# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1928_S34 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 34 Verhandlungen der einunddreißigſten Verſammlung Der Hebräerbrief macht auch darauf aufmerkſam, in welcher Weiſe Chriſtus ſo für uns bittet. Er tut das nicht bloß in Gebetsworten, worauf die bisher angeführten Stellen hindeuten, ſondern auch gerade durch Hinweis auf ſein Verſöhnungsopfer. Hebr. 12, 24 heißt es, daß wir hingekommen ſind zu dem Mittler des Neuen Teſtaments, JEſu, und zu dem Blut der Beſprengung, das da beſſer redet denn Abels. Ja, JEſu Blut redet. „Blut“ iſt hier ein anderer Name für Leiden und Sterben. Das Blut JEſu erhebt gleichſam ſeine Stimme und redet beſſer als Abels Blut. Denn während das Blut des letzteren nach Rache ſchrie, ruft Chriſti Blut: Barmherzigkeit, Vergebung! Dem wird der Vater im Himmel nicht widerſtehen. Dieſer letztere Ausdruck hilft uns auch die Frage beantworten: Für wen findet dieſe Fürbitte Chriſti ſtatt? Daß er für uns Chriſten fleht, iſt ja deutlich genug in den Worten, die wir betrachtet haben, geſagt. Aber der Ausſpruch, daß JEſu Blut beſſer ſchreit als Abels, erweckt den Eindruck, daß JEſus es nicht bei der Fürbitte für ſeine Jünger bewenden läßt. Sein Blut ſchreit im allgemeinen nach Barm⸗ herzigkeit. Wenn wir dann noch das für ſeine Peiniger geſprochene Wort am Kreuz mit hinzunehmen: „Vater, vergib ihnen, denn ſie wiſſen nicht, was ſie tun!“ das Gebet, das ſchon in der Weisſagung des Jeſaias erwähnt wird, wo es heißt: „Er hat für die übeltäter gebeten“, dann gehen wir gewiß nicht fehl, wenn wir ſagen: JEſus bittet jetzt auch für die Ungläubigen, nämlich daß ſie zum Glauben kommen und Gottes Verſöhnung auch für ihre eigene Perſon erlangen mögen. Zum andern kam dem Hohenprieſter des Alten Teſtaments auch das Segnen zu. Am Schluß des Gottesdienſtes erhob er ſeine Hände und ſprach den Segen. So haben wir uns nun auch unſern Hohen⸗ prieſter nicht bloß als bittend, ſondern auch als ſegnend zu denken. Es iſt ein Doppeltes, was wir uns in dieſem Zuſammenhang aus dem Hebräerbrief vorführen können. Er lehrt uns, daß JEſus als unſer Hoherprieſter uns zum Glauben bringt. Wie wir gehört haben, werden wir durch den Glauben für unſere eigene Perſon der Verſöhnung Gottes teilhaftig. Aber dieſen Glauben können wir nicht uns ſelbſt verleihen. Aus uns ſelbſt können wir nur eins tun: nicht glauben, JEſu Wort und Gnade verwerfen. Er, der rechte Hoheprieſter, wirkt in uns das Hinnehmen der göttlichen Vergebung. Wir leſen nämlich Hebr. 12, 2, daß JEſus Anfänger und Vollender des Glaubens iſt. JEſus iſt der Anfänger, der Urheber, des Glaubens. Er ſchafft in uns, freilich nicht ohne Mittel, ſondern durch Wort und Sakrament, worin ſein Geiſt wirkt, die fröhliche Gewißheit, daß wir durch ſein Wirken einen ver⸗ ſöhnten Gott haben. Und ferner erhält er als unſer Hoherprieſter uns in dieſem Glau⸗ ben und hilft uns überhaupt in unſerer Schwachheit. Er iſt ja nicht bloß der Anfänger, ſondern auch der Vollender unſers Glaubens, wie wir eben gehört haben. Bleiben wir treu, ſo haben wir es ihm allein zuzuſchreiben. Es ſind, wie wir wohl wiſſen, viele Gefahren und Feinde da, die uns den Glauben entreißen wollen. Und wie ſchwach ſind wir! Wie leicht erliegen wir den Verſuchungen, die an uns heran⸗ treten! Da gibt uns die Schrift den großen Troſt, daß unſer Hoher⸗ prieſter JEſus uns zur Seite ſteht und uns hilft. Es iſt das ein herr⸗ liches Stück göttlicher Wahrheit, worauf der Hebräerbrief mit Nachdruck aufmerkſam macht. Wie wir ſchon bei der zweiten Theſe kurz hörten, weiſt der heilige Schreiber nach, daß JEſus uns gar wohl helfen kann, weil er nämlich ſelber ein Menſch geworden iſt, wie wir, nur ohne Sünde.