# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1930_S35 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1930. 35 gewiſſen Konſenſus zwiſchen ſich und der reformierten Kirche anerkannt hat, ſo doch auch nicht minder einen ſolchen zwiſchen ſich und der römiſch⸗ katholiſchen Kirche. Daneben aber hat ſie auch ſtets den prinzipiellen Unterſchied von beiden Kirchen betont, den ‚andern Geiſt‘, der ſie von der reformierten nicht minder wie von der römiſchen ſcheidet. . . . Eine kirchliche Vereinigung mit der reformierten Kirche iſt für die lutheriſche Kirche nur dann möglich, wenn jene gerade in den Unterſcheidungslehren ihren Irrtum aufgeben und das lutheriſche Bekenntnis annehmen würde. . . . Mag ein fremdgläubiges Kirchenregiment unter Umſtänden getragen werden müſſen, ſo kann es doch nimmermehr als etwas Nor⸗ males, ſondern nur als etwas Ungeſundes betrachtet werden.“ Mit Recht weiſt auch ein engliſcher Lutheraner auf Schwierigkeiten hin, die nicht ſo leicht entfernt werden können: “True church unity . . . will not be brought about by an easy accommodation of our practises and usages to those of others. To bring about this desired consummation leads one on a more rugged road than an agreement in outward prac- tise which is of a piece with the shallowness of the age in which we live.” (Lutheran, 30. März 1930.) Zum Schluß dieſer Theſe noch ein Wort von Luther, worin er be⸗ tont, daß das Erſtreben einer bloß äußerlichen Einigkeit, einerlei mit welchem Gepränge dies geſchieht, nur der weiteren Ungewißheit und damit ſchließlich der Zerrüttung und dem Ärgernis dient, wie wir das ja in der Papſtkirche vor Augen haben. Er ſchreibt: „Denn nun frage ich: Wie ſteht es heutigestages, da alle unter dem Urteil des einen Papſtes ſtehen? Wo iſt hier die Einigkeit unverletzt? Iſt das die Einigkeit un⸗ verletzt erhalten, wenn man ſich unter dem äußerlichen Namen des Papſtes vereinigt? . . . Wo keine Gewißheit iſt, da iſt auch keine Einigkeit. Darum iſt zwar unter dem Papſt ein äußerliches Gepränge der Einigkeit, innerlich aber iſt nichts als die allergreulichſte Babylon, daß kein Stein auf dem andern bleibt noch ein Herz mit dem andern einſtimmig iſt, ſo daß man ſieht, wie ſchön die menſchliche Ver⸗ wegenheit mit ihren Satzungen den geiſtlichen Sachen zu raten wiſſe. Man muß alſo einen andern Weg zur Einigkeit der Kirche ſuchen. Und das iſt der, welchen Chriſtus Joh. 6, 45 angibt: ‚Sie werden alle von Gott gelehret ſein. Wer es nun höret von meinem Vater, der kommt zu mir.‘ Der innerliche Geiſt, ſage ich, macht allein, daß man einmütig im Hauſe zuſammenwohne; der lehrt einerlei glauben, einerlei richten, einerlei erken⸗ nen, einerlei prüfen, einerlei lehren, einerlei be⸗ kennen und einerlei Dingen folgen. Wo der nicht iſt, da iſt es unmöglich, daß Einigkeit ſei. Und wo ſie etwa iſt, da iſt es nur eine äußerliche und getünchte.“ (Luthers Antwort auf König Heinrichs VIII. von England Buch. XIX, 345.) 6. Gegen die Einigkeit im Geiſt verſtoßen aber auch die Schismatiker und Separatiſten. Wie Unionismus erſt Anerkennung fordert, dann Gleichberechti⸗ gung, dann Vorrecht, ſo auch Separatismus. Ja, letzterer ſpielt ſich noch dazu gern als Märtyrer auf, um Mitleid zu erregen. Der Unionis⸗ mus erwählt mit Vorliebe zu ſeinem Motto: “In essentials unity, in non-essentials liberty, in all things charity,” reduziert aber dabei nur zu oft das Weſentliche auf das Minimum des weſentlich chriſtlichen Wiſſens, während er das Maximum der Liebe und der Toleranz be⸗