# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1930_S6 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 6 Verhandlungen der zweiunddreißigſten Verſammlung Lehrverhandlungen. Wahre Union im Gegenſatz zu Unionismus und Separatismus. Referent: D. P. E. Kretzmann. über die Frage der chriſtlichen Einigkeit, der glaubensbrüderlichen Gemeinſchaft, iſt inmitten der Synodalkonferenz ſchon oft verhandelt worden, von einzelnen Konferenzen und Synodaldiſtrikten ſowohl wie von ganzen Synoden ſowie in den verſchiedenen Zeitſchriften, die in populärer und in wiſſenſchaftlicher Weiſe dieſe wichtige Frage behandelt haben. So hat der Öſtliche Diſtrikt der Miſſouriſynode im Jahre 1888 ein Referat über die Bewahrung der rechten Einigkeit gehört, der Oregon⸗ und Waſhington⸗Diſtrikt im Jahre 1924, und dasſelbe Thema erſcheint auch ſonſt wiederholt als ein Teil einer längeren Arbeit. Auch auf den Verſammlungen der Synodalkonferenz iſt des öfteren gerade über dieſen Punkt verhandelt worden. Bekannt iſt die Geſchichte der Vorverhandlungen von 1870 und 1871, die der Bildung der Synodalkonferenz vorausgingen, in denen fortwährend Bezug genommen wurde auf die bibliſchen Grundſätze, die bei einer ſolchen Verbindung beachtet werden müſſen. Bekannt iſt auch die „Denkſchrift“ vom Jahre 1871, in der die Worte des 10. Artikels der Konkordienformel von der rechten Einigkeit der Kirche angeführt werden. Dieſe Grundſätze treten deutlich hervor in den Lehrverhandlungen vom Jahre 1888, die von Prof. F. Pieper von St. Louis auf Grund der folgenden Theſen geleitet wurden: „1. Unter Einigkeit im Glauben verſtehen wir die übereinſtim⸗ mung in allen Artikeln der in der Heiligen Schrift geoffenbarten chriſtlichen Lehre. „2. Dieſe Einigkeit im Glauben iſt möglich, weil alle Artikel der chriſtlichen Lehre in der Heiligen Schrift klar geoffenbart ſind. „3. Dieſe Einigkeit im Glauben iſt von Gott gewollt, weil Gott ſowohl die gläubige Annahme ſeiner ganzen Offenbarung befiehlt als auch jede Abweichung von derſelben ſtreng verbietet. „4. Die notwendige äußere Bezeugung der Einigkeit im Glauben beſteht darin, daß die in Einigkeit des Glaubens Stehenden ſich zueinander als Glaubensbrüder bekennen. „5. Die in Einigkeit des Glaubens Stehenden ſollen dieſe als ein überaus herrliches, von der freien Gnade Gottes verliehenes Gut mit allem Fleiß pflegen und zu bewahren ſuchen.“ Im Jahre 1906 lagen der Synodalkonferenz folgende von Prof. J. Ph. Köhler verfaßten Leitſätze zur Beſprechung vor: „1. Was iſt die Einigkeit im Geiſt? Was bedeutet der Ausdruck? 1. Nicht die Einheit des Geiſtes als der dritten Perſon der Gottheit in dem Sinne, a) daß er nur der eine iſt, der in der Kirche waltet, oder b) daß er die Einheit der Kirche ſchafft, ſondern 2. die Einheit des Geiſtes, der das vom Heiligen Geiſte in den einzelnen Chriſten geſchaffene neue Leben iſt. — Was iſt der Inhalt dieſes neuen Lebens? Glaube, Liebe, Hoffnung. „2. Was ſoll uns bewegen, dieſe Einigkeit im Geiſte zu wahren? Ihre Bedeutung als eines weſentlichen Stückes der wahren Kirche, von Gott verordnet, von Chriſto hergeſtellt, vom Heiligen Geiſte durchs Evangelium unter den Menſchen ausgeführt.