# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1928_S21 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1928. 21 was er um deswillen erleiden konnte, weil die Menſchheit in Sünden ſtand.“ (Der Schriftbeweis. Der 2. Hälfte 1. Abtlg., 1853, S. 320 ff.) Von Hofmann leugnet, daß wir die Worte des Neuen Teſtaments „Chriſtus ſtarb für uns“ recht verſtehen. Es kommt hier auf die über⸗ ſetzung der griechiſchen Präpoſition hyper an, welches Wort Luther mit „für“ wiedergibt. Nach von Hofmanns Meinung darf das Wort nicht überſetzt werden mit „anſtatt von“, ſondern muß heißen „zugunſten von“, „zum Beſten von“. Aber iſt es nicht ſonnenklar, daß von Hof⸗ mann trotz all ſeines Scharfſinnes ſich hier auf einem Irrwege befindet? Faſſen wir einige der in Betracht kommenden Schriftworte ins Auge. 2 Kor. 5, 14 heißt es: „Denn die Liebe Chriſti dringet uns alſo, ſintemal wir halten, daß, ſo einer für alle geſtorben iſt, ſo ſind ſie alle geſtorben.“ Hier liegt doch der Begriff der Stellvertretung offen zutage. Einer iſt für alle, an Stelle aller, geſtorben, ſo daß man nun ſagen kann, ſie ſind alle geſtorben. In dieſem Apoſtelwort heißt „für“ offenbar ſoviel wie „anſtatt“. Achten wir ferner noch einmal auf die Stelle Gal. 3, 13: „Chriſtus hat uns erlöſet von dem Fluch des Ge⸗ ſetzes, da er ward ein Fluch für uns.“ Was iſt der Sinn? Doch dieſer: Wir waren verflucht vom Geſetz; Chriſtus hat uns aus dieſer ſchrecklichen Lage erlöſt, indem er an unſerer Statt verflucht wurde. Dies iſt ebenfalls ein deutliches Zeugnis für JEſu ſtellvertretendes Wirken. Wenn dann von Hofmann einwenden wollte, falls er noch lebte, daß hyper (die an dieſen Stellen gebrauchte Präpoſition) aber nicht die Bedeutung „an Stelle von“ haben könne, ſondern „zum Beſten von“ heißen müſſe, ſo können wir ihm bald zeigen, daß er ſich gewaltig irrt. Gerade die neue Sprachforſchung auf griechiſchem Gebiet hat ergeben, daß in jener Zeit dieſe Präpoſition ſehr oft in dem Sinne von „anſtatt“ angewandt wurde. Das neueſte Wörterbuch für das Neue Teſtament (Preuſchen⸗Bauer) führt dieſe Bedeutung an. So iſt von Hofmanns Widerſpruch mit ſeiner Begründung zum alten Eiſen zu werfen. Andere haben gemeint, es ſei ungerecht, wenn Gott JEſum, den Gerechten, an Stelle der Ungerechten leiden laſſe. Sie brauchen ſtarke Ausdrücke. Nicht bloß bezeichnen ſie das von uns Gelehrte als un⸗ gerecht, ſondern auch als unmoraliſch, unethiſch. Ihr Tadel ſcheint auf den erſten Blick berechtigt. Was würden wir von einem Richter halten, der einen Dieb laufen ließe und erklärte: „An Stelle dieſes Miſſetäters wollen wir den unſchuldigen Bürger N. N. beſtrafen“? Es würde uns das Blut ſofort in Wallung geraten, und wir würden gegen ſolche Handlungsweiſe proteſtieren. — Unſere Antwort hierauf lautet, wie folgt: Einmal iſt zu merken, daß in Gott keine Ungerechtigkeit, kein ungerechtes Handeln ſtattfinden kann. Er hat den Unſchuldigen für die Schuldigen in den Tod dahingegeben. Das iſt gewiß. Damit iſt aber auch ſchon geſagt, daß dies nicht etwas Ungerechtes war. Zum andern liegt doch die Sache hier ganz anders als in dem angeführten Beiſpiel. JEſus wollte leiden. Sein Tod war nicht ein erzwungener, ſondern ein freiwilliger Tod. Man hätte wohl ein Recht, von ſchreien⸗ der Ungerechtigkeit zu reden, wenn JEſu dieſe Laſt und dieſes Leiden ohne ſeinen Willen aufgeladen worden wären; aber wir wiſſen, er kam aus freien Stücken, um zu bluten und zu ſterben. Im Hebräerbrief wird das ſchöne Pſalmwort zitiert, worin der Meſſias ſagt: „Siehe, ich komme; im Buch ſteht vornehmlich von mir geſchrieben, daß ich tun ſoll, Gott, deinen Willen.“ Die bekannten Worte des Heilandes in unſerm Liede: Ja, Vater, ja, von Herzensgrund, Leg' auf, ich will dir's tragen; Mein Wollen hängt an deinem Mund, Mein Wirken iſt dein Sagen,