# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1928_S23 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1928. 23 Wie wenig berechtigt aber der Einwand iſt, JEſus habe in einem Leiden, das nur ſechs Stunden gewährt habe, doch nicht das Vollmaß der über die Menſchheit verhängten Strafen erſchöpft, wird klar, wenn man bedenkt, wer es iſt, der ſein Blut dort am Kreuz vergießt. Das iſt nämlich nicht ein bloßer Menſch, der dort rief: „Mein Gott, mein Gott, warum haſt du mich verlaſſen?“ ſondern der Sohn Gottes, der große Gott ſelbſt. Eine Stelle, die ich noch nicht angeführt habe, iſt Apoſt. 20, 28: „So habt nun acht auf euch ſelbſt und auf die ganze Herde, unter welche euch der Heilige Geiſt geſetzet hat zu Biſchöfen, zu weiden die Gemeinde Gottes, welche er durch ſein eigen Blut er⸗ worben hat.“ „Durch ſein eigen Blut.“ Es iſt dem Apoſtel nicht genug, daß er ſagt „durch ſein“, das heißt, durch Chriſti Blut. Er fügt das Eigenſchaftswort hinzu „eigen“. Ja, ſein Blut war es, das er gleichſam als Kaufpreis darbot. Und er iſt Gott; „ſein Blut, der edle Saft, hat ſolche Stärk' und Kraft, daß auch ein Tröpflein kleine die ganze Welt kann reine, ja gar aus Teufels Rachen frei, los und ledig machen“. Philippi geht auf alle Einzelheiten des eben beſprochenen Ein⸗ wurfs mit großer Schärfe ein. Die Sozinianer hatten geſagt, es gehe nicht an, daß Gottes Sohn in ein paar Stunden das leide, was die Menſchen eigentlich in alle Ewigkeit erdulden ſollten. Vor Gott gelte eben kein Anſehen der Perſon. Da antwortet Philippi, daß dies Schriftwort ganz unpaſſend hier angeführt werde. Es habe ja eine ganz andere Beziehung in ſeinem Zuſammenhang. Niemand könne ferner leugnen, daß der freiwillig übernommene Tod des Fürſten des Lebens eine höhere Bedeutung habe als das gleiche oder ſelbſt größere ſelbſtverſchuldete und pflichtmäßig erduldete Leiden des gebornen Knechtes. — Die Sozinianer hatten ferner eingewandt, es müſſe doch zwiſchen dem Leiden des höher und des niedriger Geſtellten, wenn ſie als Äquivalent gelten ſollten, irgendwelche Proportion ſtattfinden. Darauf antwortet Philippi, daß Chriſtus denſelben Gotteszorn in momentaner Intenſität erduldet habe, den wir in ſukzeſſiver Ex⸗ tenſion tragen ſollten. — Die Sozinianer hatten auch behauptet, Chriſtus habe höchſtens einen ewigen Tod erduldet zur Erlöſung der Menſchen; es ſeien aber viele ewige Tode zu erdulden geweſen. Philippi antwortet: Ja, aber Chriſtus hat eben nicht als einzelner, gewöhnlicher Menſch, als einer unter vielen, ſondern er hat als Gott⸗ menſch, der mehr wiegt als alle, den ewigen Tod erduldet. — Schließlich hatten die Sozinianer behauptet, wenn die Perſon JEſu ſo ſehr in die Wagſchale falle, dann hätte ja auch ein geringeres Leiden ſeinerſeits genügt, und ſein ſchrecklicher Tod wäre unnötig geweſen. Darauf er⸗ widert Philippi: Nach der unverbrüchlichen Gerechtigkeit Gottes mußte zur Tilgung der ewigen oder unendlichen Sündenſchuld der ewige Tod erduldet werden, und dies Werk hat JEſus, der Gottmenſch, voll⸗ bracht. So widerlegt er trefflich alle die Argumente der Gegner. Wir wollen uns übrigens auch hier wieder ſagen, daß unſere Hauptwaffe ſein und bleiben muß das „Es ſteht geſchrieben“. V. Jeder Bibelleſer weiß, daß die Kinder Gottes im Alten Bunde Hoheprieſter hatten und daß unter deren Aufſicht oder von ihnen ſelbſt viele, viele Opfer dargebracht wurden. Daß ſich unter dieſen Opfern auch Sühnopfer befanden, iſt ſchon erwähnt worden. Ferner wiſſen wir aus der Schrift, daß es Gott ſelbſt war, der dies Amt und dieſen Dienſt verordnet hatte, und daß er ſeinen Kindern, die ihm mit Opfern