# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 06 29_S123 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) dem Worte des Glaubens für den, der es mit Feſtigkeit ergreifen und darin die Ruhe ſeiner Seele finden kann. In ihm vereinigen ſich ſeine ſeligſten Hoffnungen und heiligſten Wün— ſche, und die tiefe Sehnſucht eines Herzens nach feſtem Halt in jenen religiöſen Wirren iſt geſtillt; das entfremdete Kind hat die Stimme ſeines verkannten Schöpfers vernommen und ans den unheilsvollen, ſo verſchiedenen Laby— rinthen des Unglaubens (oder Aberglaubens) ſich herausgefunden; ſelbſt das ſchreckensvolle Grab wird ihm der Uebergang nur in ein beſ— ſeres und vollkommenes Daſein. Wohl dem Menſchen, der das Licht des Lebens hat und durch keine Zweifel die dauernde Gewißheit ſich wieder wankend machen oder nehmen läßt! Er iſt gekommen zu dem Jeruſalem, das droben iſt, das iſt die Freie, die iſt unſer aller Mutter, nicht zu der Magd, die nach dem Fleiſche und von dieſer Zeit iſt und zur Knecht— ſchaft gebieret, — zu der Gemeinde der Erſtge— bornen, die im Himmel angeſchrieben ſind, zu dem Blut des ewigen Teſtaments, zu der Menge vieler tauſend Engel und vollendeter Gerechter. Was geht uns alſo die hämiſche Sieges— und Schadenfreude der römiſchen Kirche über die ſogenannte proteſtantiſche Kirche an! Alle die obigen angeführten Puncte ihrer diaboli— ſchen Divinationsgabe treffen nun und nim— mermehr die Kirche, zu welcher Chriſtus ge— ſagt, die Pforten der Hölle ſollen ſie nicht über— wältigen, und: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Dieſe Kirche ſchreibt ihr Daſein dem Schlangentreter zu, weil der feſte Grund Gottes beſtehet, und hat dieſes Siegel: Der HErr kennt die Seinen, und: Es trete ab von der Ungerechtigkeit, wer den Namen Chriſti nennt. Sie durchläuft zwar nach Epheſ. 4, 13. als Ein geiſtlicher Leib, ein Sauerteig der Menſchheit, verſchie— dene Lebensalter und Entwicklungsſtufen durch die Gegenſätze der hier noch mit ihr unvermeid— licher Weiſe verknüpften, unreinen Elemente der Welt; aber ſie bedarf keiner menſchlichen Nachweiſung, wo ihre göttliche Auctorität zu finden ſei, nachdem ſie einmal mit und von den Apoſteln des HErrn als ſeinen unmittel— baren Geſandten und im A. T. mit und von den Propheten die heiligen Schriften empfan— gen hatte; ſie war lutheriſch, längſt ſchon vor dem Luther; der Same, aus dem ſie geboren wird, gibt ſich ihr zugleich von ſelbſt und ohne eine andere Vermittlung als die durch bloße Werkzeuge und Organe, (als das fortwährend in den Herzen der Gläubigen lebende und in den Symbolen bekannte Wort,) wie ſie allein bei Verluſt der ewigen Seligkeit von Gott ge— ordnet iſt (Offb. 22, 18. fg. vergl. mit Luc. 10, 16.), als göttlich und genugſam in Glanu-— bens⸗ und Gewiſſensſachen zu erkennen. Zwei unter uus ſtimmen allerdings auf ein Drittes zuſammen hin, aber nicht auf Geſchichtsglau— ben, der nur Wahrſcheinlichkeit gibt, oder gar auf Prieſterauctorität, ſondern in bewußter Einheit mit der Kirche katexochen auf das von ihr zwar überlieferte und durch ſie fortge— pflanzte, aber geſchriebene, dem Glauben (und nur dem Glauben allein) deut⸗ 123 lichee Wort und Zuſage unſers HErrn IEſu