# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 06 29_S122 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) erfüllet, nicht von dieſer Welt, gleichwie ſein Verderben. 122 Gott iſt und bleibt uns unbegreif— Regiment ein geiſtliches und unſichtbares iſt. lich, Sein Daſein und Sein Wirken unerklär— Des Felſens Grund, auf welchen wir gebaut ſind, der Stein des Anſtoßens und Fels der Aergerniß, der Stein, den die Bauleute, die Biſchöſe und ihre Concilien, verworfen haben, der auserwählte und den Gläubigen köſtliche Eckſtein, bleibt allein IEſus Chriſtus, wiewohl wir ihn nicht ſehen, auf deſſen himmliſches Wort aber der individuelle Glaube ſeine Zu— verſicht ſetzet und ſeine Hoffnung gründet. Alles kommt darauf an im Streite gegen die römiſche Kirche: Können wir der heiligen Lehre der Propheten und Apoſtel göttlich und unfehlbar gewiß ſein und werden, ſo daß wir ſie auch mit unſerm Blut beſiegeln könnten, ohne einer durch Menſchen und ihre Auslegung vermittelten Autorität zu bedürfen? können wir glauben und auf dieſen Glauben Alles, Gut und Blut, Leib und Leben, wagen, indem wir von Gott ſelbſt, wie die lieben Alten, Zeng— niß überkommen (Hebr. e. 11. ganz.), ohne daß wir eines ſichtbaren Inſtituts bedürfen, deſſen ſtattliche Verſicherungen mehr Gewicht und Anſehn für uns haben müßten, als das Zeugniß des göttlichen Geiſtes ſelbſt in Sei— nem Wort an unſern Geiſt, welches ja größer iſt als unſer Herz und aller Menſchen Reden, das Zeugniß, daß uns Gott das ewige Leben hat gegeben und ſolches Leben iſt in ſeinem Sohn, und wer demſelben Zeugniß nicht glau— bet, machet Gott zum Lügner? (Joh. Ep— I. c. 5.) Es gibt allerdings für die Weiſen nach dem Fleiſch und die Starken dieſer Welt, wenn ſie nicht zu der Einfalt des Glaubens und gött— licher Wahl der Gnaden im Geiſt gelangen und ſie doch wirklich Denker ſind, keine andere Al— ternative, wie der Schreiber im Wahrheits— freund auch zu bemerken ſcheint, als entweder theoretiſche Gottesleugner, Idealiſten, Auto— deiſten, Pantheiſten zu werden, oder ihre Ver⸗ nunft unter Kirchenauctorität gefangen zu nehmen; weshalb nicht ſelten Uebertritte der bedeutendſten Männer ihrer Zeit (denn die klei— nen Geiſter wollen wir hier nicht rechnen) ge— ſchehen, und die römiſche Kirche auch ſo ſicher trotzt und ſpricht, wie Offb. 18, 7. im Voraus geſchrieben ſteht: Ich ſitze und bin eine Köni⸗ gin, und werde keine Wittwe ſein und Leid werde ich nicht ſehen. Menſchen von tief eindringender philoſophiſcher Schärfe und Kraft der Speculation können ſich unmöglich mit den gewöhnlichen Beweisgründen für die Wahrheit der natürlichen und geoffenbarten Religion zufrieden geben, wie ſich der ſoge— nannte ſupernaturale Proteſtantismus ſich meine nicht den der Reformatoren, welche ihr ſchlafendes Jahrhundert weckten, und derer, die in ihre Fußtapfen treten) an ſeinem ge— lehrten, oft ſehr verdammungsſüchtigen und alles Edlere ſcheel verkleinernden und verdäch— tigenden Schlendrian genügen läßt. Alles Ausgehn von Vernunftsraiſonnement, von demgemäßer Sprachenauslegung