# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1930_S19 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1930. 19 Wir glauben, daß das Werk der Bekehrung des Menſchen ganz und ausſchließlich Gottes Gnadenwerk iſt, daß der Menſch ſich in keiner Weiſe dazu würdig machen, ſich darauf vorbereiten, überhaupt ſich ſo verhalten kann, daß um dieſes ſeines Verhaltens willen Gott ſein Werk in ihm hätte oder haben könnte; noch kann der Menſch mit geſchenkten Gnadenkräften operieren, als ob eine vorhergehende Gnade in dem Sinne zu verſtehen ſei, daß der Menſch ſich gleichſam in einem Vor⸗ ſtadium der Bekehrung zur Gnade ſchicken könne. Wohl kann der na⸗ türliche Menſch Gottes Wort äußerlich hören und leſen, jedoch kann er auch in dieſem Falle in keiner Weiſe zu ſeiner eigentlichen Bekehrung, zu ſeinem Erwecken zum geiſtlichen Leben, beitragen, ſondern kann, ſoviel an ihm liegt, dies Werk Gottes an ſich nur verhindern. Wir glauben, daß der ewige Ratſchluß Gottes, kurz als Gnaden⸗ wahl bezeichnet, in keiner Weiſe mit Abſicht auf irgendwelches Ver⸗ halten und Tun des Menſchen geſchehen iſt, auch nicht in Anſehung des beharrlichen Glaubens irgendeines Menſchen, als ob Gott auf Grund dieſes Gläubigbleibens hin die Auswahl getroffen hätte, ſondern daß dieſer Gnadenratſchluß ganz allein um Chriſti willen geſchehen iſt, auf Grund der Barmherzigkeit Gottes und des allerheiligſten Verdienſtes Chriſti. Infolge dieſer Wahl bringt der Heilige Geiſt durch das Wort die Auserwählten zum Glauben, läßt ſie, ſelbſt bei zeitweiliger Untreue, im Glauben ſterben und eingehen zu der Seligkeit, die Gott ihnen vor Anbeginn der Welt verordnet hat. Während der allgemeine Gnaden⸗ wille auf alle Menſchen geht, führt die Gnadenwahl dieſen Gnaden⸗ willen tatſächlich an den Auserwählten aus, während bei denen, die verlorengehen, der Gnadenwille Gottes an ihrem beharrlichen, mut⸗ willigen Widerſtreben ſcheitert. Von einer Zornwahl Gottes oder einer Wahl zur ewigen Verdammnis weiß die Schrift nichts. Wir glauben, daß die Kirche Chriſti im eigentlichen Sinne die vom Heiligen Geiſt durch die Gnadenmittel gegründete und ſich er⸗ bauende Geſamtheit der wahren Gläubigen iſt, das heißt, derer, die ihr Vertrauen auf das ſtellvertretende Leben, Leiden und Sterben JEſu Chriſti ſetzen und die durch eben dieſen gemeinſamen Glauben miteinander verbunden ſind. „Und dieſelbige Kirche hat doch auch äußerliche Zeichen, dabei man ſie kennet; nämlich wo Gottes Wort rein gehet, wo die Sakramente demſelbigen gemäß gereicht werden, da iſt gewiß die Kirche, da ſind Chriſten, und wird allein genennet in der Schrift Chriſtus' Leib.“ (Apologie, Conc. Trigl., 226.) Wir glauben, daß Chriſtus alle an ihn Glaubenden vor Gott, ſeinem Vater, zu Königen und Prieſtern gemacht hat, als welchen er ihnen ſämtliche Güter, die er durch ſein Verſöhnungsleiden und ſeinen Verſöhnungstod erworben hat, im ſeligmachenden Evan⸗ gelium und in den Sakramenten verleiht. Dieſes allgemeine Prieſter⸗ tum ſoll jeder Chriſt, je nachdem Gott ihm Gelegenheit dazu bietet, nach dem Maße ſeiner Erkenntnis und ſeiner Kräfte und innerhalb der von Gott geſetzten Grenzen durch ſein Zeugnis für die ſeligmachende Wahr⸗ heit betätigen. Wir glauben, daß im Unterſchied von dem allgemeinen Prieſtertum das Predigtamt im engeren Sinne oder das Pfarramt ſeinem Weſen und ſeiner Aufgabe nach darin beſteht, daß eine dazu tüchtige und ordentlich berufene Perſon eine beſtimmte Gemeinde an Chriſti Statt durch Gottes Wort erbaut, belehrt, und regiert und in ihrer Mitte von Gemeinſchafts wegen die Sakramente verwaltet. Dies Amt iſt göttlicher Stiftung, und ſeine jetzt genannten Funktionen ſind in Gottes Wort genau beſtimmt. Die Aufrichtung desſelben iſt daher