Chriſti ſelbſt, der uns nicht Waiſen gelaſſen, ſondern von ſeinem Geiſt gegeben hat, daß wir wiſſen und vernehmen können, was uns von Gott gelehret iſt, und richten geiſtliche Sachen geiſtlich. (Cor. I, 2, 12. fg.) Wir haben po⸗ ſitiven Glauben, ohne Katholiken (im römi⸗ ſchen Sinne) zu ſein, d. h. wir haben ſelbſt er⸗ kannt, daß dieſer iſt Chriſtus, der Welt Hei— land, unſere Gerechtigkeit, und Seine Worte Kräfte der zukünftigen Welt, und laſſen uns nicht wiederum in ein hierarchiſches Menſchen— joch fangen; weshalb wir zu dem gutgemein⸗ ten, aber aus dem Wahne und der Phantaſey einer ſichtbaren apoſtoliſchen Kirchen) hervor⸗ gegangenen Satz des königlichen Oberhirten kein Amen ſprechen können. Soviel zur Warnung des „Wahrheitsfreund“ u. A. m., nicht frühzeitig zu frohlocken, ehe aller Tage Abend iſt. Vielleicht ſchickt Gott noch einmal der Kirche dieſer Zeiten einen Führer, vor deſſen gewaltigem göttlichen Feuer⸗ eifer wiederum ein jeder Gegner zu ſtehen er— lahmte. Es gehört dazu eine Freiheit und Sicherheit des Geiſtes in Gott, wie du ſie leider in der Kirche nicht ſo hänfig findeſt. Der Männer gibt es wenige, die der Rieſen— macht der Feinde gewachſen ſind; und wenn ſie es auch nach der Trefflichkeit natürlich ho— her Gaben wären, ſo fürchten ſie doch die Un— gnade der Welt und deren Große mehr als ihres Königs Zorn und bleiben daher kindiſche Chriſten. Es iſt ein Treiben und Drängen auf dem Schauplatz der heutigen Völker, die Carricaturen des Heiligſten, die Ideale geiſti— ger Mißgeburten werden als Verklärungen der Menſchheit in gemeinſamem Bunde dargeſtellt, vor Allem iſt die großartige Innigkeit des deutſchen Geiſtes, welche die Reformation in ihrem Schoße trug und an ihrem glaubensrei-— chen Buſen nährte und aus Denkmälern der Kunſt, voll des erhabenſten und tiefſten Rei— zes, mahnend zu den entarteten Söhnen her— überſpricht, in die ſchmählichen Feſſeln des Broderwerbs geſchlagen, die höchſte aller Wiſ— *) Nur figürlich oder uneigentlich (per synecdochen) kann eine ſichtbare Gemeinde Kirche Gottes genannt werden, inſofern wahre Gläubige darunter ſich befinden, (was daraus erkanut wird, wann der Same, der ſie zeuget, das lebendige Wort Gottes, in ihr vorhanden iſt,) nach denen als den wah⸗ ren Gliedern, welche den todten und verfaulenden entgegenge⸗ ſetzt ſind, die ganze Gemeinde benannt wird. Die Kirche nach dieſem Begriff der zufälligen Erſcheinung (ratione externae kormae, nicht per essentiam oder dem Weſen nach, ſondern per aecidens) läßt allertings Diſtinctionen zu, in wahre und falſche (Particularkirche), d. i. die Gottesſtadt im unei⸗ gentlichen Sinn mit ihren tauſend Lücken, durch die ſie völlig untergehen kann, und des Teufels Synagoge, des Sa⸗ tans Schule, (Kirche nur genannt, wegen der darunter noch verborgenen Gläubigen.) —in blühende und verderbte ꝛc., ohne daß die Eine Kirche je aufhörte zu ſein, als die nicht vom Glauben fallen kann. Ihr aber, der Braut des HErrn, der Königin, die ſich nicht mit lügenhaſten Kräf⸗ ten erhebt, ſondern das verſtoßene unfruchtbare Weib zu ſein ſcheint, weil ſie des Gekreuzigten iſt, der Brunnenſtube des ſeligmachenden Waſſers, dem Heerde des unauslöſchlichen, reinen und reinigenden