# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1930_S25 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1930. 25 daß ein Wort Gottes alle und wiederum alle Worte Gottes eins wären; würden wiſſen, daß alle Artikel unſers chriſtlichen Glaubens einer wären, und wiederum, daß einer alle wäre, und wo man einen fahren läßt, daß gewiß die andern alleſamt mit der Zeit einzelig hinnachfallen; denn ſie hangen alle aneinander und gehören zuſam⸗ men. . . . Darum habe des keinen Zweifel, wenn du Gott in einem Artikel verleugneſt, ſo haſt du ihn gewißlich in allen verleugnet. Denn er läßt ſich nicht ſtückweiſe zerteilen in viel Artikel, ſondern iſt ganz und gar in einem jeden und in allen zumal ein Gott. . . . Darum ſollen wir lernen von der Majeſtät und Herrlichkeit des Worts groß und viel halten; denn es iſt nicht ſo eine geringe und leichte Sache, als die Schwarmgeiſter dieſer Zeit wohl meinen, ſondern ein einiger Tüttel iſt größer und mehr denn Himmel und Erde. Darum fragen wir hier nichts nach chriſtlicher Einigkeit oder Liebe, ſondern brauchen ſtracks des Richtſtuhls; das iſt, wir verfluchen und verdammen alle die, ſo die Majeſtät des Worts auch in dem Allergering⸗ ſten fälſchen und verrücken, denn ‚ein wenig Sauerteig verſäuert den ganzen Teig‘. Wenn ſie uns aber das Wort ganz und unverrückt laſſen, ſind wir bereit, nicht allein Liebe und Einigkeit mit ihnen zu haben, ſondern erbieten uns des, daß wir herzlich gern wollen ihre Knechte ſein und alles tun, was wir nur ſollen.“ Vgl. auch Luthers Schrift „Daß dieſe Worte Chriſti ‚Das iſt mein Leib‘ uſw. noch feſtſtehen wider die Schwarmgeiſter“ (XX, 762 ff.); desgleichen Walthers „Kirche und Amt“, 113 ff. Dieſer Schriftlehre gemäß, wie ſie in den obenangeführten Zeug⸗ niſſen dargelegt iſt, hat die Kirche auch immer praktiziert. Derſelbe Paulus, der ſo ſorgſam auftritt und beſonders auch die Schwachen im Glauben mit aller Entſchiedenheit ſchützt, nimmt mit Bezug auf die judaiſierenden Schleicher und überhaupt die Irrlehrer ſeiner Zeit einen ganz andern Standpunkt ein. Nicht nur im Galaterbrief ſtraft er ſie mit unnachſichtlicher Schärfe, ſondern auch in den letzten Kapiteln des zweiten Korintherbriefs. Schon der Zweifel betreffs der Lehre von der Auferſtehung gibt ihm Anlaß, ſolche Verirrungen entſchieden zurückzu⸗ weiſen, 1 Kor. 15, 12 ff., und was vollends Hymenäus und Philetus betrifft, die der Wahrheit gefehlt hatten und ſagten, die Auferſtehung ſei ſchon geſchehen, ſo tritt er ihnen mit aller Schärfe entgegen, 2 Tim. 2, 17. 18. — Dasſelbe gilt auch von dem Zeitalter der Reformation. Derſelbe Luther, der, wie wir geſehen haben, viel Geduld und Nachſicht üben konnte, der ſich ſogar eines Tetzel und eines Carlſtadt annehmen konnte, als dieſe ſolcher Freundlichkeit bedürftig waren, der auch jahre⸗ lang mit den ſüddeutſchen Theologen, mit Bucer an der Spitze, verhan⸗ deln konnte, wovon die Wittenberger Konkordie ein Zeugnis iſt, mußte um der Wahrheit willen mit aller Schärfe gegen die Römiſchen und ſpäter gegen die Zwinglianer vorgehen, da andernfalls ſein Verhalten auf ein Preisgeben der Wahrheit hinausgelaufen wäre. — Die ganze Frage des Separatismus mit ſeinen böſen praktiſchen Folgen ſoll in der letzten Theſe behandelt werden. 4. Wiewohl Gleichförmigkeit der Zeremonien zur wahren Einigkeit der Kirche nicht nötig iſt, ſo hat doch ſolche Gleichförmigkeit einen Be⸗ kenntniswert und muß unter Umſtänden gefordert werden. Dieſe Theſe iſt der Vollſtändigkeit wegen eingefügt worden. Denn obgleich kirchliche Zeremonien zu den Mitteldingen gehören und darum ſchon aus dieſem Grunde die Einigkeit der Kirche nicht beeinträchtigen