und von Ge⸗ ſchichte iſt eine unausbleibliche Stütze des Pabſtthums. Der Menſch will ſehen, was er glauben ſoll, und dieſe Begierde führt ihn ins bar, wie unſer eignes Daſein ſelbſt. Was uns als Glaube vor die Seele tritt, das entlehnt ſeine eigene überzeugende Kraft nicht aus theo— retiſchem Erkennen, nicht aus eingebildeter Forſchung und Amtsgabe, oder Weisheitsdün— kel und Wahl des Gottesdienſtes, was nur zu höhniſcher Pedanterie, bigottem Weſen, Sehen auf das Sichtbare und ausgedorrten Vorur— theilen führt. Wenn Wiſſen die Handleitung zum Glauben wäre, warum iſt er älter und le— bendiger durch das friſche Wehen des Geiſtes, als jedes Syſtem?*) Es läßt ſich weder die Gewißheit einer geſchehenen Offenbarung, noch die Art und Weiſe, wie wir ſie zu verſtehen ha— ben, durch menſchliche Beweiſe darthun; ſie können nicht zur Evidenz gelangen. Es ſinkt jeder Begriff des endlichen Verſtandes ohnmächtig in Nichts zurück, der Gott und göttliche Dinge denken will; es vermag keine menſchliche Kraft aus ſich ſelbſt Ihn zu faſſen und zu ergreifen; Er iſt unerreichbar in Sei— ner Höhe und im Heiligthum. Fühlſt du, o Menſch, dieſe Größe und Herrlichkeit, wird dein Geiſt voll Staunens und Schweigens, warum wollteſt du bedingen das Unbedingte und ermöglichen das Unmögliche und dadurch dir zerſtören das Unendliche, dir alle Religion damit vernichten, oder (vermittelnd das Unmit— telbare) als haltloſe Stütze deiner inconſequen— ten faulen Vernunft, weil deines Herzens mächtige Triebe alle auf ein verlorenes Höch— ſtes deuten, menſchliche Tradition und Aucto— ritäten zu Hülfe nehmen, um den Gott zu fin— den, den alle Zungen der Kreatur dir verkün⸗ digen, deſſen Daſein du nicht leugnen kannſt, ohne dein eignes zu leugnen, vermöge deſſen kräftig wirkſamer Gegenwart du dich ſelbſt nicht fühlen kannſt, ohne auch ihn zu fühlen. — und darum nicht vielmehr beide Sein als un— erwieſen, aber entſchieden wahr im Voraus ſetzeud, dich von unausſprechlicher Gnaden Händen dahin leiten laſſen, daß nach göttlicher Zuvorverſehung in dir entſtehe die Erleuchtung von der Erkenntniß der Klarheit Gottes in dem Angeſichte IEſu Chriſti? (Apg. 17, 22. fg. Cor. II. 4, 6.) Die Be⸗ gierde der Selbſtklugheit, welche aus Unglau— ben die Sünde in die Welt gebracht hat und ſich zum eignen Gotte macht, bewegt den Men⸗ ſchen, anſtatt unmittelbar im Geiſt durch kind— liches Trauen auf das Wort gewiß zu werden, ſein Heil bei nackten menſchlichen Kräften und Vermögen zu ſuchen; die Stimme ſeines innerſten natürlichen Bewußtſeins (Röm. 2, 14. fg. 1, 32. 19. fg.) will er ans eigner Vernunft und Kraft ſich deuten, den Boden des Sichtbaren will er nicht verleugnen noch ver— laſſen, handgreifliche Ueberzengung ſoll ihm die nur im Unſichtbaren heimiſche Gewißheit des Glaubens von oben erſetzen; er will theo⸗ retiſch durch Beweiſe a priori oder a postexriori (d. i. aus der Metaphyſik oder aus der Ge— ſchichte und Tradition), praktiſch mit erfunde—⸗ nen Werken der Selbſtheiligung oder eines *) Auguſtinus: Fides praecedit intelleetum, Der