# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1930_S32 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 32 Verhandlungen der zweiunddreißigſten Verſammlung ſchloſſen, alles für das reine Evangelium zu opfern. In ihren Kreiſen erhielt Melanchthons Anſehen jetzt einen harten Stoß; ſelbſt viele ſeiner ehemaligen Freunde ſagten ſich von ihm los. Brenz ſchrieb ihm, es ſei eine Chimäre, evangeliſche Lehre, Papſttum und Interim in eins zu verſchmelzen. Corvinus, der ſchon ſtets in Sorge um die Kleinmütigkeit Melanchthons geweſen war, den er doch auf das höchſte verehrte, brach ſchmerzbewegt in die Worte aus: ‚Melanchthons Nachgiebigkeit iſt das Verderben der Kirche.‘ Auch er richtete mit einer Anzahl Geiſtlicher, namentlich derer in Hannover und Göttingen, ein mahnendes Schreiben an Melanchthon, zur früheren Wahrheit zurückzukehren. In weiten Kreiſen der Lutheraner in Nord⸗ und Süddeutſchland war das Ver⸗ trauen zu dem Mitarbeiter Luthers hingefallen. Sein Brief an Karlo⸗ witz, der in Abſchriften von römiſcher Seite überall verbreitet wurde, und ſeine kühle Antwort an die Hamburger erregten geradezu Erbitte⸗ rung gegen ihn.“ Ein ſynkretiſtiſcher Geiſt iſt es aber auch, der ſich beſonders in neuerer Zeit auf jedem Gebiet der kirchlichen Arbeit offenbart. Die un⸗ glückſelige Evolutionstheorie macht ſich auch auf dem Gebiet der Religionsphiloſophie und der vergleichenden Religionsgeſchichte offen⸗ bar. Weil man an eine Entwicklung der Religion von den erſten Anzeichen des Erſchauerns in Gegenwart des Unbegreiflichen bis zum Monotheismus und zum Chriſtentum glaubt, will man auch alle Religionen auf eine Stufe ſtellen. Der Gedanke, daß das Chriſtentum abſolute Offenbarungsreligion iſt, iſt den modernen Reli⸗ gionsgeſchichtlern unfaßlich. Die ausgeſprochenſten unter ihnen nehmen ja Laotſe, Konfuzius, Gautama Buddha, Zoroaſter, Aakhnaton, Mo⸗ hammed, Sokrates, Jeſaias, Paulus zuſammen mit JEſu Chriſto in ihr Pantheon auf als „Erlöſer der Menſchheit“. (Vgl. Van Buskirk, Saviors of Mankind.) Selbſt bei Männern, die ſich lutheriſche Theologen nen⸗ nen laſſen, finden wir, daß ſie ihre dogmatiſchen Vorleſungen auf Reli⸗ gionspſychologie und auf vergleichende Religionswiſſenſchaft aufbauen, ſtatt ganz allein auf das offenbarte und unfehlbare Gotteswort. Ganz allgemein werden falſche Götter und Gründer falſcher Religionen an⸗ erkannt als exiſtenzberechtigt, ja ſogar als gleichberechtigt mit dem einigen wahren Gott der Schrift und unſerm einigen Heiland JEſu Chriſto. Ein Zeichen unſers ſynkretiſtiſchen Zeitalters ſind ſogenannte Good-will Sundays, wie die Baptiſten von St. Louis am 16. März einen ſolchen anſetzten, an dem es zwiſchen ihnen und den Juden zu einer friedlichen Auseinanderſetzung kommen ſollte. Ein ebenſo bedenkliches Zeichen der Zeit ſind die interchurch conferences oder „Seminare“ zwiſchen Juden, Katholiken und Proteſtanten, wie man ein ſolches im Mai in St. Louis veranſtaltet hat. Man iſt ſich vielfach der Unterſchiede zwiſchen den verſchiedenen Religionen, wenn dieſe bis jetzt noch be⸗ ſtanden haben, gar nicht mehr bewußt, oder man ſetzt ſie in einer faulen und falſchen Friedensliebe einfach beiſeite, ohne zu bedenken, daß man damit das Fundament des Chriſtentums untergräbt. Dieſelbe Anklage aber müſſen wir auch erheben gegen den Unionis⸗ mus, wie er ſich beſonders in den Vereinigungsbeſtrebungen zwiſchen Reformierten und Lutheranern, zwiſchen den einzelnen reformierten Körperſchaften und zwiſchen Lutheranern verſchiedenen Bekenntniſſes und verſchiedener Lehre zeigt. Solche Beſtrebungen finden wir ja ſchon unter dem Hohenzollern Johann Sigismund (1572—1619) und dann beſonders unter dem Großen Kurfürſten, von dem ja Paul Gerhardt durch das Dekret von 1662 (1664 verſchärft) verdrängt wurde. Be⸗ ſonders prominent aber wurden die Unionsverſuche unter Friedrich Wil⸗