, an den Verheißungen Gottes und an der Kraft des Todes und der Auferſtehung Chriſti zweifelte; denn ſo wie kein Frommer an Gottes Barmherzigkeit, an Chriſti Verdienſt und an der Kraft der Sacramente zweifeln ſoll, ſo kann ein jeder wegen ſeines Gnadenſtandes erſchrecken und ſich fürchten, wenn er auf ſich und auf ſeine Schwachheit und Ungeſchicktheit ſieht, da niemand mit einer Glaubensgewiß⸗ heit, der nicht etwas Falſches zum Grunde lie— gen könnte, wiſſen kann, daß er Gottes Gnade erlangt habe.“ (Seſſ. VI. Cap. 9). Wer ſieht nicht hieraus, daß die Väter des Tridentinums blinde Blindenleiter waren und unmöglich je etwas vom wahren Glauben ſelbſt können er⸗ fahren haben, von dem ſie offenbar wie der Blinde von der Farbe reden? — In dem Fol⸗ genden heißt es in jenem öffentlichen Glau⸗ bensbekenntniſſe der Päbſtler weiter: „So je⸗ mand ſagt, der rechtfertigende Glaube ſei nichts anderes als das Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit, durch welche (uns) um Chriſti willen die Sünde vergeben wird, oder dieſes Vertrauen ſei es allein, wodurch wir gerecht⸗ fertigt werden: der ſei verflucht. So jemand ſagt, einem jeden Menſchen ſei zur Erlangung der Vergebung nöthig, daß er gewiß und ohne allen Zweifel der eignen Schwachheit und Un⸗ geſchicktheit glaube, die Sünden ſeien ihm ver— geben: der ſei verflucht. So jemand ſagt, daß ein wiedergeborner und gerechtfertigter Menſch zu glaͤuben gehalten ſei, daß er ſich unter der Zahl der Auserwählten befinde: der ſei ver⸗ flucht.“ (Daſ. Can. 12. 13. 15.) Die Väter des Coneils reden alſo nicht davon, daß ein Chriſt in Stunden der Anfechtung ſeines Gna⸗ denſtandes ungewiß werden könne, was auch die Bibel lehrt, ſondern ſie verfluchen über— haupt die Lehre, daß der Glauben eine gewiſſe Zuverſicht ſei. Ebr. 11, 1. — Hier wird alſo ganz offenbar das heilige ſelige Evangelium, welches, wenn es im Glauben ergriffen wird, das unwiderſprechlich gewiſſe Zeugniß des heil. Geiſtes mit ſich bringt, daß wir Gottes Kinder ſind, verflucht! — Richtiger Schluß. Auf dem Reichstage zu Augsburg 1530 ge⸗ rieth der Herzog Johann Friedrich von Sach— ſen, Sohn des Churfürſten Johann, mit etlichen Papiſten, unter welchen ſich Dr. Eck am meiſten hervorthat, in ein Geſpräch über Religion. Der junge Herzog fragte, wie es käme, daß ſie —nehmlich die Papiſten —den Laien den Kelch im heil. Abendmahle vorenthielten, da doch der HErr Chriſtus ſage: „Trinket alle dar⸗ aus“? Was denn das Wort„alle“ heiße? Hierauf antwortete Eck: Alle, heißt die ge— weihten Prieſter; die ſollen allein daraus trin— ken. Wohl, ſagte der Herzog, daraus muß fol— gen, daß ihr geweihten Mönche und Pfaffen böſe Buben und Schälke ſein müßt, denn Chri⸗ ſtus ſagt: „Ihr ſeid rein, aber nicht alle;“ das heißt alſo nach eurer Erklärung des Wört⸗ chens „alle“ ſo viel als: Ihr Laien ſeid rein, aber nicht — die Prieſter und Pfaffen. Eine ſolche Schlußfolge hatten die Herrn Papiſten nicht erwartet. Ex Rusino in vit. Joh. Frid. Elect. M. S. L. II. p. 148. Von der Rede: „Es iſt wider mein Gewiſſen!“ Von ſolchen, die oft das Gewiſſen vorſchützen, wenn eine Sache ihrem Fleiſche entgegen iſt, ſchreibt Luther im Jahre 1526 an den Chur⸗ fürſten Johann von Sachſen: „Ob ſie aber werden ihr Gewiſſen fürwen⸗ den, das ſoll ihnen nichts helfen; denn ſie ſind zuvor erfordert, ihr Gewiſſen und Vornehmen mit der Schrift zu beweiſen, oder ſich un⸗ terrichten zu laſſen. Deshalben ſie ſich ge weigert, und öffentlich bedinget, ſie wollten ſich in der Schrift Disputation nicht begeben. Damit geben ſie genugſam Zeugniß wider ſich ſelbſt, daß ſie ſolch Gewiſſen erdichten, und nur zum Schein fürwenden. Denn ein recht gut Gewiſſen thut und begehrt nichts liebers, denn daß es möge der Schrift Unterricht hören, und von ſeinen Sachen mit der Schrift disputiren.“ (L. W. Hall. XXI, 147.) Kleine lutheriſche Maͤrtyrer. Nachdem während des dreißigjährigen Krie⸗ ges von Seiten der Römiſchkatholiſchen der kaiſerliche Generallieutenant Tilly im Jahre 1631 die lutheriſche Stadt Magdeburg mit Sturm erobert hatte, hauſte derſelbe mit ſeinen Soldaten auf das Grauſamſte dar inn. Unter andern ließ er alle die Schulkinder, welche in Ordnung über den Markt hergingen und das Lied ſangen: „Erhalt uns, HErr, bei Deinem Wort, Und ſteuer des Pabſts und Türken Mord“ ꝛc., von ſeinen Soldaten niederſäbeln und in Stücken zerhauen, wie einſt Herodes die kleinen Bethle— hemiter. Den Kindern ſchaͤdete dieſer frühzei⸗ tige Tod nichts, ſie erlangten die herrliche Märtyrerkrone, in welcher ſie ewig prangen werden; aber Tilly hat dieſe einem Feldherrn ſo unanſtändige, ſchändliche und grauſame That eine bittere Reue verurſacht; auch hat derſelbe von dieſer Zeit an kein Glück mehr im Kriege gehabt. M. Pfefferkorns Thüringiſche Hiſtoria. B. Simon bis IV 13. die Herren J. E. Schneider und D. Simon. Erhalten für die lutheriſche Heidenmiſſion in Frankenmuth, Mich. von den Herren G. Vetter $ 1.00, Ph. Lepper, dito, Lorenz 26 Cts. Gedruckt bei Arthur Olshauſen.