# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1930_S9 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1930. 9 1. Die Einigkeit im Geiſt iſt eine weſentliche Eigenſchaft der ganzen Chriſtenheit auf Erden, der Kirche im eigentlichen Sinne des Worts. Dieſe Einigkeit iſt eine Frucht des Geiſtes, ein Ausdruck des Glaubens, der ſich auf Chriſtum als den Sünderheiland verläßt und darum auch die Schrift annimmt und in allen Stücken feſthält. Da jedoch die Glieder dieſer einen heiligen chriſtlichen Kirche nur Gott bekannt ſind, ſo iſt es auch ihm allein bewußt, wie vollkommen oder unvoll⸗ kommen Erkenntnis und Bekenntnis des einzelnen Gliedes dieſer Kirche ſind. „Einigkeit im Geiſt“ iſt ein bibliſcher Ausdruck. Er wird gebraucht von dem Apoſtel Paulus Eph. 4, 3, wo er ſeine Leſer ermahnt: „Seid fleißig, zu halten die Einigkeit im Geiſt (σπουδάζοντες τηρεῖν τὴν ἑνότητα τοῦ πνεύματος). Mit dem Ausdruck „Einigkeit im Geiſt“ iſt jedenfalls nicht gemeint, wie manche ältere und neuere Ausleger angenommen haben, „die Einheit des Heiligen Geiſtes, der die Einheit ſchafft und erhält“, ſondern, wie das auch in Luthers überſetzung ſchon liegt, „die Einheit der Geſinnung“. Allerdings iſt es wahr, daß dieſe Einheit oder Einigkeit eine Schöpfung des Heiligen Geiſtes iſt, aber daß es nicht eine weſentliche Eigenſchaft der dritten Perſon der Gottheit iſt, liegt ſchon in dem Wort „halten“ oder „bewahren“; denn der Apoſtel würde kaum die Chriſten ermahnen wollen, eine weſentliche Eigenſchaft des Heiligen Geiſtes zu bewahren. Nein, die Einigkeit oder Einheit des Geiſtes iſt das in den Chriſten vom Heiligen Geiſt geſchaffene neue Leben, kraft deſſen alle Gläubigen, wo ſie auch ſein mögen, ein Herz und eine Seele ſind, wie das auch von der ſichtbaren Gemeinde zu Jeruſalem aus⸗ drücklich geſagt wird, Apoſt. 4, 32. Weil nämlich alle Chriſten einen HErrn, einen Glauben (die Annahme Chriſti als des Sünder⸗ heilandes und das Vertrauen auf ſeine Erlöſung), eine Taufe (als das Sakrament der Aufnahme in die chriſtliche Kirche), einen Gott und Vater unſer aller haben, Eph. 4, 5. 6, weil ſie, durch einen Geiſt alle zu einem Leibe getauft ſind, ſie ſeien Juden oder Griechen, Knechte oder Freie, und alle zu einem Geiſte getränkt, 1 Kor. 12, 13, deswegen ſind ſie auch völlig einig im Geiſt. Dieſe Einheit iſt eine weſentliche Eigenſchaft der Chriſten in ihrer Geſamtheit. Dieſe Einigkeit iſt eine Frucht des Geiſtes, ein Ausdruck des Glaubens. In ſeinem hoheprieſterlichen Gebet ſpricht unſer Heiland: „Ich bitte aber nicht alleine für ſie [für die Apoſtel, die anweſend waren als JEſus das Gebet ſprach], ſondern auch für die, ſo durch ihr Wort an mich glauben werden, auf daß ſie alle eins ſeien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; daß auch ſie in uns eins ſeien, auf daß die Welt glaube, du habeſt mich geſandt. Und ich habe ihnen gegeben die Herrlichkeit, die du mir gegeben haſt, daß ſie eins ſeien, gleichwie wir eins ſind, ich in ihnen und du in mir, auf daß ſie vollkommen ſeien in eins und die Welt erkenne, daß du mich geſandt haſt und liebeſt ſie, gleichwie du mich liebeſt“, Joh. 17, 20—23. Achten wir hier auf den Ausdruck „daß ſie eins ſeien“, den der Heiland viermal wiederholt. Er bezeichnet die Einigkeit der Gläubigen nach Sinn, Willen und Gemüt. Dieſe Einigkeit iſt Tatſache; ſie findet ſich bei allen Menſchen, die durch die Kraft des Heiligen Geiſtes im Wort zum Glauben gekommen ſind; ſie iſt Ausdruck und Bezeugung dieſes Glaubens. Der Apoſtel Paulus ſpricht denſelben Gedanken aus Gal. 3, 28: „Hie iſt kein Jude noch Grieche, hie iſt kein Knecht noch Freier, hie iſt kein Mann noch Weib; denn ihr ſeid allzumal einer in Chriſto JEſu.“ Wie nämlich dieſe