Feuers, iſt gegeben eine offene Thür und Niem and kann ſie zuſchließen; ſie herrſcht mitten unter ihren Feinden. Die Monarchen der Erde können ihr zu kei⸗ nem Recht verhelfen, ſondern ſie ſollen kommen und anbe⸗ ten zu ihren Füßen und erkennen, daß Gottes Sohn ſie, die jungfräuliche, geliebet habe. (Vgl. Cor. I, 3, 21fgg. Jeſaias c. 60, 54.) ſenſchaften, die heil. Theologit, ſoll bei mate— riellen Krämerſeelen und Utiliſten betteln gehen, Englands practiſch-melancholiſche Betriebſam— keit, wie der Franzoſen Schein- und Leichtfer⸗ tigkeit ſoll ihr zum Muſter dienen, die Kirche im Staate und der Staat in der Kirche fangen an Ein Reich von dieſer Welt zu verkünden — der HErr vom Himmel, der rechte König und Biſchof unſerer Seelen, wolle ſelbſt darein ſehen und ſich zu Seiner Kirche, die da ewig iſt und bleiben wird bis an den jüngſten Tag, alſo bekennen, daß Er dem un⸗ ſäglichen Jammer und mehr als heidniſchen Irrſalen wehre, dadurch ſo Viele in den hölli— ſchen Abgrund ſtürzen. Amen, ja er wolle Hülfe ſchaffen, denn es wird allenthalben voll Gottloſer, wo ſolche Leute unter den Menſchen Ueberhand haben! Von der Gewißheit des Gnadenſtan⸗ des und von der papiſtiſchen Zweifellehre. — (Siehe: Luther über den Brief an die Gal. C. 4, V. 6. Werke. Hall. A. VIII, 2399 f.) Es iſt ſehr nütze und gut, daß fromme gott⸗ ſelige Herzen des gewiß ſein, daß ſie den heili— gen Geiſt haben. Die Sophiſten und Mönche haben alſo ge— halten, daß niemand gewiß wiſſen kann, ob er in Gnaden oder Ungnaden ſei, wenn er gleich auf's allerbeſte lebe und wandele. Und ſolche Meinung iſt durch das ganze Pabſtthum für ſo gewiß gehalten worden, als wäre es der fürnehmſten Gründe einer und Artikel des Glaubens. Was greulichen und großen Scha— den ſie aber mit dieſer heilloſen, gottloſen Lehre angerichtet haben, iſt nicht auszuſagen. Denn die Lehre des Glaubens haben ſie damit aller⸗ dings unterdrücket, den Glauben zerſtöret, die Gewiſſen verwirret, Chriſtum aus der Chriſten⸗— heit hinweggeraubet, alle Wohlthaten und Ga— ben des heiligen Geiſtes verdunkelt und ver⸗ leugnet, den rechten wahrhaftigen Gottesdienſt abgethan, dargegen allerlei Abgötterei, eitel Gottesverachtung und Läſterung in der Men⸗ ſchen Herzen angerichtet. Denn wer da zweifelt an Gottes gnädigem Willen, und hält nicht gewißlich, daß er einen gnädigen Gott habe, derſelbe kann nimmermehr glauben, daß ihm die Sünden vergeben werden, daß Gott ſich ſeiner annehmen und ihn ſelig machen wolle. Es redet St. Auguſtinus wohl und chriſtlich, da er ſaget: „Wer den Glauben hat, der iſt gewiß, daß er in Gnaden ſei.“ Das verneinen und verleugnen ſie. Behüte mich Gott (ſagen ſie), daß ich ſo vermeſſen ſollte ſein, und ſagen: Ich weiß fürwahr, daß ich in Gnaden und heilig bin, daß ich den heiligen Geiſt habe; wenn ich gleich ein heiliges Leben führete, und alles thäte, was ich thun ſollte. Vor dieſem grundloſen Irrthum, darauf das ganze Pabſt— thum gegründet iſt, ſollt ihr jungen Leute, weil ihr damit noch unbeſchmeiſſet ſeid, fliehen, und dafür eine Scheu haben, als vor der allergif— tigſten und ſchädlichſten Peſtilenz, ſo da ſein mag. Wir alte Geſellen, ſo von Jugend auf in ſolchem Irrthum auferzogen ſind, ſind ſo! 43