Glaube geht dem Wiſſen vor. ſinnlichen Aberglaubens ein religiöſes Ganzes ſich zuſammenſetzen und conſtruiren; und wenn dieſe morſchen Pfeiler durch den geſchloſſenen Gang einer aus den reinen Principien des Denkens geführten Demonſtration zuſammenbrechen, iſt's auch um ſeinen ver⸗ meintlichen Glauben geſchehen. Er fällt. Was die Vernunft nicht bant, kann anch keine Vernunft jemals zerſtören; wenn menſch— liche Wiſſenſchaft den Glauben nicht kennt noch gibt, wie könnte ſie ihn ſtürzen und vernichten? Der Glaube an etwas Höheres und Erhabne— res, als der Menſch ſelbſt iſt, entſpringt aus einem ganz andern Gebiete, als dem der menſch— lichen Schlußkraft. In furchtbarem Wider⸗ ſpruch ſteht das vollendete Reſultat einer folge— richtigen Speculation mit der geheimnißvollen urſprünglichen Sprache unſers Bewußtſeins. Das iſt der Anknüpfungspunet, an welchen die Offenbarung der erbarmenden Liebe Gottes ſich ſchließt, wo der Menſch dieſes Anſchließens be— darf, an die Stimme des Gewiſſens, durch Ge— ſetz und Evaͤngelium, ohne welche es unmöglich iſt, den Menſchen außer ſich und ſeinem engge— bannten Kreiſe zu erheben; das Syſtem kehrt in ſein Selbſt zurück und beſchreibt nur einen eigenen Kreis, beginnt mit dem Ich des Men-— ſchen und ſchließt mit demſelben, und der Menſch iſt ſein Gott und der Gott der Welt iſt der Menſch. (Die Kette vom tranſcendentalen zum abſoluten Idealismus d. i. vollendetenPan⸗ theismus, oder von dem ſelbſtverſtändigen Kant und Fichte zu Schelling und Hegel.) Offenbarung kann nur in der vollen Bedeu— tung des Worts zum Glanben ſprechen, kann nur unvermittelt ſfagen: Es iſt, —glaube! Durch, für und mit ihr wird allemal auch der Glaube daran in der Zueignung gegeben, die dem Menſchen zuvorkommende Gotteskraft derſelben; nur die Fähigkeit dazu, d. h. Be— dürftigkeit iſt in dem Menſchen. Schöpft ſie, die Offenbarung, ihre Beweiſe von menſchli— cher Vernunft, Werk, Gefühl, Zeugniß, Auto—rität, ſo iſt ſie keine göttliche Offenbarung mehr, hat keinen allgemein nothwendigen Cha⸗ rakter —und das wird zu der Grundſünde aller irrenden Philoſophie, wie ſie ſich ins geſammte Sectenweſen miſcht, Vergötterung ſeiner ſelbſt, der Kreatur, das ſich Setzen in den Tempel Gottes als ein Gott, das Princip des Gottes dieſer Welt im Antichriſtenthum. Der Glaube iſt ein Geſchenk des Heiligen Geiſtes, die Bei— lage der wahren, allgemeinen Kirche, mehr oder weniger im Menſchen ſchwach oder ſtark. Er iſt das Ergreifen des Unſichtbaren, die unzer⸗ reißbare Grundlage alles Zukünftigen, daher die Gemeinde der Glänbigen ein Pfeiler und Grundveſte der Wahrheit iſt; denn was ſicht— bar iſt, das iſt zeitlich, zufällig, Erſcheinung, was aber unſichtbar iſt, das iſt ewig, wahrhaf— tig gültig. Es führt allein der Glaube ſicher und wohlbehalten durch die Klippen des Pa— pismus, des ſogenannten Proteſtantismus mit allen ſeinen Auswüchſen, des Atheismus, zum herrlichen Ziele; es iſt der Glaͤube eines Pau⸗ lus, Athanaſius, Auguſtin, Luther und ihrer geiſtlichen Kinder. Großer unausſprechlicher Gewinn liegt in