# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1928_S30 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 30 Verhandlungen der einunddreißigſten Verſammlung den Worte Hebr. 9, 28: „Alſo iſt Chriſtus einmal geopfert, wegzu⸗ nehmen vieler Sünden.“ „Vieler Sünden“, nicht: die Sünden aller. Aber ſehen wir uns dieſe Stellen ganz unbefangen an. Was beſagt wird, iſt, daß JEſus ſein Leben hingibt für viele. Sagt die Schrift damit, daß er es nicht für alle dahingibt? Das liegt doch nicht in den Worten. „Viele“ wird hier nicht im Gegenſatz zu „alle“ gebraucht, ſondern im Gegenſatz zu „wenige“. Chriſtus geht in den Tod, nicht für einen, nicht für wenige, ſondern für viele, das iſt der Sinn. Daß die Schar derer, für die er leidet und ſtirbt, groß iſt, ſoll betont werden. Wir ſagen etwa von einem Paſtor: er hat in ſeinem Leben viele Beichtkinder getröſtet. Wollen wir damit ſagen, daß er nicht alle Beichtkinder, die ihm anbefohlen waren, getröſtet hat? Doch gewiß nicht, ſondern nur, daß die Zahl ſeiner Beichtkinder groß war. Es fehlt daher den genannten von den Calviniſten angeführten Stellen jegliche Beweiskraft für ihre Lehre. Der wahrhaft erdrückenden Wucht der Schriftſtellen von dem allge⸗ meinen Charakter des Werks JEſu verſuchen manche Calviniſten dadurch zu entgehen, daß ſie ſagen: Ja, geſchehen iſt der Tod Chriſti für alle, aber er iſt nicht für alle wirkſam. Sie wollen unterſcheiden zwiſchen der sufficientia und der efficacia des Todes Chriſti. Chriſti Werk ſei wohl genügend für alle, aber nur für die Auserwählten ſei es ein wirk⸗ ſamer Tod. In dieſer Weiſe ſpielten ſie mit Ausdrücken, wie Quenſtedt ihnen mit Recht vorhält (ludunt terminis), ſie wollen auf beiden Schul⸗ tern tragen, die calviniſche Lehre von der Gültigkeit des Todes JEſu für die Auserwählten allein aufrechterhalten und doch zur ſelben Zeit auch die Schriftſtellen von der Allgemeinheit der Verſöhnung annehmen. Die Unterſcheidung, die ſie machen, hat abſolut keinen Grund in der Schrift. Was die Verſöhnung anbetrifft, ſo iſt dieſe geradeſo vollkommen, ſo hin⸗ reichend, ſo wirkſam, ſo kräftig für die Verlorengehenden wie für die Auserwählten. Chriſtus hat eben Gottes Gerechtigkeit vollkommen zu⸗ friedengeſtellt inbezug auf alle Menſchen, ſeien ſie nun Gläubige oder Ungläubige, Auserwählte oder ſich ins Verderben Stürzende. Es gibt da keinen Grad, keine Abſtufung, kein Mehr oder Weniger. JEſus hat die Sünden des Saul und des Judas geradeſogut getragen und geſühnt wie die des David und des Petrus. Rauben wir doch ja nicht dem armen betrübten Sünder den göttlichen Troſt der Schrift durch die Be⸗ hauptung: Ja, Chriſtus hat wohl deine Sünden getragen, aber ob in wirkſamer Weiſe, das wiſſen wir nicht. Meine Brüder, es iſt eine herrliche Lehre, die wir hier miteinander aus der Schrift ſchöpfen dürfen, die Lehre von der Allgemeingültigkeit des Opfers JEſu. Sie liefert uns einen feſten, objektiven Hoffnungs⸗ grund, das heißt einen Grund, der durchaus nicht abhängig iſt von unſerer eigenen Stellung, unſerm eigenen Verhalten oder Gefühl. Gott iſt verſöhnt: ſo ertönt es in die Welt hinein. Das iſt einfach eine Tatſache. Das gilt für die Menſchen, die in der Zeit des Neuen Teſta⸗ ments leben, aber ebenſo für die, die vor Chriſti Geburt auf Erden wandelten. Es gilt Armen und Reichen, Hohen und Niederen, Frommen und Gottloſen, Gläubigen und Ungläubigen, den Seligen im Himmel und den Verdammten in der Hölle. Vergebung iſt da; daran kann nichts im Himmel noch auf Erden rütteln, darauf können wir alle An⸗ gefochtenen, alle armen Sünder verweiſen, und dort finden ſie Troſt für ihr geplagtes Herz. Ja, die Verſöhnung iſt für alle geſchehen. Aber leider werden doch nicht alle Menſchen ſelig. Das kommt nicht daher, wie wir nun ſattſam geſehen haben, daß das Verſöhnungswerk, die von Chriſto er⸗