# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1930_S22 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 22 Verhandlungen der zweiunddreißigſten Verſammlung predigte im piſidiſchen Antiochien zuerſt in der Synagoge, und zwar bis zu dem Zeitpunkt, da die Juden widerſprachen und läſterten, Apoſt. 13, 45. Und dann gab er die feierliche Erklärung ab: „Euch mußte zuerſt das Wort Gottes geſagt werden; nun ihr es aber von euch ſtoßet und achtet euch ſelbſt nicht wert des ewigen Lebens, ſiehe, ſo wenden wir uns zu den Heiden“, V. 46. Ähnlich ging es in Ikonium, Apoſt. 14, 1, in Theſſalonich, Apoſt. 17, 1, in Korinth, Apoſt. 18, 4, wo er auch ſchließ⸗ lich genötigt war, dem Widerſtreben und Läſtern der Juden gegenüber die Erklärung abzugeben: „Euer Blut ſei über euer Haupt! Ich gehe von nun an rein zu den Heiden“, V. 6. Selbſt noch als Paulus im Jahre 61 als Gefangener nach Rom kam, nachdem er ſchon im Jahre 58 ſeine herrliche Epiſtel an die Chriſtengemeinde zu Rom geſchrieben hatte, rief er die Vornehmſten der Juden zuſammen, um ſie, wo möglich, für das Evangelium zu gewinnen, Apoſt. 28, 17 ff. Und nur als auch ſie im ganzen ſich dem Evangelium widerſetzten, erinnerte er ſie an das Wort des Propheten Jeſaias, Kap. 6, das unter ähnlichen Umſtänden auch von Chriſto gebraucht worden war, Matth. 13, 14. 15; Mark. 4, 12; Luk. 8, 10. 11; vgl. auch Joh. 12, 39—41. Solange die Apoſtel es mit Mangel an Erkenntnis und mit Schwachheit in der Auffaſſung und dem Verſtändnis der Schriftlehre zu tun hatten, ſolange noch etwa Hoffnung da war, daß man Menſchen für das reine Evangelium gewinnen könnte, ſo lange übten ſie Nachſicht, Langmut, Freundlichkeit, ſo lange waren ſie bereit, um der Liebe willen viel zu vergeben. Ebenſo ſtand es aber auch zur Zeit der Reformation; ſonderlich Luther und die ihm am nächſten ſtehenden Mitarbeiter haben ſo prak⸗ tiziert. In der Apologie, in Art. III, § 122 (Conc. Trigl., 188), leſen wir: „Die Apoſtel vermahnen nicht ohne Urſache zu ſolcher Liebe, wel⸗ ches die philosophi ἐπιείκειαν genannt haben. Denn ſollen Leute in Einigkeit beieinander ſein und bleiben, es ſei in der Kirche oder auch im weltlichen Regiment, ſo müſſen ſie nicht alle Gebrechen gegeneinander auf der Goldwage abrechnen; ſie müſſen laſſen einander faſt viel mit dem Waſſer vorübergehen und immer zugute halten, ſoviel auch immer möglich, brüderlich miteinander Geduld haben.“ Solange es ſich han⸗ delte um Schwachheit, um Gebrechen, um Mangel an Erkenntnis oder auch um menſchliche Fehler in Verbindung mit der Predigt des Evan⸗ geliums und der Verwaltung der Sakramente, ging Luther — und mit ihm die andern Reformatoren Deutſchlands — wirklich bis an die äußerſte Grenze des Erlaubten. Wohl ſelten ſind in der Geſchichte der Kirche unter ähnlichen Umſtänden Predigten gehalten worden, die den Geiſt des wahren Friedens und des Bemühens, die Einigkeit im Geiſt zu bewahren, ſo zum Ausdruck bringen wie die acht Sermone, die Luther nach ſeiner Rückkehr von der Wartburg, vom 9. bis zum 16. März 1522, zu Wittenberg gehalten hat. Obwohl nämlich Luther in der Zeit zwiſchen Dezember 1519, wo er noch ſagte („Sermon von dem hochwürdigen Sakrament des heiligen wahren Leichnams Chriſti“, XIX, 426 ff.): „Wiewohl man jetzt nicht beider Geſtalt dem Volk alle Tage gibt wie vorzeiten, iſt auch nicht not“, und Oktober 1520, wo er in der Schrift „Von der babyloniſchen Gefangenſchaft der Kirche“ das Abendmahl unter beider Geſtalt forderte, zur rechten Erkenntnis ge⸗ kommen war und wohl wußte, daß es ſich um eine klare Schriftlehre handelte, ſo konnte er doch noch in der fünften Predigt der genannten Serie ſagen: „Wiewohl ich's gewiß dafürhalte, daß es vonnöten ſei, dies Sakrament zu nehmen unter beider Geſtalt nach der Einſetzung Chriſti, unſers lieben HErrn, wie es die drei Evangeliſten und St. Paulus klärlich beſchrieben: dennoch ſoll man ſo bald und plötzlich