# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1930_S27 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1930. 27 Dabei geſtehen wir aber doch zu, daß kirchliche Zeremonien, wenn recht eingeführt und gebraucht, einen Bekenntniswert haben. Einmal nämlich iſt zu beachten, daß Gott ein Gott der Ordnung iſt, und durch die Beobachtung von Ordnung kann der äußerliche Gottesdienſt nicht nur vereinfacht werden, ſondern ſich auch zu einer Bekenntniszeremonie ge⸗ ſtalten, die ihren Wert in der Arbeit der Kirche hat. Mit Abſicht auf die Ordnung im öffentlichen Gottesdienſt ſchreibt Paulus an die Korin⸗ ther: „Laſſet alles ehrlich und ordentlich zugehen“, 1 Kor. 14, 40, und in dieſem Sinne nehmen wir das Wort an und richten uns danach. Hierzu noch folgende Ausſprüche Luthers. Er ſchreibt in ſeiner „Vermahnung an die Chriſten in Liefland vom äußerlichen Gottesdienſt und Eintracht“, X, 260: „Ob nun wohl die äußerlichen Ordnungen in Gottesdienſten, als Meſſen, Singen, Leſen, Taufen, nichts tun zur Seligkeit, ſo iſt doch das unchriſtlich, daß man darüber uneinig iſt und das arme Volk damit irremacht und nicht vielmehr achtet die Beſſerung der Leute denn unſern eigenen Sinn und Gutdünken. . . . Denn, wie geſagt iſt, obwohl die äußerlichen Weiſen oder Ordnungen frei ſind und, dem Glauben nach zu rechnen, mit gutem Gewiſſen mögen an allen Orten, zu aller Stunde, durch alle Perſonen geändert werden, ſo ſeid ihr doch, der Liebe nach zu rechnen, nicht frei, ſolche Freiheit zu voll⸗ ziehen, ſondern ſchuldig, acht darauf zu haben, wie es dem armen Volk leidlich und beſſerlich ſei; wie St. Paulus ſpricht 1 Kor. 14, 40: ‚Laſſet alles ehrlich und ordentlich zugehen‘ und 1 Kor. 6, 12: ‚Ich habe es alles Macht, aber es frommet nicht alles‘ und 1 Kor. 8, 1: ‚Das Wiſſen blähet auf, aber die Liebe beſſert‘; und wie er daſelbſt redet von denen, die die Erkenntnis des Glaubens und der Freiheit haben und doch nicht wiſſen, wie ſie die Erkenntnis haben ſollen, weil ſie dieſelbe nicht zur Beſſerung des Volkes, ſondern zum Ruhm ihres Verſtandes gebrauchen.“ Und in ſeinem „Kurzen Bekenntnis vom Sakrament wider die Schwärmer“ vom Jahre 1544 heißt es: „Denn wo es ſonſt ohne Sünde und Gefahr oder ohne Ärgernis geſchehen kann, iſt's gar fein, daß ſich die Kirchen, auch in äußerlichen Stücken, die doch frei ſind, vergleichen, wie ſie ſich im Geiſt, Glauben, Wort, Sakrament uſw. vergleichen. Denn ſolches ſteht fein und gefällt jedermann wohl.“ (XX, 1790.) Es folgt hieraus, daß es ſich leicht zutragen mag, daß ein Chriſt trotz der Freiheit, die er beſitzt, doch in ſolchen Mitteldingen oder Adia⸗ phora ſeine chriſtliche Freiheit nicht ohne weiteres durchſetzt. Paulus iſt uns auch in dieſer Beziehung ein leuchtendes Beiſpiel. Er pocht auf ſeine chriſtliche Freiheit und verteidigt ſie mit aller Entſchiedenheit. Er weigert ſich, Titus zu beſchneiden, weil nämlich die jüdiſchgeſinnten Chriſten in Jeruſalem dies zu einer Bedingung machen wollten, Gal. 2, 3; dagegen beſchnitt er Timotheus um der Juden willen, die in ſeinem Heimatsort Luſtra wohnten, denn ſie wußten alle, daß ſein Vater ein Grieche geweſen war, Apoſt. 16, 3. Er beſteht darauf, daß das Ge⸗ wiſſen der Schwachen geſchont werden müſſe, Röm. 14, 1 ff., und er⸗ innert die Korinther daran, daß ihre Freiheit nicht geraten ſoll zu einem Anſtoß der Schwachen, 1 Kor. 8, 9 ff.; er ſelber aber iſt in Jeruſalem im Jahre 58 bereit, ſich den Reinigungszeremonien der Juden zu unter⸗ ziehen, nur um die zarten Gewiſſen einzelner Gemeindeglieder zu ſchonen, Apoſt. 21, 24—26. Er nahm alſo ſowohl im Falle des Timo⸗ theus als auch bei Gelegenheit ſeines letzten Beſuches in Jeruſalem Zeremonien des jüdiſchen Geſetzes auf ſich, von denen er doch wußte, von denen er auch durch Eingebung Gottes geſchrieben hatte, daß ſie keinen wirklichen Wert hatten. Er ließ ſich durch das Geſetz der Liebe be⸗ ſtimmen und leiten. Ähnlich machte es auch Luther. Ja, eine der inter⸗