# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1928_S31 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1928. 31 worbene Vergebung der Sünden, mangelhaft wäre. Es liegt das viel⸗ mehr daran, daß ſo viele Menſchen ſich nicht an JEſum, unſern Hohen⸗ prieſter, gläubig anklammern wollen. Gott iſt verſöhnt, er reicht die Hand der Verſöhnung den Menſchen hin. So bitten wir nun an Chriſtus' Statt, ruft Paulus aus: „Laßt euch verſöhnen mit Gott!“ Aber das Traurige geſchieht: die meiſten Menſchen wollen die ihnen hingehaltene Hand nicht ergreifen, ſchlagen ſie aus, wenden Gott den Rücken und wollen lieber ſeine Feinde bleiben, als die von ihm ihnen angebotene Vergebung hinnehmen. So bleiben ſie denn in ihrem Her⸗ zen unverſöhnt mit Gott und gehen verloren. Die Schuld liegt nicht bei Gott, ſie liegt ganz bei ihnen ſelbſt. Die Heilige Schrift lehrt uns, daß das Ergreifen der Verſöhnungs⸗ hand Gottes durch den Glauben an JEſum Chriſtum geſchieht. Indem man nämlich auf ihn und ſein Werk vertraut, ihn als Hohenprieſter anerkennt und bei ihm Zuflucht ſucht gegen Gottes Zorn, nimmt man, was er uns verdient hat: Gottes Vergebung und liebevolle Zuneigung. Darum ermahnt der Hebräerbrief, indem er JEſum als den Hohen⸗ prieſter ſchildert, ſo häufig zum Glauben an ihn und preiſt die Herrlich⸗ keit des Glaubens in einem der ſchönſten Kapitel des Neuen Teſtaments, dem großen 11. Kapitel. Darum ſagt uns der heilige Schreiber dieſes Briefes auch, daß der Weg zum Allerheiligſten, der Weg in Gottes un⸗ mittelbare Gegenwart, uns durch Chriſti Werk nun offen ſtehe, und fordert uns auf, doch dieſen Weg zu gehen mit wahrhaftigem Herzen in völligem Glauben. Daß wir durch den Glauben für unſere eigene Perſon der Verſöhnung mit Gott teilhaftig werden, bezeugt Paulus ſo oft, zum Beiſpiel in den bekannten Worten Röm. 5, 1. 2: „Nun wir denn ſind gerecht worden durch den Glauben, ſo haben wir Frieden mit Gott durch unſern HErrn JEſum Chriſtum; durch welchen wir auch einen Zugang haben im Glauben zu dieſer Gnade, darinnen wir ſtehen.“ Die Gerechtigkeit oder die Sündenvergebung, mit andern Worten, die Ver⸗ ſöhnung Gottes, iſt ein fertiges Gut. Dies wird uns hingehalten. Wenn wir es gläubig ergreifen, dann wird es unſer perſönliches Eigen⸗ tum, ſo daß wir ausrufen können: Ich habe, was meine Seele bedarf: Verſöhnung, Vergebung. Ja, nur die Gläubigen werden des Segens des Werkes JEſu teil⸗ haftig. Wir ſehen nämlich aus der Schrift, daß Gott niemand zwingt, ſeine Gnadenhand zu ergreifen oder, was dasſelbe iſt, ſeine Vergebung hinzunehmen. JEſus hatte ſich bemüht, den Bürgern Jeruſalems die Gnade Gottes zu bringen. Sie bekamen ſie nicht. Warum nicht? „Ihr habt nicht gewollt“, iſt ſeine Klage. Nicht wandte er Gewalt an, um ſie zur Annahme ſeiner Botſchaft von der Verſöhnung zu bewegen. Sie wollten nicht, und ſie blieben bei ihrem Nichtwollen trotz ſeiner wiederholten Einladung. So bekamen ſie die Vergebung nicht für ihre eigene Perſon. Preuß ſchreibt mit Recht in ſeinem bekannten Werk „Die Rechtfertigung des Sünders vor Gott“: „Die Pforten des Ge⸗ fängniſſes ſind zertrümmert; Gottes Boten ſtehen an der Schwelle und ſprechen: Kommt heraus! Iſt es Gottes Schuld, wenn etliche darin bleiben, weil ihnen ihr Kerker gefällt? Allen zu Babylon gefangenen Juden war die Freiheit geſchenkt; die aber dort bleiben wollten, er⸗ langten dieſelbe nicht.“ Das Nichtwollen hält ſo viele davon ab, am Hochzeitsmahl des Lammes teilzunehmen. Daß freilich das Wollen nicht des Menſchen eigenes Werk iſt, daß ihm dies vielmehr von oben geſchenkt werden muß, iſt ebenfalls eine große Wahrheit, auf die wir bei der letzten Theſe noch kurz achten werden. Wie traurig, daß trotz des Vorhandenſeins der Verſöhnung für alle ſo viele dieſer nicht für ihre eigene Perſon habhaft werden, weil