# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1930_S36 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 36 Verhandlungen der zweiunddreißigſten Verſammlung anſprucht. Daß dabei die Konfeſſions⸗ und Lehreinheit nur zu leicht zu einem verſchwommenen Ideal wird, daß, um mit einem Bilde der Schrift zu reden, die Poſaune in den meiſten Fällen einen ſehr undeutlichen Ton gibt, wenn ſie überhaupt noch hörbar iſt, das macht auf eingefleiſchte Unioniſten wenig Eindruck. Andererſeits operiert aber der Separatis⸗ mus ebenfalls mit denſelben Waffen, indem er beſonders gern Toleranz fordert für ſeine Sonderanſichten. Der Schismatiker beanſprucht für ſich Geduld und Nachſicht und ſchützt dabei mit Vorliebe vor ſeine Un⸗ fähigkeit, die Zeremonien noch feſtzuhalten, die man bisher vertreten hat. Wir fragen daher: Was iſt Separatismus? Im guten Sinne iſt Separation eine Trennung, die im Intereſſe der reinen Lehre erfolgt, die von einer verkehrt gewordenen Kirchenbildung oder von einer Ab⸗ irrung in der Lehre zurücktritt, um der wahren Kirche angehörig zu bleiben. Eine Separation von einer falſch lehrenden Kirche iſt nicht als Sünde wider die Einheit, ſondern als Pflicht gegen die Wahrheit zu be⸗ zeichnen. — Dagegen iſt Schisma oder Separatismus im üblen Sinne eine Trennung in der Kirche, vielleicht aus kirchenrechtlichen, öfter nur aus perſönlichen Gründen. Der Schismatiker geht ſeinen eigenen, ſub⸗ jektiven Weg; er geht ab von den gewohnten Formeln; er führt eine neue Deutung der kirchlichen Termini ein. Unter Umſtänden mag eine ſolche Sonderſtellung nur als akademiſche Frage in Betracht kommen oder als harmloſe Schrulle angeſehen werden, etwa in einer Lehre, die nicht unbedingt notwendig iſt zur Seligkeit. Wir unterſcheiden gewöhn⸗ lich ſo: Der Separatiſt, der falſche Lehrer (Ketzer), geht ab der Lehre wegen, der Schismatiker der Formel oder der Zeremonie wegen. Meuſel hat recht, wenn er ſagt, daß es in Lehre und Praxis einen weiteren Kreis gibt, innerhalb deſſen die Glieder einer kirchlichen Gemeinſchaft untereinander Duldung zu üben haben, ſolange nur die Glaubensſub⸗ ſtanz intakt bleibt und ſolange Schrift und Bekenntnis die unbezweifelte Richtſchnur alles Lehrens und Handelns bleiben. Aber Luthers Aus⸗ ſpruch, daß alle Gottesworte eins ſind, iſt ſchriftgemäß. Und wenn ein Lehrer oder ein Kirchenkörper in ſeiner Abweichung in irgendeiner Lehre konſequent weitergeht, ſo werden nicht nur eventuell andere Lehren des Wortes Gottes in Mitleidenſchaft gezogen, ſondern es wird ſich auch in der Regel in der Praxis zeigen, daß man die volle und ganze Wahrheit verlaſſen hat. Deswegen iſt der eigentliche Separatismus eine ſo be⸗ denkliche Erſcheinung. Für beide der obigen Definitionen und Ausführungen haben wir Schriftgrund. Von der Separation, die ſich nicht nur rechtfertigen läßt, ſondern die ſogar ausdrücklich von Gott geboten iſt, leſen wir an vielen Stellen, und der HErr bedient ſich in dieſem Zuſammenhang ſolcher Ausdrücke wie „ausgehen von“, „nicht Gemeinſchaft haben mit“, „ent⸗ ziehen von“, „meiden“, „haſſen“. Pſ. 26, 4: „Ich ſitze nicht bei den eiteln Leuten und habe nicht Gemeinſchaft mit den Falſchen.“ Vgl. Pſ. 1, 1; 119, 128. Jeſ. 52, 11: „Weichet, weichet, ziehet aus von dannen und rühret kein Unreines an; gehet aus von ihr, reiniget euch, die ihr des HErrn Geräte traget!“ Röm. 12, 9: „Haſſet das Arge!“ 2 Kor. 6, 17. 18: „Darum gehet aus von ihnen und ſondert euch ab, ſpricht der HErr, und rühret kein Unreines an; ſo will ich euch an⸗ nehmen und euer Vater ſein, und ihr ſollt meine Söhne und Töchter ſein, ſpricht der allmächtige HErr.“ Eph. 5, 11: „Habt nicht Gemein⸗ ſchaft mit den unfruchtbaren Werken der Finſternis; ſtrafet ſie aber vielmehr.“ 2 Theſſ. 3, 6. 7. 14: „Wir gebieten euch aber, liebe Brüder, in dem Namen unſers HErrn JEſu Chriſti, daß ihr euch entziehet von allem Bruder, der da unordentlich wandelt und nicht nach der Satzung.