# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1930_S31 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1930. 31 tigkeiten im 17. Jahrhundert, wird die Bezeichnung in einem weiteren und in einem engeren Sinne gebraucht. Dannhauer definiert es als eine Vermiſchung verſchiedener Religionen, wobei er beſonders an Proteſtan⸗ tismus und Katholizismus zu denken ſcheint. Calov verſtand unter Synkretismus beſonders die Verſuche einer Vereinigung zwiſchen Refor⸗ mierten und Lutheranern, ohne daß vorher die gemeinſchaftliche Baſis der Schrift angenommen worden ſei. Mehr allgemein definierte Pfaff: „Kirchlicher Synkretismus iſt kirchlich⸗brüderliche Gemeinſchaft mit ſolchen, welche im Fundament des Glaubens von uns abweichen.“ Unionismus unterſcheidet ſich von Synkretismus beſonders da⸗ durch, daß die geſchloſſene Front gegen einen gemeinſchaftlichen Feind in der Regel fehlt, und daß das Ignorieren von Lehrdifferenzen wohl nicht ganz ſo ſtark ausgeprägt iſt und zum Ausdruck kommt. Aber ein weſent⸗ licher Unterſchied kann kaum konſtatiert werden. Unionismus iſt das Ignorieren von Lehrdifferenzen bei einem äußeren Zuſammenſchluß mit ſolchen, mit denen man vorher nicht in Union war. Unionismus iſt Kirchengemeinſchaft ohne Bekenntnisgemeinſchaft oder auch ohne übereinſtimmung in dem Verſtändnis von Bekenntniſſen, die man auf dem Papier anerkennt. „Die Union will nicht ein neues Dogma ſchaffen als Lehrgrundlage einer neuen Bekenntniskirche“, ſchreibt Meuſel, „ſondern ſie will zwei Kirchen ſo miteinander verbinden, daß ſie, ohne ganz ineinander aufzugehen, auf Grund des Gemeinſamen und mit Außerachtlaſſung des Trennenden eine Gemeinſchaft bilden. Die Union ſoll ſich dann äußern in der Abendmahlsgemeinſchaft und in der Kirchenregimentsgemeinſchaft, und das Ziel des Ganzen iſt, daß alles Trennende immer mehr als indifferent erkannt und behandelt wird und daß der Konſenſus das Ganze endlich zu einer auch innerlich einigen Kirche macht.“ Die beiden Ismen ſind demnach nahe Verwandte; denn während der Synkretismus die kraſſere Form von Religionsmengerei iſt, ſtellt der Unionismus eine etwas feinere Form der Kirchengemeinſchaft ohne wirk⸗ liche Bekenntnisgemeinſchaft dar. Beide ſind in der Geſchichte der Kirche zu Zeiten ſtark hervorgetreten. Als Synkretismus gröbſter Art müſſen wir die Anbetung des goldenen Kalbes bezeichnen; denn das Götzenbild, das Aaron auf die Forderung des Volkes machte, ſollte nach Meinung der Israeliten die Götter vorſtellen, die ſie aus Ägyptenland geführt hätten, 2 Moſ. 32, 4. Ähnlich ſtand es jedenfalls mit dem Abgott, den Micha vom Gebirge Ephraim machen ließ, für den er ſogar einen Leviten als ſeinen Prieſter gewann, Richt. 17. Synkretismus war es auch, der die alexandriniſchen Theologen, beſonders Clemens Alexandrinus, ver⸗ anlaßte, in den Schriften verſchiedener griechiſcher Philoſophen und in deren Syſtemen chriſtliche Anhaltspunkte zu finden, wie denn überhaupt verſchiedene Ketzereien (Gnoſtizismus, Manichäismus) auf ſolche Ver⸗ ſuche zurückzuführen ſind. Ein ſynkretiſtiſcher Geiſt war es, der Me⸗ lanchthon und ſeine Kollegen veranlaßte, das Leipziger Interim an⸗ zunehmen, wie denn ſchon derſelbe Geiſt in Melanchthon ſteckte in Augsburg, wo er ſich nach übergabe der Konfeſſion durch die drohende Haltung der Römiſchen ſo einſchüchtern ließ, daß er für ſeine Perſon bereit war, die weitgehendſten Zugeſtändniſſe zu machen. Uhlhorn ſchreibt (Die Anfänge der deutſch⸗lutheriſchen Kirche, I, 63 f.): „Das Interim fand bei den entſchiedenen Lutheranern den ſchärfſten Wider⸗ ſpruch. Mochten manche lutheriſche Paſtoren Melanchthon folgen, ſich wiſſentlich oder unwiſſentlich über die Tragweite des Interims täuſchen und mit Halbheit eine Sache zu retten ſuchen, zu deren Siegeskraft ſie kein rechtes Vertrauen mehr hatten, andere waren um ſo feſter ent⸗