# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1928_S33 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1928. 33 daß die Schrift JEſu hoheprieſterliches Wirken nicht ausſchließlich in das Herſtellen des rechten Verhältniſſes zwiſchen Gott und der Welt ſetzt. Auch nach Vollendung dieſes großen Werkes iſt er noch als unſer Hoherprieſter tätig. Iſt er doch ein Hoherprieſter in Ewigkeit, wie wir ſchon gehört haben. Eine wichtige Stelle iſt Hebr. 8, 1. 2, wo JEſus genannt wird ein Pfleger der heiligen Güter und der wahrhaftigen Hütte, die Gott aufgerichtet hat und kein Menſch. Inwiefern wirkt er denn jetzt noch in dieſem Amt? Der Hebräerbrief weiſt auf mehrere Sachen hin. Einmal führt er aus, daß Chriſtus jetzt für uns bittet. So leſen wir Hebr. 7, 25: „Daher er auch ſelig machen kann immerdar, die durch ihn zu Gott kommen, und lebet immerdar und bittet für ſie.“ Dieſelbe Wahrheit hat die Schrift uns auch ſonſt bezeugt. 1 Joh. 2, 1 heißt es: „Ob jemand ſündiget, ſo haben wir einen Fürſprecher bei dem Vater, JEſum Chriſtum, der gerecht iſt.“ Und Paulus ruft aus in ſeinem großen Hymnus Röm. 8, nämlich in V. 34: „Wer will ver⸗ dammen? Chriſtus iſt hie, der geſtorben iſt, ja vielmehr, der auch auf⸗ erwecket iſt, welcher iſt zur Rechten Gottes und vertritt uns.“ Auf Grund dieſer Schriftworte müſſen wir ſagen, daß JEſus auch jetzt noch in herrlicher Weiſe für uns tätig iſt. Er fleht Gott an, uns zu vergeben. Er iſt unſer Fürſprecher. Im Grundtext (1 Joh. 2, 1) ſteht das Wort Paraklet, das heißt, Sachwalter, Advokat. Chriſtus führt alſo unſere Sache bei Gott. Wir ſelber ſind noch nicht im Himmel. Wir können allerdings beten, aber wie wenig eifrig ſind wir im Gebet! Und ſelbſt wenn wir beten, was ſind wir anders als ſchwache, ſündige Menſchen! Und nun übertreten wir Gottes heiliges Geſetz noch ſo häufig und laden Schuld auf uns. Wir müſſen mit Luther bekennen, daß wir täglich viel ſündigen und wohl eitel Strafe verdienen. Aber da haben wir den Troſt, daß Chriſtus für uns bittet, damit Gott uns vergebe. Das iſt ja nicht nötig, ruft wohl der Spötter aus. Ihr lehrt doch, Gott ſei verſöhnt durch das Opfer ſeines Sohnes. Warum dann noch beten? Ja freilich, Gott iſt verſöhnt. Er hat uns auch, als wir zum Glauben kamen, die Vergebung aller unſerer Sünden für unſere eigene Perſon geſchenkt. Aber wenn wir ſündigen, ſo fällt uns das ſchwer aufs Gewiſſen, und wir wollen immer wieder von neuem die Gewißheit haben, daß Gott uns die Sünde nicht anrechnet. Uns verlangt immer nach dem Wort: „Mein Sohn, deine Sünden ſind dir vergeben.“ Darum beten wir täglich im Vaterunſer: „Und vergib uns unſere Schuld.“ Und wie herrlich nun, daß nicht nur wir ſo beten, ſondern auch Chriſtus, unſer Hoherprieſter für uns bittet! Da können wir denn gewiß ſein, daß die Sünde auch wirklich vergeben wird. Und wir wollen hierbei nicht bloß an Sündenvergebung denken. Chriſtus macht überhaupt unſere Sache zu ſeiner Sache (Schlatter). Was wir be⸗ dürfen, erfleht er für uns. Muß uns das nicht in allen Lebenslagen freudig und getroſt machen? Man hat darauf hingewieſen, daß auch in dieſem Stücke JEſus der Antitypus iſt, das heißt, die Erfüllung der Realweisſagung des Alten Teſtaments, die uns im Hohenprieſter entgegen tritt. Der Hohe⸗ prieſter des Alten Bundes mußte vor Gott erſcheinen und Räuchwerk verbrennen. Das Räuchern iſt Symbol des Gebets, hat man mit Recht geſagt. Man denke an Pſ. 141, 2: „Mein Gebet müſſe vor dir taugen wie ein Rauchopfer, mein Händeaufheben wie ein Abendopfer“; ferner an Offenb. 5, 8, wo von den vierundzwanzig Älteſten im Himmel geſagt wird, daß ſie güldene Schalen voll Rauchwerks hatten, welches ſind die Gebete der Heiligen. So beweiſt ſich Chriſtus als der rechte Hohe⸗ prieſter auch gerade in ſeinem Gebete, in ſeiner Fürbitte für uns.