# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1928_S29 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1928. 29 unſer aller Sünde auf ihn.“ Paulus ſchreibt in demſelben großen Kapitel, aus dem die vorhin beſprochene Stelle genommen iſt, 2 Kor. 5: „Chriſtus iſt darum für ſie alle geſtorben, auf daß die, ſo da leben, hinfort nicht ihnen ſelbſt leben, ſondern dem, der für ſie geſtorben und auferſtanden iſt.“ Und das Buch, aus dem wir dieſer Tage beſonders Belehrung geſchöpft haben, der Hebräerbrief, ſagt Kap. 2, 9: „auf daß Chriſtus von Gottes Gnaden für alle den Tod ſchmeckete“. 1 Tim. 2, 5. 6 ſchreibt Paulus die goldenen Worte: „Denn es iſt ein Gott und ein Mittler zwiſchen Gott und den Menſchen, nämlich der Menſch Chriſtus JEſus, der ſich ſelbſt gegeben hat für alle zur Erlöſung, daß ſolches zu ſeiner Zeit geprediget würde.“ Und mit dieſen ſtarken Aus⸗ ſprüchen, in denen die Ausdrücke „Welt“ und „alle“ im Vordergrund ſtehen, iſt die Schrift noch nicht zufrieden. Sie ſagt uns gleichſam zum überfluß noch, daß ſelbſt die, die verlorengehen, hier nicht ausge⸗ nommen ſind. Paulus ſchreibt 1 Kor. 8, 11: „Und wird alſo über deiner Erkenntnis der ſchwache Bruder umkommen, um welches willen doch Chriſtus geſtorben iſt.“ Und Petrus ſagt in ſeiner zweiten Epiſtel, Kap. 2, 1, indem er von den falſchen Propheten und Lehrern redet: „Sie verleugnen den HErrn, der ſie erkauft hat, und werden über ſich ſelbſt führen eine ſchnelle Verdammnis.“ In welch wahrhaft gewaltiger, alle Zweifel niederſchlagender Weiſe verkündigt uns alſo die Schrift die Wahrheit, daß Chriſtus für die Sünden aller Menſchen genuggetan hat! Wie wir wiſſen, erhebt ſich hiergegen der Widerſpruch der Calvi⸗ niſten. Nur für die Auserwählten hat Chriſtus Verſöhnung mit Gott herbeigeführt, iſt ihre Behauptung, womit ſie die Gnadenſonne ver⸗ dunkeln. Haben ſie dafür Schriftgrund? Durchaus nicht. Kläglich iſt es, wie ſie ſich mit den Ausdrücken, Chriſtus ſei die Verſöhnung für die Sünde der Welt, er habe ſich für alle gegeben zur Erlöſung, ab⸗ finden wollen. Chriſtus hat ſich ſelbſt gegeben für alle zur Erlöſung, das, ſagen ſie, habe den Sinn, er habe ſich für alle Völker, für alle Klaſſen, für alle Stände gegeben. Es liege in dieſen Worten nicht, daß er für alle Individuen in den Tod gegangen ſei. Das heißt fürwahr der Schrift eine wächſerne Naſe machen, die man nach Belieben ſo oder ſo drehen kann. Eine ſolche Schriftauslegung brauchen wir nicht ernſt zu nehmen. Ein ähnliches jammervolles Sichwinden der Calviniſten gewahren wir bei ihrem Verſuch, die Worte „Chriſtus iſt die Verſöhnung für die Sünde der Welt“ mit ihrer Theologie in Einklang zu bringen. „Welt“ bedeute die Kirche der Auserwählten in der ganzen Welt, ſagen einige von ihnen, und ſetzen ſo ein quid pro quo oder, wie man auf deutſch ſagt, ein X für ein U. Calvin ſelbſt ſagt zu 1 Joh. 2, 2, mit „Welt“ ſeien diejenigen gemeint, die einſtmals glauben würden und die über die verſchiedenen Weltteile zerſtreut ſeien. Ganz richtig erklärt Huther im Meyerſchen Kommentar, dem man nicht Voreingenommen⸗ heit für das lutheriſche Bekenntnis vorwerfen kann, die Auslegung Calvins für ungehörig und ſagt, das Wörtlein „ganz“ („der ganzen Welt“) ſetze die Sache außer allen Zweifel. Er zitiert dann auch das ſchöne Wort Bengels: „Soweit die Sünde, ſo weit erſtreckt ſich auch die Verſöhnung.“ Die Calviniſten haben allerdings behauptet, daß in einigen Stellen der Schrift eine Beſtätigung ihrer Lehre zu finden ſei. Sie weiſen hin auf Matth. 20, 28, wo der Heiland ſagt: „Gleichwie des Menſchen Sohn iſt nicht kommen, daß er ihm dienen laſſe, ſondern daß er diene und gebe ſein Leben zu einer Erlöſung für viele.“ „Für viele“, ſagen ſie, heiße es, nicht: für alle. Sie weiſen ferner auf die ähnlich lauten⸗